Sex für Fortgeschrittene 31. Nullbock After Eight
Bekanntlich keine Qual der Wahl: Frauen verbringen den Abend lieber mit Schokolade als mit Sex. Das macht sie noch nicht zu Genussmenschen.
Es gibt gute Gründe, ein Stück Schokolade zu kaufen. Der durchschnittliche Riegel versorgt dich mit 21% deines täglichen Calcium – und 12% deines Eisenbedarfes. Schokolade enthält den antidepressiv aktiven Wirkstoff Phenylenthylamin. Sie enthält Magnesium, das die prämenstruellen Spannungen lindert, und der Geruch des süßen Zeugs stärkt das Immunsystem durch Produktion eines stattlichen Antikörpers (Quelle: University of Westminster). Eindeutig vernünftig, so ein Stück Schokolade. Den lautstarken Protest der Zahnärzte wollen wir hier einmal ignorieren.
Obiger Hinweis auf die PMS legt nahe, dass Frauen eventuell eine innigere Beziehung zu Schokolade haben als Männer. Der internationale Schokoriesen Cadbury hat es bestätigend ermittelt: Erwachsene weibliche Kunden sorgen für über zwei Drittel (67%) des Gesamtumsatzes seiner schokohältigen Produkte.
Mit Vernunft hat dieser Umstand aber wenig zu tun. „Schokolade ist eine unkomplizierte Köstlichkeit“, bestätigt die wunderbare englische Autorin Katharine Whitehorn. Als solche sei sie zum einen immenser Trostspender: „Der Rest der Welt mag dich im Stich lassen, aber Schokolade ist immer für dich da.“ (Whitehorn)
Zweitens gehe der Genuss der Süßigkeit stets mit nicht unerheblichen Schuldgefühlen der Konsumentin einher, insbesondere wenn sie eine Sklavin des Diktats der Idealfigur ist. Aber ohne dieses Gefühl von „Sünde“, meint Whitehorn, sei Schokolade weit weniger attraktiv. Faszinierend, wenn auch familiär. Wer eine Oma hat, kann es nachvollziehen: Sagt sie „ich geh jetzt sündigen“, meint sie nie den Liebhaber von nebenan, sondern immer die Konditorei um die Ecke. Also: In jeder erwachsenen Frau steckt unter anderem auch eine Oma.
Eine berühmte Studie des internationalen Forschungsinstituts MORI kann diesen Aspekt bestätigen. Demnach verbringt jede zweite – vor die Wahl gestellte – Frau den Abend lieber mit Schokolade als mit Sex.
Die andere Hälfte der Weiblichkeit will lieber „keins von beiden“. Oder eben Sex. Auch das kommt vor.
Nicht auszuschließen, dass ein Mann diesen – für ihn eventuell exzentrisch anmutenden – Hang des Frauengemüts nie verstehen wird. Aber es mag helfen, sich gelegentlich bei fernöstlichen Denkweisen zu bedienen. Im chinesischen „Buch der Weisheit“ I Ging etwa ist „das Männliche“ eine himmelsstürmende, forschende, schöpferische Energie, während die Frau letztendlich immer der Erde verhaftet bleibt. Ihr Wesen ist bodenständig. Nicht wirklich ein zeitgemäßes Konzept, aber es bringt ein Minimum an Sinn in die für ihn vorerst absurde Frage „Sex oder Schokolade“.
Bekanntlich lockte schon Casanova lieber mit Schokolade als mit Champagner, wenn er eine Frau verführen wollte. Er zollte dem Umstand Tribut, dass der Genuss von Schokolade die Sinne animiert. Wie Sex ist auch Schokolade eine höchst sinnliche Sache, nur eben weniger himmelschreiend orgiastisch, mehr zartbitter bodenständig. Der potente Kern der sinnlichen Sensation ergibt sich aus der Schokoqualität, knapp unterhalb der menschlichen Körpertemperatur zu schmelzen. Schokolade zergeht auf der erogenen Zone Zunge. Den Kick besorgen dann die Geschmacksnerven.
Der verantwortliche Prozess dazu wurde übrigens erst 1847 von der englischen Firma Fry & Sons entwickelt. Zuvor war die 1519 erstmals von einem Europäer – dem Spanier Hernán Cortés – am Hof des Aztekenherrschers Montezuma verköstigte, „xocoatl“ genannte und aus der bitteren Kakaobohnen gewonnene Substanz vor allem als Drink gebräuchlich.
Die maximal im oralen Bereich verhaftete Sinnlichkeit beschert bis heute so manchem Schokoriesen so manche Pleite. Als Cadbury zum Launch des phallusähnlichen Schokoriegels „Flake“ ansetzte, entwickelte das zuständige Marketing-Genie einen Werbespot (sehen Sie sich das an), in dem ein Model dem Flake einen Blowjob verpasste. Zum Erstaunen der Cadbury-Männer fiel der Flake beim Zielpublikum Frau vollkommen durch. Woraus sich schließen läßt, dass der sexuelle Akt Blowjob von der Frau nach wie vor unter „Gefälligkeit“ archiviert wird. Schokolade dagegen ist ihr purer Genuss. Banal, aber real.
Eine ernüchternde Erkenntnis einerseits für den Mann. Tröstlich aber, dass wahre Genießer noch immer verstehen, himmelschreienden Sex mit bodenständiger Schokolade zu vereinen. Etwa der frühe Mick Jagger, der 1967 nach einer Razzia verhaftet wurde. Das Polizeiprotokoll dazu verlautete, dass Mick unter einer Decke mit seiner Freundin Marianne Faithfull gefunden wurde, in deren Vagina sich ein Objekt befand, das später als „Mars Schokoriegel“ identifiziert wurde.
Die Story von Sir Mick und seinem Marsgirl sollte sich als zu gut erweisen, um von den Beteiligten je mit ganzem Herzen dementiert zu werden. Und vielleicht hat sie auch die Cadbury-Gewaltigen vor vier Jahren ein wenig daran erinnert, dass es immer noch die alten Rocksaurier sind, die am ehesten spätnächtlich Lust erzeugen, nämlich auf Schokolade. Ein Commercial mit Musik von Phil Collins mauserte sich zum erfolgreichsten Cadbury-Clip aller Zeiten. Selbstverständlich hätte die Musik allein („Ich fühl es kommen / in der Luft / heut Nacht“) nicht für den Erfolg gereicht. Daher ersetzte man die optische Schwachstelle – den Trommler – mit einer Urgewalt. Und die hat es gebracht.






schoko sinnbildlich für frauen! sie riecht gut und ist jederzeit griffbereit, weiß ob ihrer sinnlichkeit, braucht wärme um sich zu entfalten und fliesst dann im vollem aroma dahin;-)
… und wenn Mann zuviel nascht, wird ihm … anders.
hm, also Sex ist schon noch viiiiieeeel besser als Schoko..nur Schoko kriegt man einfacher :-)
Na dann Prost
schoko UND champagner, bitte schön!!
und jetzt geh ich zu meinem trauben nuss schoki…bevor mein mann heimkommt ;)