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Ana TajderWalking in Hollywood

Von | 29.03.2011, 21:07 | Ein Kommentar

Es gibt Erfahrungen, die musst du erst mal machen. Zum Beispiel zu Fuß in Hollywood unterwegs zu sein. Also: Vor drei Wochen zog ich offiziell nach Los Angeles. Es ist nicht so, dass ich in Los Angeles leben wollte. Oder in der Filmindustrie arbeiten. Ich habe mich verliebt. In einen Mann, der in Los Angeles [...]

Hollywoodland by Knot, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Es gibt Erfahrungen, die musst du erst mal machen. Zum Beispiel zu Fuß in Hollywood unterwegs zu sein.

Also: Vor drei Wochen zog ich offiziell nach Los Angeles. Es ist nicht so, dass ich in Los Angeles leben wollte. Oder in der Filmindustrie arbeiten. Ich habe mich verliebt. In einen Mann, der in Los Angeles leben will. Und in der Filmindustrie arbeitet. Das Leben hat seine eigenen Pläne.

Für Europäer ist die USA … ich bin hier besser diplomatisch … seltsam genug. Aber Los Angeles ist wie die Landung auf einem anderen Planeten. Du freust dich, dass es noch Spuren von Wasser und Atmosphäre gibt, dass du also nicht unverzüglich stirbst. Aber um zu überleben brauchst du eventuell noch andere Sachen – einen Job in der Industrie, zumindest einen Körperteil, der Siliconhältig ist oder wenigstens chemisch behandelt, ein Paar UGGs … und natürlich ein Auto, das ist das wichtigste.

Apropos Auto, heute fühlte ich mich besonders mutig und rebellisch (und hungrig), also forderte ich Los Angeles heraus – ich ging zu Fuß zum Supermarkt. Ha, versucht das mal!

Wir leben in einem (noch) sehr zahmen und charmanten Teil Hollywoods (ja, ich leb jetzt tatsächlich in Hollywood, ich hab den Wiener Laudonplatz gegen diese neun großen weißen Buchstaben am Horizont getauscht) namens Larchmont Village. larchmont ist wie die Wisteria Lane mit einem Hauch von Mexiko, mit kleineren Häusern und unglaublichen Gärten. Fantastische Rasen, farbenfrohe Blumen, Palmen.

Aber keine Leute.

Seit drei Wochen leb ich jetzt hier (inklusive meinem ersten Besuch sind es sechs Wochen), aber ich weiß noch immer nicht, wo die Leute sind. Sie arbeiten, heißt es. Okay, aber fahren sie nie zur Arbeit, kommen sie nie nach Hause, holen sie nie die Kinder von der Schule ab? Ich weiß es nicht. Ich stoße nur zufällig auf jemanden, mal eine Person mit Hund, dann wieder einen Jogger, der sich plötzlich auf den Asphalt fallen lässt, ein paar Klimmzüge hinlegt und sich streckt, direkt vor dir. Seltsames Ritual.

Der Spaziergang zum Supermarkt dauerte dreizehn Minuten. Und noch einmal dreizehn zurück. Es war sechs Uhr abends, theoretisch also Stoßzeit. Sechsundzwanzig Minuten durch eine Wohngegend während der Stoßzeit, und ich traf genau eine alte Frau. Und einen seltsamen Jogger, der wie eine Mischung aus Brad Pitt und Steve Taylor daherkam.

Durch L.A. spazieren ist eine seltsame Erfahrung. Du weißt, du bist in einer der großen Städte der Welt. Du spürst die Energie von Millionen Menschen. Du hörst das Summen der Metropolis. Du riechst die Scheiße. Aber du siehst keinen Menschen.

Bis du eine belebtere Straße erreichst, dort siehst du plötzlich Leute in ihren Autos (immer eine – 1! – Person pro Auto, vielleicht ist das gesetzlich so vorgeschrieben), die dich verblüfft ansehen. Eine Fußgeherin!? Die Verblüffung wurde noch größer, als ich vom Supermarkt zurückkehrte, mit zwei großen Plastiksäcken in den Händen, weil, wenn du nur spazieren gehst, besteht immer noch die theoretische Chance, dass du es aufgrund einer Empfehlung des Heilers/Nahrungsexperten/Chiropraktikers machst. Aber mit zwei Plastiksäcken in Händen wird klar, du machst es aus praktischen Gründen, um von A nach B zu gelangen, mit einem Botengang dazwischen eventuell. „Praktisch“ ist kein gebräuchlicher Ausdruck in dieser Gegend, wenn es nicht irgendeine umweltschädigende Maschine inkludiert.

Der Spaziergang nach Hause hatte aber was Romantisches. Ich spazierte durch diese charmanten Wisteria-trifft-Mexiko-Gassen, die Blicke der Autofahrer machten mir die Plastiksäcke mit den Lebensmitteln bewusst. Und ich erinnerte meine Kindheit in Zagreb. Um vier Uhr Nachmittags war Zagreb voll mit Frauen, die von der Arbeit nach Hause gingen, jede mit Plastiksäcken voll mit Lebensmitteln in Händen. Ich erinnerte mich, wie ich am Balkon stand und meine schöne Mutter beobachtete, die gerade nach Hause kam, mit zwei Plastiksäcken in den Händen. Heimweh kam auf.

Aber dann dreht ich meinen Kopf nach links und sah das Hollywood-Zeichen auf den Hügeln. Und der Zusammenprall dieser beiden Dinge – die weißen Buchstaben am Hügel und die weißen Säcke der Vergangenheit – machte es wieder gut. Ich bin hier um zu entdecken. Zu Fuß.

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Ein Kommentar »

  • Ines sagt:

    … Die Erfahrung habe ich schon 1993 als ich mein letztes Jahr Gymnasium in Nebraska absolvierte gemacht. Sie haben mich wirklich für komplett verrückt gehalten weil ich spazieren gehen wollte!! Die Konversation mit meine “host-mum” ging so: “but… where are you going?” “nowhre, I just want to take a walk” “…but what for?” “for nothing, just to walk!” “yes, but I don´t understand it, if you want to go somewhere I can give you a ride, and if you are going nowhere, why are you leaving the house? and walking??!!”

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