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Eberhard LauthAtomdiskussion: Wie wäre es zur Abwechslung mit Fakten?

Von | 05.04.2011, 22:37 | 5 Kommentare

Wie tödlich ist die Atomkraft? Befürworter wie Gegner haben dafür viele Daten parat. Jetzt sollten sie bloß noch stimmen.

Atomkraftwerk Biblis.

Wie tödlich ist die Atomkraft? Befürworter wie Gegner haben dafür viele Daten parat. Jetzt sollten sie bloß noch stimmen.

Raus aus der Atomenergie. Das fordert sich leicht. Das erfordert kein großes Verständnis, sondern bloß die Kenntnis ein paar prägnanter Bilder, von denen es in den vergangenen Wochen genug gab. Und zugegeben: Raus aus der Atomenergie gehört selbstverständlich unterschrieben, wenn es sich auch mit einem Raus aus der Energieverschwendung gleichsetzen lässt. So weit, so prinzipiell.

Trotzdem bekommt die Diskussion um die Atomenergie meist schneller einen schalen Beigeschmack als man die Argumente der einzelnen Parteien hören kann. Die einen glaubt man von vornherein zu kennen – es sind die Vertreter der so genannten “Atom-Lobby”, die des Bösen, Verkommenen, Mörderischen, Verlogenen. Und die Position der anderen unterschreibt man so oder so, weil man schließlich weiß, was man oft genug gesehen hat: Bilder von geborstenen Reaktoren, Bilder von deformierten Kindern, Bilder von den Ruinen der im Jahr 1986 nach einem GAU verlassenen Stadt Tschernobyl.

So weit gehen hier die Vorurteile und wechselseitigen Zuschreibungen, dass keiner mehr merkt, was vor sich geht: Es wird gelogen und verzerrt – und zwar von allen Seiten. Und es braucht gelegentlich gründlich recherchierte Texte wie jene von George Monbiot im Guardian, um auf diesen irritierenden Zustand hingewiesen zu werden.

“The unpalatable truth is that the anti-nuclear lobby has misled us all” nennt sich das Stück Text, das sich via Twitter und Facebook seit seinem Erscheinen in Windeseile verbreitet hat: “Die bittere Wahrheit ist, dass die Anti-Atom-Lobby uns alle getäuscht hat.”

Nicht, dass Monbiot auf der Payroll der Atomlobby stünde, nein, er erwähnt sogar seine Vorgeschichte in der Antiatombewegung. Aber er hat irgendwann einmal angefangen nach den Belegen für all die Fakten zu suchen, die im Zusammenhang mit Atomkraft und Kernenergie in Diskussionen gerne aus dem Ärmel geschüttelt werden. Am Beispiel der Auswirkungen der Strahlenbelastung nach Tschernobyl kommt er zu einem ernüchternden Schluss: Der Großteil der von respektablen Atomgegnern (er nennt Helen Caldicott als Beispiel) verwendeten Zahlen und Statistiken zu Krebsfällen, Missbildungen bei Kindern und schließlich Todesfällen ist heillos übertrieben und für die eigene Position zurecht gebogen – George Monbiot hat dazu auf seiner Website auch noch zusätzliches Material veröffentlicht.

All das, was wir gerne übermächtigen Lobbys unterstellen, egal, ob es sich dabei um Atomindustrie, Autoindustrie oder sonstwas handelt – also das Vertuschen und Verzerren von Fakten – zelebrieren auch deren Gegner. Und komme mir jetzt keiner mit dem Argument, dass wer auf der richtigen Seite steht, durchaus auch mit den falschen Methoden ans Ziel gelangen darf. Auf der richtigen Seite steht nämlich in der Frage der Atomenergie niemand – das sieht nur in den ersten Wochen nach Katastrophen wie der von Fukushima so aus, weil es einem die Bilder so schrecklich einfach machen, sich zu eachauffieren und alles besser zu wissen.

In Wahrheit war es dem Großteil von uns bis Fukushima völlig egal, wie viele Kernkraftwerke auf dieser Welt in Betrieb sind. Doch jetzt, wo schon alle dazu ihre Meinung haben, hätte ich gerne auch Fakten auf dem Tisch, denen ich trauen kann. Bitte. Danke.

Foto: Udo Springfeld, Lizenz: CC BY 2.0

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5 Kommentare »

  • Happy Ray sagt:

    Zum Thema Strahlung fällt mir immer wieder mein Handy ein, mein WLAN Router oder die ganzen Funknetzstrecken. Man sollte man gründlich darüber informieren. Mit einem kleinen Aufkleber mit integriertem Chip macht man den Strahlen den gar aus.

  • saxo lady sagt:

    ja, stimmt schon. dieses hysterische geschrei nervt und führt zu nix, außer dass der jeweilige “gegner” fakten in die hand bekommt, dass der andere falsch liegt…

    und trotz alledem.
    mein milchmädchen-hausverstand sagt:
    technologien, die im falle eines versagens riesige landstriche unbewohnbar machen können, die weltmeere verseuchen können und menschen zum tode verurteilen sind zu überdenken. es gibt genug technologien, die diese risiken nicht haben, und dennoch für energie sorgen. der einzige unterschied zur atomenergie scheint zu sein, dass die gewinnspanne eine kleinere ist.
    und die gewinnspanne ist hier unter große anführungszeichen zu setzen, weil die schäden immer die allgemeinheit tragen muss, während die gewinne immer ein paar wenige mitnehmen.

