LOL oder nicht LOL, das ist die Frage
LOL ist das mit Abstand meiststrapazierte Kürzel in Webwelt. Offenbar ist das ganze Dasein zum Arsch-ablachen lustig.
Im Ernst. Ich kann mich nicht erinnern, angesichts der drei Buchstaben je losgeprustet zu haben. Und gegenwärtig bin ich sowieso eher auf daumenrunter, wenn die Augen wieder mal darüber stolpern.
„lol“. Oder „LOL“.
Es gibt Leute, die beharren noch immer auf den Unterschied. „lol“ sei in etwa „Ast ablachen“, sagen sie, „LOL“ dagegen „so was von einem Ast ablachen“. Und wenn ihnen selbst die Großbuchstaben als verbale Entsprechung ihrer Befindlichkeit unzureichend erscheinen, beginnen sie zu „ROFL“n, das ist fast schon ungesund lustig, eigentlich ist es bereits „LMAO“ – erraten, Abteilung Arsch ab.
Ich hab ein paar ROFLs in meinem Bekanntenkreis und sie sind intelligente Leute, aber wenn sie twittermäßig auf „lol“ daher kommen (praktisch täglich), verwandelt sich der Absender unvermutet in einen grauhaarigen Tennisspieler mit verkehrt aufgesetzter Baseballkappe, Sie wissen schon, jene Kopfbedeckung, deren Schild die Augen vor der Sonne schützen soll und damit auch dieser Sinn ad absurdum geführt wird, setzt man sich die Kappe verkehrt auf und warum auch nicht, vor dreißig Jahren war das sicher mal ein Statement, so wie „lol“.
Letzteres ist nicht einmal falsch. Vor dreißig Jahren soll ein Computerwissenschaftler namens Scott Fahlmann den Gernelachern das Emoticon :-) vorgeschlagen haben.
:-) ist der ältere Bruder von „lol“, aber „lol“ heute viel gebräuchlicher, weil :-) wegen der Hochstelltasten komplizierter zu bewerkstelligen ist. Ich wurde mit beiden nie happy. Mit Emoticons nicht, weil sie dem Geschriebenen die Subtilität abschminken. Vor allem ;-), das ist dieser obsolete Wink mit dem Zaunpfahl, ein „du, das meinte ich jetzt lustig“. Manchmal schreit es – VERSTEHST!? – wie eine Panikattacke aus dem Tweet.
Seit Emoticons wie die Schwammerln wuchern, gewöhnst du dich als Leser automatisch an die Routine, nur noch dann was als „lustig gemeint“ zu rezipieren, wenn das entsprechende Emoticon hinter dem Satz pickt. Emoticons sind der Diebstahl von Fantasie. (Hm, Korrektur: Eigentlich stehlen sie nicht die Fantasie per se, sie stehlen nur den Raum, in dem Fantasie sich entfalten könnte, sie erdrosseln langsam, aber sicher, die Kraft deiner Vorstellung. Auch schon was.)
Ich hab mich mit Emoticons nie angefreundet und „lol“ nie verwendet, mit einer Ausnahme: Ein Freund meines Sohnes Nummer 3 heißt Lawrence, die Kurzform davon ist „Lol“ und so wird er gerufen. Armes Schwein, ich meine, welcher Mensch mit allen Tassen im Schrank möchte „Laugh-out-loud“ heißen?
„Warum das lange Gesicht, Laugh-out-loud?“
Kein Wunder, dass er nie lacht, aber gut, von Clowns heißt es ja auch, dass sie privat meistens depressiv drauf sind (ehe sie sich dann heimdrehen …)
Oder die Waliser. Bei denen heißt „lol“ einfach nur „Unsinn“ und in Wahrheit kommt das meinem Problem mit „lol“ schon recht nahe: Ich kann es den habituellen „lol“-usern nicht abnehmen. Ich kann nicht glauben, dass sie etwas so überwältigend amüsierte, dass sie laut auflachten oder sich lachend am Boden rollten oder sich den Arsch ablachten und sie deswegen „lol“ oder „rofl“ oder was ins Handy tippen und uns via Twitter oder Facebook mitteilen mussten. Ganz sicher nicht so oft wie sie es machen, das wäre ja reinste Klapsmühle, Leute! So was wie der irre Kicherer in Dark Side of the Moon! Kuckucksnest!
Die Welt ist nicht so lustig, wie Ihr sie zeichnet!
Zum Glück scheint dies ohnehin in Webwelt ein Thema zu sein, Loller werden als „geistige Faulpelze“ und „Lügner“ geoutet, Blogger mahnen zur „LOL“-Mäßigung, ein Komödiant namens Demetri Martin macht sich für „LTMQ“ (= laughing to myself quietly = still in mich hinein lachen) stark, das sei „weit ehrlicher“, meint er.
Tatsächlich hatte die Lake Superior State Universität in Michigan bereits 2004 eine große Kampagne gestartet, „LOL“ wegen „Missbrauch, Abnützung und genereller Wertlosigkeit in die Verbotsliste für Queens English“ aufzunehmen, total veritable Liebesmüh, nur leider für den Hugo, die Welt lollte ungerührt weiter und jedes Land auf eigene Art, die Franzosen schreiben „mdr“ (mort de rire), wenn sie vor Lachen sterben, die Thais vergnügen sich mit „555“, weil „5“ wie „ha“ ausgesprochen wird, die Japaner haben entsprechende Kanjis, den Koreanern gehts nicht anders.
Und nun also der Todesstoß für alle Liebhaber von Sprache: Seit wenigen Tagen (dem 24.3.2011) ist „LOL“ auch von der obersten Sprachpolizei – dem Oxford English Dictionary – offiziell anerkannt, vermutlich deswegen, weil die Bezeichnung ihren runden Geburtstag feiert. Vor fünfzig Jahren rutschte das Kürzel „LOL“ erstmals in den Sprachgebrauch. Für Little Old Lady.






[...] weiter erzählen und sozial netzwerken muss, was er auch tat, das Feedback (1.7 mio User) war total LOL. Irgendwann fand sich im Feedback auch ein Auskenner, der ihm flüsterte, dass [...]
Das bild is iwie voll rassistisch …
Entschuldigen Sie, aber ich glaube nicht, dass es Spaß macht, um die Nazi-Symbol anzeigen ..
LOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL ich rofl grad hier rum, wegen dem beitrag lmfao xD
da is wohl jemand seeeehr unzufrieden mit sich und der welt?
Was wohl Hugo v. Hoffmannsthal sagen würde
;)