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Log-Stoff: Tag 2 (Seetag)

Von | 09.04.2011, 8:00 | 2 Kommentare

Der erste Tag am Schiff trennt die Spreu vom Weizen: In die, die es gut finden. Und in die, die bereits die ersten Haare in der Suppe gefunden haben.

Der erste Tag am Schiff trennt die Spreu vom Weizen: In die, die es gut finden. Und in die, die bereits die ersten Haare in der Suppe gefunden haben.

Ein Sonnenaufgang ist ein Sonnenaufgang ist ein Sonnenaufgang. Sollte man meinen. Wenn man in die Karibik reist, ist so eine Einstellung allerdings jämmerlich. Finde ich. „Grmpf“, sagt der Mann und dreht sich nochmal um. Wie gesagt, der schläft auch auf Stacheldraht. Oder auf der PA während eines Open-Airs. Hat mit seinem Beruf zu tun. Heißt auch: Die Morgenstunden sind mein. Immer schon. Egal wo. Und Romantik am Morgen ist was für Lulus – findet der Mann.

Also sechs Uhr morgens auf Deck 12: Early-Bird-Kaffee, Croissants und der Sonnenaufgang. Und zwar bei 28°. Lauer Brise. Freundlichen Asiaten, die um einen herumwuseln und sofort jeden Krümel entfernen. Und einer Armada Deutscher in den Krallen des Jetlags. Die Neuankömmlinge an Bord sind recht einfach an der Hautfarbe zu erkennen: madenweiß. Rote Augen. Immer die Kamera dabei.

Am Nebentisch eine Reisegesellschaft aus dem Ruhrgebiet. Zwei Paare, gemeinsames Merkmal: s.o. plus Trekkingsandalen. Weghören unmöglich. Eine Frau zur anderen: „Also ich wird‘ hier nimmer froh. Gisela, dat Schiff bewegt sich ja! Dat hat einem so ja keiner gesagt!!!“ Die andere: „Ich weiß. Ich hab‘ kein Auge zugetan. Das Schwanken – mir ist ganz übel.“ Die Männer nicken. Eine Kreuzfahrt auf einem Schiff haben sie sich alle ganz anders vorgestellt. Was zeigen die eigentlich beim TV-Traumschiff? Nur die Landausflüge?

Um 10.30 Uhr dann die für alle obligatorische Seenotrettungsübung. Alle müssen mitmachen – nicht nur die Passagiere, auch die Besatzung, die das stoisch alle 14 Tage über sich ergehen lässt. Und wir lernen die erste Nemesis unserer Kreuzfahrt kennen: Unseren zuständigen Seenotrettungs- Begleiter. Ein kleiner Bayer in Knödelform und mit Schnauzer. Der Mann besteht darauf, dass der Knödel eine längere Vergangenheit bei der Bundeswehr hinter sich hat. Er erkennt das am Umgangston, sagt er. Miese Witze, Plattitüden und eine Rhetorik von Truppenübungsplatz ergeben eine explosive Mischung. Aber wir müssen ihn ja nicht wiedersehen. Denken wir. So ein Schiff ist ja groß. Denken wir…

Nemesis zwei hat uns auch entdeckt: der Bordfotograf. Wenigstens haben sie hier an Bord einen brauchbaren Filter, den sie automatisch über alle Fotos legen. Nur so kann ich mir die offenkundige Diskrepanz zwischen meinem tatsächlichen Aussehen und den Fotos in Rettungsweste erklären. Oder macht die Karibik einen Sahne-Teint? Als ich das frage, macht der Mann ausnahmsweise nicht „grmpf“, sonder lacht. Schallend.

Es wird schön gewesen sein. Auch auf den Fotos.

Foto: Scott Anderson, Lizenz: CC BY 2.0

2 Kommentare »

  • La Laetti sagt:

    Auch Ahoi! Auf dem Schiff, auf dem ich reiste, hat die italienische Crew die Seenotrettungsübung zum Abchecken der Mädels ausgenutzt – und wir haben gelernt, dass wir im Falle einer tatsächlich eintreffenden Seenot (4 Wochen später hatte es auf unserer Route ja tatsächlich vor Santorin die Sea Diamond erwischt) uns auf keinen Fall an diese Crew, sondern an die philippinischen Seemänner halten würden. Philippinos will make it!

  • erich reismann sagt:

    AHOI meine Lieben!!!

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