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Sex für Fortgeschrittene 27. Rettet den Biber!

Von | 10.03.2011, 2:46 | 9 Kommentare

Thema Naturschutz. Der gemeine Biber ist heute eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Ist es die Mühe wert, ihn zu retten?

„Piste“ by Tim Möller-Kaya

Biber by NobbiP, Lizenz: Public Domain

Unlängst verirrte sich die Telefonstimme eines Pornobarons in mein Ohr, und sie klang panisch. Seit „ein Irrer“ das Internet mit Gratisporno überschwemmt, ist Panik in seiner Branche nichts Außergewöhnliches, aber diesmal hatte seine Unruh eine andere Ursache. Er war im Besitz von Nachfragen, für die es keine Angebote gab. Eine Rarität, sagte er, eine potentielle Goldader. Die Sachen, die es im Porno nicht gibt, müssen normal erst krampfhaft erfunden werden.

Er brauche unbedingt Biber, sagte er. Seine Szene sei seit ewig eine biberfreie Zone und siehe, jetzt herrscht plötzlich Nachfrage nach den Pelzen, nur kann er keine auftreiben. Er hat fast den Eindruck, sie seien ausgestorben.

Es muss wohl erwähnt werden, dass seine Panik nicht alle Biber betraf, der männliche erfreut sich robuster Gesundheit. Männer, die ihr Schamhaar rasieren, tun das aus genau einem Grund, sie wollen ihrem Pimmel optisch jene zwei Zentimeter mehr verpassen, die sie von Komplexen befreien, aber im Allgemeinen gestatten sie ihrem Biber freien Wuchs .

Auch der weiblich domestizierte, in langen Ehejahren fast schon vergessene Biber sei zufrieden stellend präsent, dem gehe es nur an den Pelz, wenn seine Trägerin mal einen Kaiserschnitt hat. Aber was den Biber in freier Wildbahn anbelangt, ohne den Singlegirls früher nie das Haus verließen, liegt der Pornobaron ganz gut.

Ich geriet an eine „Natsal“-Studie (National Centre for Social Research, GB), dort stand, dass junge Frauen sich heute mit Vorliebe rasieren. Nicht, weil sie es so angenehm finden, im Gegenteil, Schamhaar hat die Angewohnheit, wie die Hölle zu jucken, wenn es nachwächst.

 

Sie tun es, heißt es weiter, weil sie Sex nicht richtig genießen können, wenn ihr Pelz den Augen des Lovers ausgesetzt ist. Letztlich sei die Sache eine Frage des Stils: „Die Pussy ist wie ein Wohnzimmer“, meinte eines der befragten Girls, „heutzutage hat man einen Parkettboden, keine Teppiche. Warum also sollte ich mein Schamhaar bis zum Nabel raufwachsen lassen?“

Seit sich das Schamhaar zur Stilfrage mauserte, ist es auch Moden unterworfen. Die Zeiten, als sich der Sinn darin erschöpfte, beim Tragen eines Bikinis zu verhindern, dass sich etwaige Kringel nach außen verirren, diese Zeiten sind vorbei, heute gibt es Style, es gibt den Pfeil (Kurzhaarschnitt, nach unten gebügelte Enden), das Herz (nun, ein Herz), die Piste (siehe Cartoon oben) und so Etwasse wie die Tiffany Box (Querstreifen).

Die weitaus populärste Form sei aber die Totalrasur.

Warum tun sie sich das an, Masochismus? Schwer zu sagen. Aber man sollte davon ausgehen, dass sie sich die Mühe nicht machen, um das Resultat dann zu verstecken. Die beeindruckende Suzi Godson meint in ihrem wunderbaren „Sex-Buch“ (London 2002), dass sie es machen, weil „Vollrasuren die Chance auf den Empfang von Oralsex eindeutig erhöhen“.

Die Intimrasur als Tool mit Signalfunktion? Klingt plausibel.

Interessanter Weise war das auch mal die hervorragende Aufgabe des originalen Bibers der Zivilisation von gestern. Das Sprießen der Schamhaare signalisierte die kommende Geschlechtsreife des Mädchens und machte den Mann erst aufmerksam. Girls ohne Schamhaare wurden als Backfische betrachtet, das sind jene Fische, die wieder zurück (back) ins Wasser geworfen wurden. So ändern sich die Zeiten.

Bleibt die Frage: Ist es der Biber wert, gerettet zu werden? Anzunehmen wäre, dass er sich auf Dauer nicht stutzen lassen wird, irgendwann erlahmt die weibliche Liebe zum Werk. Aber die Antwort der in der Studie befragten Männer fällt eindeutig zu Gunsten der Rodung aus. Der junge Mann schätzt keinen Dschungel, er findet weibliches Schamhaar nicht akzeptabel. „Wenn sie die Hose runter zieht und es kommt ein ausgewachsener Biber zum Vorschein“, wird einer zitiert, „dann drück ich ihr gleich einen Rasierer in die Hand“, diskret, wie er nun mal ist.

