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Die Emanzipation ist tot: ein Nachtrag

Von | 13.01.2008, 21:41 | Kein Kommentar

Im Affekt hatte ich einmal gesagt: „Die Emanzipation der Frau ist tot.“ Nun meinte M. vorhin am Telefon, er hätte das gerne ein bisschen näher erläutert. Denn in seinem nächsten Umfeld sei davon rein gar nichts zu bemerken, ganz im Gegenteil … aber ab da gehört es nicht mehr hierher. Seinem Wunsch zur genaueren Ausführung […]

Im Affekt hatte ich einmal gesagt: „Die Emanzipation der Frau ist tot.“ Nun meinte M. vorhin am Telefon, er hätte das gerne ein bisschen näher erläutert. Denn in seinem nächsten Umfeld sei davon rein gar nichts zu bemerken, ganz im Gegenteil … aber ab da gehört es nicht mehr hierher. Seinem Wunsch zur genaueren Ausführung komme ich trotzdem gerne nach.

Der Befund hat zwei Gründe. Der erste hat mit den Geschichten zu tun, die täglich da draußen durch die News-Kanäle fließen und dann in den Medien, die sie bündeln, unter Rubriken mit den Namen „Vermischtes“, „Leute“, „People“, „Society“ oder ähnlich ablegen. Diese Geschichten bekommen die Menschen offensichtlich so gerne erzählt, dass kein Medienmacher darauf verzichten kann. Sie handeln sehr oft von Märchenprinzessinnen und Märchenprinzen (manchmal sogar echten), in denen Erstere endlich von Zweiteren erhört, geheiratet und geschwängert werden. Und schwanger sein können Frauen in diesen Geschichten sowieso nie genug.

Angesichts des reaktionären Weltbildes, das solche modernen Märchen predigen, und angesichts ihrer Popularität entsteht daher der erste Teil des persönlichen Befundes: Ja, die Emanzipation der Frau ist tot. Oder sie riecht frei nach Frank Zappa so komisch, dass die Lebensrealitäten vieler Frauen zwar andere sind, die Träume, mit denen sie sich so die Freizeit vertreiben, aber mit Prinzen zu tun haben, die anders aussehen als der übergewichtige Schnarcher im heimischen Doppelbett.

So weit das Generelle. Das Persönliche ist ungleich heikler, weil Freunde auch ungleich beleidigter sind, wenn sie zu erkennen glauben, dass sie hier öffentlich abgewatscht werden. Also bleibe ich lieber vage: Die Paare, mit denen ich im Alltag zu tun habe, leben alle nach einem individuell gestrickten Konzept, das auch ihre jeweiligen Geschlechterrollen im Zusammenleben regelt. Manche davon verstehe und finde ich gut. Manche davon sind mir fremd, aber funktionieren so gut, dass wohl was dran sein muss. Und manche sind ein Faustschlag gegen den Feminismus. Mit Frauen zum Beispiel, die ihren Männern einen angenehmen Alltag bereiten und im Gegenzug dafür ein ökonomisch sorgenfreies Leben führen dürfen – also mit dem gelebten Klischee dessen, was es einst einmal zu bekämpfen galt.

Das ist mit einem Feminismus, der das Patriarchat überwinden möchte, natürlich nicht vereinbar. Und das ist trotzdem wurscht, weil die Dinge sehr kompliziert sind. Denn auch diese Beziehungen funktionieren, weshalb ebenfalls die Annahme gelten muss: Da muss wohl trotzdem etwas dran sein. Noch dazu, wo vor allem – und das ist jetzt natürlich eine ganz subjektive Erkenntnis – nachfolgende Generationen immer weniger Probleme mit so einem Weltbild haben als noch die eigene.

Wohin das führt, weiß ich nicht. Sicher ist nur, dass es die Emanzipation auf Dauer nicht am Leben erhalten kann. Die ist nämlich über die Jahre zu einem Lifestyle von vielen geworden. Schön, gerecht und in der Praxis für alle Beteiligten verdammt kompliziert. So kompliziert, dass immer mehr nichts mehr damit zu tun haben wollen.

Anmerkung am 19. Februar 2009: Dieser Artikel wurde ursprünglich auf eberhardlauth.com veröffentlicht.

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