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Gnädigste & die Chemie der Liebe

Von | 10.03.2011, 4:09 | 9 Kommentare

Das Leben ist ein Vogerl, aber irgendwann gilts durchzuhalten. Wie oft kann man schon zu stets wechselnden Partnern sagen, dass man sie liebt?

 

 

Chemie – unser Leben, unsere Zukunft. Gnädigste schließt sich den  Vereinten Nationen an und lobpreist 2011, das Internationale Jahr der Chemie. Gehen wirs mal antik an und sprechen einfach mal von heiterer Umwandlung.

Erfahrene Helden und Heldinnen der Antike wie Neuzeit, gezeichnet von ihren Erlebnissen im Beziehungstechnischen, speien vielleicht zyklisch geläutert wie angeblich nun vollends geerdet ihre nüchternen finalen Erkenntnisse zum Paarlauf in alle Richtungen. Bis sie wiedermal von der nächsten Hormonwelle mitgerissen werden – und sich plötzlich nicht mehr erinnern können, was an diesem Mann/Frau-Dings eigentlich so ein Drama gewesen sein soll – das Leben ist ein Ringelspiel. Und das ist gut so.

Biochemie – Offiziell vor hatte bitte eigentlich keiner irgendetwas, wegen der Leichtigkeit wärs gewesen. Es ist ja nur ein Essen. Nach fröhlicher Vernichtung mehrerer Achtel berichten sich beide Fraktionen irgendwann mit leicht gestutzten Flügerln von ihren extensiven Ausflügen in die komplexe Welt des Beziehungswahnsinns, während der Dopamin-Spiegel schon Purzelbäume schlägt, weil man erstaunlicherweise erquickende Gemeinsamkeiten im Zugang entdeckt.

Zeitgleich legt sich der Verstand  langsam schlafen  – das Stichwort. Irgendwie ist es ja doch schon spät (oder früh) und das Heimfahren mühsam – ein Schlafleibchen? Ja gerne, danke. Die Couch wär ein Affront an die Dame, sagt er, das Bett eigentlich eh sehr einladend, meint sie –  der Rest lässt sich unter „Oxytocin lässt grüssen“ einreihen.

Anorganische Chemie – Den zersaust gemeinsam konsumierten Morgenkaffee danach kann man noch unter besinnungsloser Leidensgenossenschaft einreihen. Eine Heimfahrt gefolgt von Tiefschlaf und Konsumation eines Aspirin später werden Überlegungen zum Thema Strukturbildung angestellt. Was hatte der noch mal für eine Haarfarbe? Einen Job hat er jedenfalls – er schien eigentlich überhaupt ganz hell auf der Platte. Ein mögliches Beziehungkonstrukt formt sich vorm noch blutroten Auge – alles natürlich unter Berücksichtigung  komplexer Verhalten von Teilchen in alkoholischen Lösungen.

Organische Chemie – Unsereins als Kohlenstoff  besitzt halt doch eine Vielfalt an chemischen Verbindungen. Angeblich allgemein gültige Summenformeln, wie die Zuweisung von systematischen Trivialnamen, können beim Einordnen des Gegenübers also äußerst hilfreich sein. Von mittlerweile vergleichbaren Reaktionsmechanismen kann aufgrund früherer Erfahrungswerte auch einiges abgeleitet werden.

Hat er schon angerufen? Eine knappe wie endgültig verabschiedende Dankesrede per Short Message formuliert? Ein vorsichtiges wie freundliches Mail platziert, weil er selbst nicht weiß wo die Reise eigentlich hingeht? Mit wem haben wirs zu tun –

auf welches Terrain begeben wir uns?

Jetzt wird mal schnell mit dem Verstand Abstand genommen wie schubladisiert, weil das mit dem Schmusehormon kennen wir schon. Aufreisser , Macho, Freak, Rebell, Naturbusch bis Softie – heiratsfähig? Strategisches Vorgehen ist jetzt das um und auf – es gibt für jede  neue zwischenmenschliche Konstellation die richtigen Schritte in einen nächsten guten Tag (oder eine nächste Nacht)  miteinander.