    • truetigger sagt:

      @Lady Saxo: Es ist nicht nur die Gewinnspanne – Atomenergie lässt sich entweder durch mehr fossile Kraftwerke ersetzen (Klimaerwärmung) oder erfordert ein konsequentes Umdenken im Energiekonzept:

      - neue Investitionen in Leitungsnetze (gegen die viel demonstriert wird)
      - mehr Windkraft-, Solar- und Wasserkraft (gegen die auch viel demonstriert wird)
      - last but not least: endlich die Energieverschwendung angehen

      All das erfordert eben mehr Anstrengung als alles “vorerst” so weiterlaufen zu lassen wie es bisher läuft. Energie wird eh teurer, aber um Energiesparen attraktiv zu machen MUSS Energie auch teurer werden, massiv teurer. Da ist es eben nicht mit dem Wechsel des Energieanbieters getan, da müssten wir alle tatkräftig anpacken. Und genau da hab ich meine Zweifel, schon bei mir selbst und erst recht bei der Gesamtbevölkerung, die ja die Krone für eine Zeitung hält und die sich bisher schon so ergeben von Populisten einspannen lässt.

      • saxo lady sagt:

        genau der letzte punkt wird wohl der wichtigste sein.
        unsere lebensweise überdenken.

        ich sehe und erlebe menschen (mich inklusive), die täglich hetzen und hasten, um den alltag zu bewältigen, für den job verfügbar sein, die kinder zu fördern…oder wenigstens halbwegs schadlos durch die schule zu bringen, einem urlaub möglichst weit weg entgegen fiebern, um dem alltagswahnsinn wenigstens kurzfristig zu entkommen, ab 40 etweder burnout-gefährdet oder herzinfarktanfällig oder beides, unsummen geld ausgeben für 50 min ruhezeit bei diversen therapeuten ab 60,- die stunde…

        und dann reden wir davon, dass wir unseren lebensstandard in der “entwickelten Welt” den Entwicklungs-und SChwellenländern auf gar keinen Fall vorenthalten dürfen, und deshalb den energiehunger weiter fördern müssen….

        ????

  • truetigger sagt:

    Mag sein, dass es vielen bisher egal war, das gilt aber nicht für alle.

    Ja, ich hätte nicht geglaubt, dass es in einem technisierten Land solch einen Unfall wie in Fukushima geben könnt: Klar, der Tsunami war eine horrende und seltene Naturkatastrophe, aber die Hilflosigkeit seitdem im Eindämmen des Strahlungslecks erschreckt einen dann schon.

    Nichtdestotrotz hat der gute Mann recht: “10.000fach überhöhte Strahlungswerte!” klingt dramatisch, die Antwort “nicht gesundheitsschädlich” wie eine lahme Ausrede. Dabei stimmt beides: Zwischen “definitiv unbedenklich” (Strahlenmengen, die überall auf der Erde vorkommen) und “definitiv schädlich” gibt es einen sehr breiten Bereich, über den man nichts weiss und den beide Seiten mit zusammengebogenen Studien gern für sich auslegen. Hierzulande bestimmt die rauchende Reaktorruine das Bild Japans, während die mehr als 10.000 Toten und unzählige Obdachlosen fast untergehen in der Wahrnehmung. Dabei sind das reale Tote und nicht “Erkrankungen, die unter Umständen auf die erhöhten Strahlungswerte zurückzuführen sind”.

    Dennoch ist Atomenergie ein No-Go. Es werden über die Jahre Unmengen an Abfällen produziert, für die weltweit noch nicht EINE EINZIGE Lösung existiert – schlaue Pläne wie den Laufwellenreaktor gibt es zu hauf, aber wo entsorgt man Atommüll, der wie 239-PU mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren mal eben sicher für eine VIERTEL MILLION JAHREN von der Biosphäre ferngehalten werden will?

    Man werfe nur einmal einen Blick auf die medienwirksamen deutschen Castoren: “abgebrannte” Brennelemente lagern in Deutschland 5 Jahre(!) in Abklingbecken, wo sie RUND UM DIE UHR aktiv gekühlt werden müssen, sonst erhitzen sie sich selbst bis zur Kernschmelze. Man buttert also 5 Jahre lang Strom hinein um den Müll am GAU zu hindern. Danach ist er soweit abgeklungen, dass er mit 400° in die Castoren darf. Die verwenden passive Kühlung: Castoren lagern dann 30 Jahre(!) mehr oder weniger im Freien, wo Luft vorbeiströmen kann (z.B. in oberirdischen Hallen): selbst wenn man ein Endlager hätte dürfte man aktuell noch gar nicht die Castoren dort deponieren, da sie zuviel Wärme produzieren. Sie liegen also dort, wo im Falle eines Falles Idioten Zugriff haben, die mit “schmutzigen Bomben” Angst und Schrecken verbreiten wollen.

    Und erst 35 Jahre nach Brennschluss könnte man die Brennelemente dort vergraben, wo man hofft, dass sie nicht einer nachfolgenden Generation das Leben versaut.

    UND DAS IST DER NORMALBETRIEB. Jeder Störfall, jeder “auslegungsüberschreitende Zwischensfall” erhöht das Risiko für nicht handhabbare Situationen noch einmal.

    Ja, durch Kernenergie sterben spontan bei weitem nicht soviel Menschen wie man angesichts des Medienhypes vermuten würd. Doch dies darf nicht als Ausrede gelten, sie als “sichere und saubere” Energie einzustufen. Kernenergie so wie bisher einzusetzen ist schlicht ein Verbrechen.

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