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Umbruch in der FDP: Röslein, alle beide

Von | 06.04.2011, 11:25 | Kein Kommentar

Brief aus Berlin: Philipp Rösler ist der neue erste Mann bei den Liberalen und der stärkste FDPler im Kabinett Merkel. Er hat das Zeug zum Polit-Star, wenn er die Guttenberg-Falle meidet.

Philipp Rösler (Porträtfoto)

Brief aus Berlin: Philipp Rösler ist der neue erste Mann bei den Liberalen und der stärkste FDPler im Kabinett Merkel. Er hat das Zeug zum Polit-Star, wenn er die Guttenberg-Falle meidet.

Philipp Rösler habe ich genauso kennen gelernt wie Karl-Theodor zu Guttenberg: Zu einer Zeit, als sie auf der bundespolitischen Ebene noch keine Rolle spielten. KT bei der Premiere des Films “Walküre” – er war CSU-Generalsekretär – im Treppenhaus des Kinos, Tom Cruise sollte gleich vorbeikommen und Hände schütteln. Das erste Gespräch mit Philipp Rösler fand beim Sommerfest der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin statt. Rösler war im Landtag und Chef der Landes-FDP.

Wie zu Guttenbergs, so verlief auf die Karriere von Philipp Rösler steil: Landesminister, Koalitionsverhandlungen, Bundesminister. Da wo KTs Karierre abbrach – eine mögliche Beerbung des CSU-Chefs Seehofers – geht nun die von Philipp Rösler weiter. Er wird der Parteichef der FDP und der Vizekanzler im Kabinett Merkel. Auch wenn Vizekanzler sein kein wirkliches Amt ist, es ist schon mal so wie fast Kanzler. Es wird nicht lange dauern, bis man sich die Frage stellt, welche weiteren Weihen zu empfangen der Niedersachse sich anschicken wird.

Welche Weihen werden folgen?

Was heißt dass für die FDP, dass sie sich für den jungen Politiker entschieden hat? Aus der alten Riege war als neue Parteivorsitzende nur die Justizministerin im Gespräch. Sie kann den Neuanfang nicht mehr verkörpern. Christian Lindner, noch einmal einige Jahre jünger als Philip Rösler, ist als Generalsekretär im Moment an der richtigen Stelle. Hätte er zugreifen wollen, hätte er den Job als Vorsitzender bekommen.

Aber das Kombinat aus einstmals Landes- und jetzt Bundesminister, gepaart mit der Erfahrung als Landesvorsitzender, ist wichtig: Rösler ist, was die reine Erfahrung mit Apparaten und Strukturen des Polit-Betriebs angeht, erfahrener als Lindner. Er sitzt schon am Kabinettstisch, kann also Vizekanzler und Parteichef in der Weise als Machtpol vereinen, wie es eine eingeschlagene FDP im Moment braucht.

Die FDP braucht mehr als neue Gesichter

Die FDP braucht mehr als nur ein neues Gesicht. Philipp Rösler bleiben bis zum nächsten Bundestagswahlkampf knappe zwei Jahre Zeit, um in der Bundesregierung und in der Öffentlichkeit das zu verkörpern, was die neue FDP ausmachen soll. In der Denkschmiede, im Bauch der Partei, wird Christian Lindner mit denen, die das Rad der Liberalen in die Zukunft drehen wollen, an der neuen Programmatik arbeiten müssen.

Dabei hat Rainer Brüderle mit einer Kritik an den Bestrebungen der Jungen vollkommen recht: Deutschland braucht keine fünfte SPD. Wenn nun auch die FDP den Umbau unserer Wirtschaft in eine grüne, ökologische vorantreiben möchte, kann sie sich einreihen, denn das schreiben sichSDP, CDU und Grüne ebenso auf die Fahne.

Wichtig ist, dass Philipp Rösler nun die Nerven behält, nicht wie Guttenberg medienwirksam auf Dinosaurierskelette steigt oder ähnliche Abhebtendenzen zeigt. Er ist jetzt auf dem Höhepunkt seiner Karriere und muss etwas daraus machen. Ich bin gespannt auf unsere nächste Begegnung.

Foto: fdp nds, Lizenz: CC BY 3.0

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