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Wickie, Slime und Prüller oder: Formel Fachkommentar

Von | 29.03.2009, 12:59 | 5 Kommentare

Dieses Wochenende hat eine Stunde weniger, ideale Voraussetzung also, um zwei weitere Stunden an die gepflegte Fadesse eines Formel-1-Rennens zu verschenken. Immerhin war Saisonauftakt. Dazu hat ein Überraschungsteam, das sich die Tücken des Regelbuches zunutze gemacht hat, einen Doppelsieg eingefahren. Und: Ein Stück österreichische Fernseh-Historie ist  offiziell zu Ende gegangen. Heinz Prüller moderiert nicht mehr. […]

Alles, alles geht vorbei ...Dieses Wochenende hat eine Stunde weniger, ideale Voraussetzung also, um zwei weitere Stunden an die gepflegte Fadesse eines Formel-1-Rennens zu verschenken. Immerhin war Saisonauftakt. Dazu hat ein Überraschungsteam, das sich die Tücken des Regelbuches zunutze gemacht hat, einen Doppelsieg eingefahren. Und: Ein Stück österreichische Fernseh-Historie ist  offiziell zu Ende gegangen. Heinz Prüller moderiert nicht mehr. Schade? Bei Enzo Ferrari, nein!

Heinz Prüller war das Nebengeräusch eines hochsommerlichen Sonntagnachmittags. So haben ihn viele in der Kindheit aufgesogen und in ihr Herz geschlossen. Prüller spielt in der gleichen emotionalen Liga wie in den späten 90er Jahren der Hype um Wickie, Slime und Paiper: Ach, wie schön, hätten wir es heute noch so unbekümmert und sorgenfrei wie damals!

Daher auch diese Verklärung. Dass Prüller konsequent am Renngeschehen vorbeimoderiert hat, dass er Autos und Fahrer im Live-Bild nicht erkannte (weil er Statistiken studierte), dass er es in 40 Jahren nicht gelernt hat, korrekt auf- und abzurunden (0,682 Sek. Vorsprung waren immer 0,6 Prüller-Sekunden), wer konnte es ihm verübeln. Einer österreichischen Legende erlaubt man das, man liebt sie dafür – sieht man einmal von Niki Lauda ab …

Die Nachfolger im ORF, Ernst Hausleitner und Co Alexander Wurz, verzichten auf Kontinuitäten und heben sich damit wohltuend vom Vorgänger ab: Zum ersten Mal seit vierzig Jahren sind Tankzeiten relevant. Das Gewicht der Autos ist Thema und Strategie kein Schlagwort mehr. Ein sportlicher Gewinn für jeden, den das Im-Kreis-Fahren noch interessiert.

Heinz Prüller wird seinen Legendenstatus, so wie es ausschaut, auf Premiere weiter zelebrieren. Seine neuen Zuschauer dürfen sich freuen: Sie zahlen jetzt dafür, dass sie desinformiert werden.

5 Kommentare »

  • Hannes Uhl sagt:

    Lieber besserpisser,
    wenn sie einen Gschichtldrucker als Sportkommentator wollen, sei ihnen das unbenommen. Dass sie Herrn Prüller derart in den Himmel heben ebenso.
    Was ich ihnen nicht durchgehen lasse: Prüller hat alle Statistiken im Kopf – natürlich, wie konnte ich nur anderes denken!
    Und: Tankzeiten werden angezeigt. Gut beobachtet! Nur was hab ich davon, wenn niemand die Strategie erklärt, die sich daraus erschließt.
    Ich bitte Sie, nehmen Sie sich ein Premiere-Abo!

    • Nicht, dass mich Formel 1 interessiert, aber ich kann deine Argumente nachvollziehen. Ohne Prüller wäre ich vielleicht Formel 1-Fan geworden.
      Was hältst du von der neuen Ski-Kommentatoren?

      • Hannes Uhl sagt:

        Mit der Ski-Berichterstattung hadere ich auch. Die Kommentatoren und vor allem die Cos sind fachlich sicher top und gestalten das auch spannend, keine Frage. Was ich aber nicht aushalte sind:
        – Der Hurra-Patriotismus (ich helf dann auch meistens zu den Nicht-Österreichern).
        – Die lähmende Aufbereitung auf drei Stunden Vor-, Mittel- und Nachberichterstattung.
        – Die kritiklose Vergötterung der Skifahrer und das Knien vor Schröcksnadel und anderen.
        – Das Zelebrieren des Skifahrens als Nabel der Sportwelt. Wenn der ORF die Rechte an der Championsleague künftig nicht mehr erwirbt, ist zu befürchten, dass das noch schlimmer wird.
        Fußballnation werden wir so schnell keine mehr.

    • besserpisser sagt:

      Lieber Herr Uhl,

      hätten Sie jemals die Gelegenheit gehabt, persönlich mit Herrn Prüller zu reden, wüssten Sie ob seines schier unglaublichen Erinnerungsschatzes Bescheid.

      und – gerade über Boxenstopstrategien hat doch Prüller stundenlang fabulieren können (stets betonend, sie persönlich von den Teamchefs erfahren zu haben) … schon vergessen?

      Ad Premiere: wieso? moderiert er jetzt dort? morgen hol ich mir ein Abo …

  • besserpisser sagt:

    lieber herr Uhl, sie schreiben, um mit niki lauda zu sprechen, völligen schwachsinn! heinz prüller hatte nie not, statistiken zu lesen, er hatte sie im kopf. abgesehen davon: die tankzeiten sehe ich am bildschirm eingeblendet, was brauch ich dann einen moderator der sie mir nochmal vorbetet?

    so Sie es nicht wissen: HP ist international anerkannt für sein know how im sport (nicht nur im motorsport, wohlgemerkt). und gerade seine g’schichtln, g’stanzln und – jawohl! – versprecher waren es, die aus F1-moderationen richtige erlebnisse abseits des zuletzt – da behalten Sie recht – eher faden renngeschehens dieser tage machten.

    wollte ich kühle, nüchterne kommentare hören, hätte ich schon vor jahren zu RTL umschalten können.

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