Physikalische Chemie – nach erfolgreicher Einordnung des Gegenübers klärt man dann quantitative Fragen , wie zB. „Unter welchen Bedingungen findet eine Reaktion statt?“  Nach Belieben könnte man dann je nach Kategorie des Gegenübers provokant beiderseits Spielchen spielen wie sich mehrere Tage nicht melden oder auf freundliche Kontaktaufnahme völlig undurchsichtig-neutral reagieren, um etwas Unsicherheit wie Nervenkitzel auszulösen. Man könnte das Ganze aber auch einfach genießen, sich bestenfalls nicht mit derlei Unsinn aufhalten bzw. gleich wieder ehest gemeinsam in selbiges Bett legen ohne um den glühend heissen Brei herumzureden. Meiner Auffassung nach ist alles andere vergeudete Zeit – aber bitte, jeder wie er will.

Theoretische Chemie  – bei allem leichtfüßigen Genuss stellt sich dann doch irgendwann (zumindest bei der Partei, die emotional mehr in der Sache drinnen hängt) die Frage nach dem weiteren gemeinsamen Ziel ein – der Wunsch nach nichtexperimentiellen Methoden wird in der Phase schon etwas lauter. Chemisches Phänomen hin oder her. Ein schöner nahtloser Übergang in die  Analytische Chemie, die Frage nach der Substanz. Da gibt’s dann auf beiden Seiten die Möglichkeit, entweder dezente Wünsche zu applizieren – die freundlich aufgegriffen werden – oder die Variante, deutlich die Rute ins Fenster zu stellen – nach dem Motto : Ganz oder garnicht. Beides kann zu Erfolg wie Misserfolg führen, gutes Gelingen jedenfalls.

Technische Chemie – Gehen wir davon aus, dass es eine gemeinsame Basis gibt – im Hormonwahnsinn erscheint sie jedenfalls immer gewichtiger und größer als sie je ist. Trotzdem oder gerade deswegen: Die Umsetzung von chemischen Reaktionen kann unter dem Gesichtspunkt schon in diversen gemeinsam in Angriff genommenen Großprojekten münden. Wegen der Multiplikation wärs gewesen – wie kann man aus einem zarten Pflänzchen etwas Großes machen? Für manche Herren ist dies zB schon der Fall, wenn ihre Zahnbürste erlaubterweise in seinem Zahnputzbecher steckt  (Angstschweiß). Beliebt ist bei zögerlichen Naturen hier auch die halbherzige Zwischenlösung, dass Madame ihre Sachen versteigert und sich in sein Domizil dazu zwängt – bei Bedarf kann man das ja schnell wieder rückgängig machen.

Die ganz Mutigen möchten doch gerne gleich ein Haus bauen und einen Samen wo auch immer einpflanzen. 

Chemie im Alltag – Ich glaube wir brauchen uns nicht en detail damit aufhalten, wie therapeutische Gespräche über den richtigen Umgang mit Klobrillen, Männer/Damenabenden, gerecht verteilte Putzrhythmen, zuviel oder zuwenig Sex in der jeweilig gewünschten Tonart und sonstigem mehr oder minder banalem Firlefanz im Alltag zu beiderseitigen Zermürbungen führen können. Mal abgesehen davon, dass es spätestens hier streckenweise recht Ebbe ist mit den Kuschelhormonen – fängt hier gerade erst das richtige Kennenlernen wie bestenfalls lieben lernen an. Kenner wissen, dass sich die Chemie bei allem Auf und Ab gerade in dieser Zeitqualität vielleicht anders  und doch trotzdem – oder gerade deswegen –  unschlagbar intensiver gestalten kann. Und ich finde gerade diesen Moment in seiner Schlichtheit wunderschön. Hut ab vor denjenigen, die das Leben genau in dem Moment als Ringelspiel begreifen – und nicht aussteigen.

Ich sags mit meiner musikalischen Muse: Too many lovers in one lifetime ain’t good for you – Zitat Feist , “Inside and out “.  Okay, Spass muss sein – Erfahrungen sollen gesammelt werden.  Aber irgendwann gilts, wenn man wirklich liebt, endlich durchzuhalten, über sich selbst und den anderen lernen zu wollen und zu begreifen, dass man auch miteinander auf diesem Weg wachsen kann. Wie oft kann man zu stets wechselnden Partnern  in seinem Leben sagen, dass man sie wirklich liebt, ohne sich damit – vor allem vor sich selbst –  langfristig lächerlich zu machen? Es lebe die Chemie – erhaltet sie am Leben.

