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Warum sind Männer so zornig?

Von | 07.03.2011, 14:05 | 8 Kommentare

Angeblich sind junge Männer zornig wie noch nie. Weil sie auch mit 30 noch nicht erwachsen sind. Eine US-Autorin nennt sie „die Vorerwachsenen“.

 

Angry Young Man by Martha Fowler-Dixon

Der internationale Frauentag also. Für Männer wie mich ist das eher eine redundante Sache, mir geht´s da wie meinem Freund Georg, der unlängst im Gesichtsbuch schrieb „für mich ist 365mal im Jahr Frauentag“ und ja, so ist es nun mal, ein Tag ohne Frauen ist nicht ein Tag zu nennen.

Möglich aber, dass dies mit dem Alter zu tun hat. US-Autorin Kay Hymowitz ist sogar überzeugt davon. Sie hat im Zuge einer Recherche Männer in einem gewissen Alter entdeckt, für die ein Frauentag für den Hugo ist. Weil es „keine begehrenswerten Frauen mehr gibt“. Weil Frauen „erzogen werden, um Männer zu missbrauchen“.

Manipulativ und selbstbezogen? Modern Girl by Robert Brandstätter

Klingt ein wenig ang´rührt, no? Ja, sie sind bitter, sagt Hymowitz (welch ein Name auch), aber keine Minderheit sondern eine massive, homogene Gruppe. Junge Männer, die das Girl, mit dem sie mal intensive Wickel haben wollten, nun als „unehrlich, selbstbezogen, manipulativ, schlampenhaft, banal“ – und natürlich als „Goldgräber“ einstufen.

Diese Männer, meint sie weiter, linken sich in Webseiten wie MGTOW (Men Going Their Own Way) oder EwigerJunggeselle.com ein und lassen dort Dampf ab („Gib der modernen Frau den Mann, den sie verdient – keinen“ oder „42 Gründe, warum Frauen nerven“). Und kommen am Ende zu diesem Schluss: „Tut uns leid, Ladies. Im Zeitalter von Playstation3, Rund-um-die-Uhr-Sportskanäle und freiem Internetporno seid Ihr jetzt überflüssig. Ihr könnt Euch jetzt brausen mit Eurem Nörgeln und Jammern und Wegen, uns das sauer verdiente Geld aus der Tasche zu klauen.“

Schockiert? Hymowitz war es nicht. Sie begann statt dessen Fragen zu stellen. Wer sind diese Guys? Abteilung „Imperium schlägt zurück“? Das Internet als Ventil, gegen die Diktatur der Politischen Korrektheit zu rebellieren? Oder ist es nur der „gute, alte“ Frauenhass?

Mitnichten, kam Hymowitz zum Schluss. Es sei lediglich „maskuline Unreife“. Obwohl die zornigen Männer, die sie ausmachte, durchwegs im Alter von 20-30 Jahren waren, offiziell also erwachsen und mündig. Nur hat der Zustand der Erwachsenheit ihrer Meinung nach nichts (mehr) mit den Lebensjahren zu tun, also definierte sie die 20-30jährige Befindlichkeit des Mannes ab sofort neu:

Die Vorerwachsenheit.

Zu passiv beim Dating? Modern Girl by Robert Brandstätter

Diese sei eine historisch gewachsene Sache, sagt die Autorin. „Nie zuvor hatten Männer von klein auf mit Frauen zu tun, die ihnen gleich gestellt waren – sozial, professionell und sexuell.“ Sind die Boys mal zwanzig, meint sie weiter, gehen sie davon aus, dass gleichaltrige Girls gleich drauf sind wie sie, also finanzielle Unabhängigkeit, beruflichen Erfolg, einen guten Körper und Sex haben wollen.

Und hier passiere schließlich, was Hymowitz als „Weiche“ bezeichnet und Männer offenbar maßlos irritiere: Gleichberechtigung in Schule und Beruf – jawoll. Aber wenn es um Dating oder Sex geht, habe es sich plötzlich damit. Da fühle mann sich noch immer bemüßigt, um Dates anzulabern, die Rechnung fürs Essen zu bezahlen und generell den Gentleman alter Schule raushängen zu lassen – wtf, wo bleibt da die Gleichstellung?

Böse Buben bevorzugt? Modern Girl by Robert Brandstätter

Die schlimmste Irritation passiere aber, wenn es horizontal wird, da werde die „Weiche“ voll ärgerlich: Frauen geben immer glühende Lippenbekenntnisse für „nette Jungs“ ab, fühlen sich aber mehr zu „bösen Buben“ hingezogen. Sie schwärmen für die Orlando Blooms und Justin Biebers dieser Welt, bumsen aber dann mit Charlie Sheen. Tatsächlich rangiere „ein zu netter Kerl sein“ in der Liste der „10 gefährlichsten Fehler, die ein Mann bei Frauen machen kann“ auf Platz 1.

Na so was. Da kann unsereins froh sein, sich nicht mehr im Alter der Vorerwachsenheit zu befinden. Vielleicht ist es aber auch so, dass die Vorerwachsenen mit dem Sex zuviel gedanklichen Aufwand betreiben. Denen seien die hier behandelten Spousonomics ans Herz gelegt, weil: Im Prinzip ist es verblüffend einfach. Frag sie „soll ich dich verwüsten?“ Und wenn sie „ja“ sagt, dann verwüste sie.

No?

Quelle: Manning Up. How the Rise of Women has Turned Men into Boys by Kay S. Hymowitz

 

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