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Wieder was gelernt: „Wyatting“

Von | 23.01.2008, 16:13 | Kein Kommentar

Es gab einmal eine Zeit, in der die Jukebox in der Tränke der Wahl neben der Bar so etwas wie das geheime Zentrum des abendlichen Trinkvergnügens war. Das ist wohl noch nicht lange her, aber klingt wie ganz, ganz lange vergangene Zeit. Nun ergab sich im Zusammenhang mit Robert Wyatt, der hier eine wichtige Rolle […]

Robert Wyatt, 2006Es gab einmal eine Zeit, in der die Jukebox in der Tränke der Wahl neben der Bar so etwas wie das geheime Zentrum des abendlichen Trinkvergnügens war. Das ist wohl noch nicht lange her, aber klingt wie ganz, ganz lange vergangene Zeit. Nun ergab sich im Zusammenhang mit Robert Wyatt, der hier eine wichtige Rolle spielt, eine kleine Erkenntnis, gesteckt von einem treuen Leser, auf den ich jetzt nicht näher eingehe, weil es sonst gar danach aussieht, er wäre der einzige hier. Und das stimmt natürlich nicht, wie vielleicht Ende dieses Monats noch ausgeführt werden muss.
Die Erkenntnis hatte jedenfalls auch etwas mit der Jukebox im oben beschriebenen Kontext zu tun. Robert Wyatt war in den Sixties als Schlagzeuger Mitbegründer der Artrock-Trupper Soft Machine und stürzte – Vorsicht, sehr geraffte Biografie! – 1973 bei einer wohl von Drogen sehr durchsetzten Party aus einem Fenster, es war der dritte Stock, und sitzt seither gelähmt im Rollstuhl. Ein Jahr später erschien dann sein verschrobenes Soloalbum „Rock Bottom“, das dann auch maßgeblich dafür sorgte, dass Wyatt bis heute als bewundernswerter Pop-Avantgardist gilt, der sich nicht um Wohlklang und Moden schert, sondern in großen Abständen Platten voll spröder Musik veröffentlicht. So wie 2007 das Album „Comicopera“. Wenn so etwas geschieht, sind viele Leute sehr hingerissen, dem Gros der Welt ist es wurscht – und wenn man diese Menschen damit konfrontiert, gefällt es ihnen sowieso nicht.
Und zwar aus folgendem Grund: Vor einem Jahr tauchte im Netz der Begriff „Wyatting“ auf. Nach einer kurzen Recherche könnte es folgende Geschichte im Guardian gewesen sein, die ihm erst die richtige Prominenz verliehen hatte. „Wyatting“, steht dort, ist in Anlehnung an den werten Herrn Robert eine Art Kulturtechnik des fortgeschritten betrunkenen Musik-Kenners, der – wir befinden uns geistig in England – im Pub zur Jukebox geht und sich dort für ein Lied entscheidet, das er seinem ganz besonders ausgefallen Musikgeschmack als einzig würdig erachtet. Dieses Lied führt dann in der Folge dazu, die ausgelassene Stimmung im Pub zu unterbinden, den wippenden Füße en gros Einhalt zu gebieten, und dann gehen alle heim. Und am besten funktioniere das eben mit Liedern von Robert Wyatt. Daher der schöne Begriff „Wyatting“. Daher die Freude seines Paten, der sich in einem Interview sinngemäß geehrt fühlt, einem so klingenden Verb als Inspiration zu dienen. Und daher Ende eines Exkurses zur Fußnote einer Fußnote der Pop-Geschichte.

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