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Log-Stoff: Tag 10 (Santo Domingo – Dominikanische Republik)

Von | 17.04.2011, 9:00 | Kein Kommentar

Worauf kann man sich immer und überall verlassen? Auf die weibliche Irrationalität, was das Zusammenspiel von Straßenbelag und Schuhwerk angehen. Die Frauen von Santo Domingo sind da ganz weit vorne.

Worauf kann man sich immer und überall verlassen? Auf die weibliche Irrationalität, was das Zusammenspiel von Straßenbelag und Schuhwerk angehen. Die Frauen von Santo Domingo sind da ganz weit vorne.

Die Soblicseks lassen kurz anfragen, ob der obligate Landgang vielleicht ein bisserl verschoben werden kann. Der Kreislauf würde noch nicht so richtig kooperieren. Dafür sind wir an allen Bars die Gäste der Woche. Mindestens. Gesungen habe wir – glaube ich – auch. Tue ich irgendwann immer. Schön außerdem, dass man nachts den Seegang für die nicht mehr akkurat gerade Linie beim Weg in die Kabine verantwortlich machen kann. Und sich dann einfach in den Schlaf wiegen lässt. Jedenfalls habe ich die letzen restriktiven Hürden der alkoholischen Zurückhaltung aus meiner privaten Fastenzeit abgestreift. Aber sowas von!

Bestätigen auch die Soblicseks. Wir teilen Alka Selzer und Asprin+C-Brausetabletten miteinander. Auf der Terrasse eines reizenden Cafés in Santo Domingo. Auf einem noch reizenderen Platz. Den besonders der schattige Teil so besonders reizend macht. Herr Soblicsek gibt seiner Brausetablette noch ein kleines Gebet mit auf den Weg: „Bitte hilf!“ Tut sie. Aber wir nicht. Denn wir haben ein erklärtes Ziel: In der Karibik so viel verschiedene Biersorten trinken, wie geht. Und per Foto dokumentieren. Hier also wieder „Presidente“, weil auf Hispaniola, also Dom.Rep.

Kaum haben wir den ersten Schluck intus und den Blick geklärt, erspähen wir unseren Golf-Pro Ian. Gemessenen Schrittes, aber ausgesprochen zielbewusst, steuert er unser Café an und verschwindet grußlos im Inneren. Dort stellt er sich an die Theke und bekommt unaufgefordert ein großes Bier hingestellt. Sieht so aus, als wäre er hier kein gänzlich Unbekannter.

So sitzen wir weiter auf unserem idyllischen Platz, trinken Presidente  – bis auf Herrn Sobliscsek, der trinkt Wasser und Espresso – und schauen den Menschen beim Flanieren zu. Hier befindet sich immerhin die älteste gepflasterte Straße der Neuen Welt. Allerdings lässt das sowohl die einheimische, als auch die touristische Damenwelt sowas von kalt. Schwarze Schönheiten tänzeln auf unvernünftig hohen Absätzen über das Kopfsteinpflaster, junge Ami-Bräute schlappen auf hohen Kork-Plateaus durch Santo Domingo und sogar die gesetzteren Damen der Stadt stöckeln auf schwarzen Irrsinns-Pumps durch die Hitze. Mit Regenschirm unterm Arm. Also kein richtiger Regenschirm, eher ein Knirps.  Ob der jetzt als Waffe gegen Angreifer gedacht ist oder tatsächlich bei Regen eingesetzt werden soll, weiß ich nicht. Bevor ich fragen kann (das Bier *hihi*) zieht mich der Mann weg.

Dummerweise in eine der Haupteinkaufsstraßen der Stadt. Wir halten kurz Kriegsrat: Soblicseks suchen schlimme Kühlschrankmagneten. Und vielleicht Zigarren. Der Mann will ein ordentliches Messer – wahrscheinlich steckt sein letztes noch in der Brust eines dämlichen Taxifahrers. Und ich will karibische Flatterkleidchen. Oder Flipflops. Oder beides. Oder folgendes Schuhwerk, das ich an den Füßen einer Inselschönheit gesehen habe: Grellgelbe Plateau-Sandalen. Aus glänzendem Lackleder. Mindestens 14 Zentimeter hoch. Nur der Hinweis des Mannes, dass ich dann nachts ein rotes Licht wegen der Flugzeuge am Kopf tragen müsste, hält mich von jeder weiteren Suche ab.

Shoppingtechnisch gesehen war der Tag dennoch erfolgreich. Soblicseks haben ihren Kühlschrankmagneten. Und Flipflops für sie. Und einen Panamahut für ihn. Und  Kleidchen und Flipflops für mich. Und ein Messer und Flipflops für den Mann. Und Ansichtskarten. Und noch mehr Bier. „Ambar“ heißt es und ist bisher mein Favorit. Ganz unbeeinflusst lässt der Gerstensaft den Mann nicht – er macht Unerhörtes und flipfloppt jetzt mit. Sofort.  Sogar mit steigender Begeisterung („Schau mal, TOTAL schwarz“).

Und es wird schön gewesen sein.

Foto: weisserstier, Lizenz: CC BY 2.0

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