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Log-Stoff: Tag 9 (Seetag)

Von | 16.04.2011, 9:00 | Ein Kommentar

Wieder mal Seetag. An Bord heißt das auch: Wie gehe ich meinen Mitmenschen aus dem Weg? Bei knapp 1799 anderen Passagieren ist das schwierig.

Wieder mal Seetag. An Bord heißt das auch: Wie gehe ich meinen Mitmenschen aus dem Weg? Bei knapp 1799 anderen Passagieren schwierig. Vor allem, wenn die alle plauderwillig sind.

Man soll gar nicht glauben, wie beliebt Karibik-Kreuzfahrten sind. Kein Wunder eigentlich, wir machen schließlich auch eine. Bei Super-Wetter zwischen den traumhaften Inselchen herum zu schippern ist ja auch toll. Und wer nicht gänzlich verblödet ist oder sich nur vom Herdentrieb leiten lässt, findet auch genug eigene und private Momente. An Land. Auf einem voll belegten Kreuzfahrtschiff ist das schon schwieriger.

Immerhin kennt man nach etlichen Tagen an Bord zumindest einige Gesichter. Zum Beispiel den Wellness-Nazi. Der ist uns schon ganz früh begegnet. Ich habe ihn nur nicht so mitbekommen, weil ich in Sauna oder Dampfbad brillenlos schwitze. Erst mit Kontaktlinsen konnte ich nun seinen ganz speziellen Voodoo miterleben: Er starrt. Der Wellness-Nazi spießt einen mit seinen Blicken förmlich auf. Ein Physiklehrer von mir war so ähnlich. Bei dem hat schon allein das Starren dazu geführt, dass man sich schuldig fühlt. Der Wellness-Nazi hingegen kommuniziert allein durchs Starren. Und zwar verdammt übellauniges, böses Starren. Er kommt grußlos ins Dampfbad. Und starrt. Wenn man geht, grüßt er nicht. Geht er vorher, auch nicht. Und auch sonst: Wo immer auf dem Schiff der Wellness-Nazi auftaucht – er starrt böse. Vielleicht hat er ja auch eine ganz schlimme Gesichtslähmung und ist in Wirklichkeit zauberhaft aber schüchtern. Vielleicht ist er einfach ein Arschloch. Ich tendiere zu Letzterem.

Neben den üblichen Schwitz-, Dampf-, Aroma- und Ruhezonen gibt es natürlich auch den Spa-Bereich. Die wollen ja schließlich auch Geld verdienen. Hier wird also gegen Bares geölt, geknetet, gestrafft und geglättet, das es eine Freude ist. Sogar einen Friseursalon gibt es. Und die Friseuse schwatzt genauso viel, wie man es von ihr erwartet. Weil bei so einem, als Kreuzfahrt getarntem, Kuraufenthalt plötzlich die merkwürdigsten Dinge ganz normal erscheinen, buche ich das Karibikpaket. Für den Mann auch. Muss an der Seeluft liegen, dass er mitmacht.

Für unfassbares Geld wird uns eine Mischung aus pürrierter Papaya und Joghurt aus dem Marktrestaurant, vermischt mit etwas Seesand vom vorigen Strand auf die Haut gerubbelt. Mit Einweghandschuh – wegen der Hygiene. Dann müssen wir duschen. Dann kippen sie einen Eimer Kokosöl über uns aus und arbeiten es herzhaft in uns ein. Würden sie uns noch mit Gartenkräutern bestreuen, wären wir prima Grillgut. So rieche ich nur wie der Feuchttraum eines Fregattvogels – jedenfalls kann ich die kommenden Stunden unseren Balkon nicht betreten, ohne dass mindestens drei über mir kreisen. Man kann sich eben nicht aussuchen, von wem man geliebt wird…

Dafür glänze ich schön. Und bin unfassbar glitschig. Der Mann auch. Außerdem hätte er fast das karibische Bodypeeling gegessen, weil er dachte, es sei ein Spa-Snack. Ansonsten hat es ihm gut gefallen. Zufrieden glitscht er davon, um sich in einer Ecke des Pooldecks eine Zigarette anzuzünden. Dann hat er Durst. Und wir haben noch Nuttenbrause im Kühlschrank. Also glitsche ich zur nächstgelegenen Bar um einen Kühler und Eis und Gläser zu organisieren. Am Rückweg halte ich bei den Soblicseks.

„Schnapsi-Taxi, juhuuu“, brülle ich in die geöffnete Kabinentür. „Lecker, lecker – Vitamine“, kommt sofort das Echo. Zehn Minuten später sitzen wir in unserem Wohnzimmer, killen die erste Flasche und fragen uns, wann eigentlich der Feueralarm der Suite angeht. Nach einer Zigarette oder erst nach vier? Vier Flaschen später weiß ich die Antwort. Darf sie aber nicht weitersagen. So sorry!

Nur soviel: Es wird schön gewesen sein.

Foto: weisserstier, Lizenz: CC BY 2.0

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