9 Kommentare »

  • […] Begleiterscheinungen. Wenn die Beziehung, die zu den Kindern führte, auch nicht das war, was man zeit des ersten Hormonrausches fantasierte. Wenn man im Nachhinein zweifelt, ob man ausreichend ErzieherIn war. Wenn sich dann […]

  • FNF sagt:

    naja, versuch ich es mal hier: allerliebste hochverehrte gnädixte, vielleicht können sie ihren einfluss geltend machen, damit die jungs hier den frater endlich wieder aus dem gefrierfach holen.

    showtime ladies, rock’n’roll.

    und so erdreiste ich mich meinen gruß zu entbieten,

    auf ewig der eure
    fnf

    • FNF sagt:

      tjo. er will wohl im gefrierfach bleiben. unfriendly fire on fb. alea iacta est 8)

      (das gilt auch für die londoner city, und niemand kann es verhindern:) ceterum censeo viam muri delendam esse.

  • rasenmäher sagt:

    hängt’s die wäsch weg, die chemiedianten kommen !

    aber spatz beiseite: schön, wenn sich die schusterin auch mal eine bleibe leistet. steigert nicht zuletzt die chance auf unterhaltsamen.
    doch gilt zu beachten, dass nicht alles FeS2 ist, was miaut.

    gelegentlich gerne von ihnen lesend, verbleibe ich

    als ihr schwafelsaurer und daher lustig machender

    rasenmäher

    antworten unter chiffre C19H28O2 ausschließlich an die chemische redaktion.

    • Gnädigste sagt:

      die wäsch wär endlichmal sauber so gesehen, also lassts es hängen. (…)
      spatz beiseite ist das stichwort. die schusterin hat keine bleibe nur weil
      sie grundsätzlich stellung bezieht – und der unterhaltsamen ist in der neuzeit auch nicht mehr das höchste gut. FeS2 interessiert eh niemanden, ich bin eher für FeO – das gibt was her.

      und ich steh eher auf scharf – das turnt den kreislauf an. mit sauer hab ichs nicht so ;-)

      ihre
      g.

      ps. mit chiffre arbeiten aber auch nur noch höchstens jahrgänge bis 1954 gö?

      • rasenmäher sagt:

        S.g. Frau Gnädigste, liebe Schusterswitwe !

        Seid unbesorgt ! Ihr Rasenmäher läßt den Rost schon nicht sinken !

        Nun, tatsächlich gab es in des Unwürdigen Jugend einen Schlager mit dem ferne wehenden Titel „Ein Chiffre wird kommen“.
        Und siehe, es kam. Und wurde an Bier 3 von dem Anwesenden bejubelt.

        Aber lassen wir das jetzt. Die Pflegerin mus jeden Moment da sein.

        Nun, da der Greis also wieder seinen scharfen Lauf nimmt,

        entbietet er, kraft seines Lebensalters,

        Ein Nicken.

  • Gnädigste sagt:

    Typisch Mann. Cook denkt wiedermal nur an Geilheit und Poppen.

    Ich spreche von C8H11NO2 – dem Hochgefühl der Verliebtheit,
    bedingt durch vermehrte Ausschüttung der Botenstoffe Dopamin.
    Serotonin darfs auch ein bissl sein, keine Frage.

    Was SerAtonin ist, weiss ich nicht. Gehen Sie sich schneuzen
    und konzentrieren Sie sich wieder ein bißchen, sie sind schließlich
    Mediziner hörens.

    ;-) Alles Liebe, G.

    • theweirdcook sagt:

      ui erwischt,
      da haben die frühlingssprossen wieder einmal zu weit ausgetrieben.

      trotzdem kenn ich dopamin nur in zusammenhang mit koksmißbrauch, parkinson und schizophrenie. verliebtheit könnte auch ein wenig mit endorphinen und pheromonen zu tun haben. aber ich bin diesbezüglich ja nur laie.

      und was wahre liebe anbelangt, tja … ich geb mein bestes :)

      ergebenst
      the(ver)weirdcook

  • theweirdcook sagt:

    cooler artikel,
    ich hätt nur glaubt, dass es der seratoninspiegel ist, der steigt,wennn man erregt ist. der dopaminspiegel steigt nur wenn man zu viel kokst :) oder adrenalin steigt auch wenn sich was aufregendes tut im leben.
    aber vielleicht hab ich schon wieder alles vergessen, was ich gelernt hab *g

    alles liebe
    theweirdcook

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