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Lykke Li: Wenn die Lieder Trauer tragen

Von | 11.03.2011, 10:13 | Kein Kommentar

Mit ihrem zweiten Album etabliert sich die Schwedin Lykke Li endültig als Spezialistin für Schmerz, Trauer und sonstiges Unbill.

Mit ihrem zweiten Album etabliert sich die Schwedin Lykke Li endültig als Spezialistin für Schmerz, Trauer und sonstiges Unbill.

Sie hat prominente Fans, die sie für das größte musikalische Genie des 21. Jahrhunderts halten (Kanye West zum Beispiel). Sie ist der Darling der Musik-Blogs, die seit Monaten schon für die Veröffentlichung ihres neuen Albums „Wounded Rhymes“ trommeln (Wir auf neu und gut zum Beispiel). Sie ist dieser Tage in den USA, um diesen wichtigen Markt für künstlerisch wertvolle Popmusik für sich zu erschließen. Sie ist bereit für den ganzen Zirkus. Sie ist gleichzeitig viel zu verschroben dazu, wie sich etwa an der ersten Minute dieses Gastspiels im Collegeradio „KCRW“ in Los Angeles ansehen lässt. Und um das Biografische auch abzuhandeln – die gebürtige Schwedin wird am 18. März gerade einmal 25 Jahre alt.

Aber ehe ich ich hier ins Küchenpsychologische abgleite: „Wounded Rhymes“, das neue Album von Lykke Li, begleitet mich nun seit einer Woche. Es hat genau diese Woche gebraucht, um sich in seiner ganzen Größe zu erschließen. Und ja, es wird allen Erwartungen gerecht, die von Fans und sonstigen Popkulturjunkies schon seit Monaten an diese Sammlung dunkelgrauer Lieder heran getragen werden.

Lykke Li funktioniert tatsächlich als Gesamtkunstwerk, das von einer übersensiblen jungen Frau erzählt, die ihre Kraft aus Schmerz, Trauer und sonstigem Unbill schöpft. Die einen Song „Sadness Is A Blessing“ nennt und trotzdem nicht wie eine abgeschmackte weitere Vertreterin des Genres wunschloses Unglück daher kommt. Die sich als ambitionierte Schnittmenge von Dusty Springfield und Kate Bush positioniert, ohne einen mit marktschreierischen Referenzen zu langweilen. Die einfach macht, was sie kann.

Soll heißen: Es macht eine rechte Freude, Lykke Li diese Grundtraurigkeit einfach abzunehmen. Wer sich darauf einlässt, dem knallt sie dafür ein ganz großes Orchester der Emotionen um die Ohren, das in seinen größten Momenten so klingt, als würde Phil Spector aus seiner Gefängniszelle Soundtracks für Horrorfilme schreiben. Mit dem gewichtigen Unterschied, dass wir es hier erst mit dem zweiten Album einer übertalentierten 25-Jährigen zu tun haben und nicht mit einem 70-Jährigen, der sein Genie längst gegen den Wahnsinn ausgetauscht hat.

Von Lykke Li ist also noch viel zu erwarten. Doch für heute reicht „Wounded Rhymes“ selbstverständlich völlig aus. Angenehmen Freitag noch – und schönes Wochenende.

Beim Foto für diesen Artikel handelt es sich übrigens um einen Screenshot aus dem Video zu Lykke Lis Song „I Know Places“, aufgenommen live am Mond. Hier ist es:

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