Wahr ist aber auch, dass es total egal ist, was er darüber denkt. Weil es um sie geht. Und was sie anbelangt, wurde das Thema in jüngerer Vergangenheit um eine Variante bereichert: Vajazzling. So nennt sich das, wenn ihr nach Entsorgung des Dschungels per Brasilian Wax plötzlich etwas fehlt – was sie nun mit Anfügen von Glitter oder Juwelen an jener Zone wieder wett macht.

Wtf, sagen Sie? Interessiert keinen. So mancher Hollywoodstar, heißt es, führt heute Vajazzles aus Kristallen von Swarovsky spazieren. Kunstbiber statt Biber, sagt der Trend. Und eingedenk des aktuellen Erfolgs von „Map of Tasmania“ (Amanda Palmer) ist da eventuell was dran. Dass mit „Tasmanien“ hier der Süden der Frau gemeint ist, muss nicht eigens erwähnt werden. Zu dumm, jetzt hab ich es doch.

Video: Amanda Palmer, Peaches & Young Punx: Map of Tasmania

9 Kommentare »

  • […] in welcher 63 Studenten gebeten wurden, verschiedenste „Schamhairstyles“ (vom Brasilianer via Piste bis hin zum so getauften „70erjahre-Busch“) zu bewerten. Gleichzeitig mussten die Studenten […]

  • P-Texter sagt:

    Hallo sagen die P-Texter, wir sind auf den Biber gestoßen und sind begeistert :-) . Diese Ausführung kannten selbst wir noch nicht und sagen echt mal Respekt. Wir werden jetzt hier öfters mal reinschauen, denn unterhaltsam war der Besuch bei dem Biber auf jeden Fall.

    Die P-Texter

  • rasenmäher sagt:

    bin erklärter biberant.
    der grund hierfür war mir eigentlich immer schnuppe.
    bis eine hellwache gespielin die frage in den schlafraum stellte, ob u.a. möglicherweise die abscheu vor kindesmissbrauch dahinterstecke.
    zack. voll ins – auch bei ihr leider fehlende – schwarze getroffen.
    die einsetzende schambehaarung ist seit ancient times das zeichen für den nahenden startschuss und daher auch archaisch unterfütterte durchblutungshilfe.
    und das zweifingrige kringelentfernungsritual nach oder während des oralsexes ein schützenswertes kulturgut !

    • Manfred Sax sagt:

      In der Tat. Und ganz zu schweigen vom erfreulichen Level Testosteron in ihrem Blut, den ihr stolzer Busch so unmissverständlich signalisiert …

  • Ettmayer sagt:

    Was den Biber betrifft, da gibt’s nichts mehr zu retten. Die Lage ist hoffnungslos. Deshalb fehlt sicher auch das Rufzeichen im Titel, der Autor ist also kein Naturschützer, er mag die Damen südlich glatzert.
    Aber zur Oralsex-Theorie sei noch zu sagen, dass es in sehr exklusiven Kulturen auch die Buschbrand-Theorie gibt. Wenn‘s um den Biber geht, spielen die Frauen nicht ganz so gern mit dem Feuer, also lieber gleich weg damit. Das Spiel mit dem Feuer findet sowieso weiter oben statt. Nördlich, für alle Topografen der Lust.
    Im übrigen, junger Sax: Danke für diese erhellenden Worte zu einem Thema, das viel zu oft im Dunklen verborgen bleibt.

    Es grüßt Sie, wie immer sportlich frisch und allzeit bereit
    Ettmayer

    • Manfred Sax sagt:

      Glatzert? Keineswegs, Ettmayer. Ich hab auch seinerzeit die beginnende Absenz der anno Frühfeminismus noch unschüchtern sprießenden Achselhaare (ZZ Top im Würgegriff, wie es andächtig hieß) unter anderem mit einem weinenden Auge registriert.
      Sie haben recht – hinter den „Biber“ gehört ein „!“. Korrigiert, Ihr sax

  • ur-laut sagt:

    man lernt hier ja doch was… „back-fish“ wusste ich eigentlich, wo das herkommt (obwohl das bei „uns“ ja nicht so im sprachgebrauch verankert ist).

    guter beitrag und das mit den „2 cm mehr“ kann kein mann in abrede stellen, dass dies ein positiver nebeneffekt ist ;)

    die lustigsten rasuren waren noch immer jene, wo der „biber“ wegrasiert wurde, das „bauchfell“ des weiblichen bibers jedoch behalten wurde ;)

  • nic_ko sagt:

    wobei: immer noch unübertroffen, die premiere im rahmen ihrer down-under tour :)
    http://www.youtube.com/watch?v=TpycUVP5OEE&tracker=False
    AFP FTW!

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