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Grasser im Glück

Von | 30.01.2011, 17:59 | 3 Kommentare

Es war einmal ein Geld, das wurde immer weniger. So begann seine letzte Mär. Was muss dem Mann eigentlich einfallen, damit wir mal rot sehen?

 

Mann mit weißem Hemd by Erich Reismann

Die Geschichte ging so: Ein fescher Mann in  seinen allerbesten Jahren hatte einmal 35 000 Euro in seiner Tasche und verankerte sie in Übersee. Und dann geschah Phänomenales: Im Lauf der Zeit vergaß er das Geld, und als er sich Jahre später wieder daran erinnerte und ebendieses Geld abhob, waren es nur noch 25 000 Euro. Wie das? Ganz einfach, sagte der Mann: „Das Geld wurde immer weniger.“

Liebe Leute, Ihr werdet jetzt sicher nicht mich dazu brauchen, um zu erhellen, warum Geld ganz einfach so weniger „werden“ kann, wer mich kennt, der weiß, dass ich in Geldfragen ausgesprochen blöd bin, aber wie so ein Geld weniger „wird“, weiß sogar ich aus eigener Erfahrung: Man vertraut es Leuten von der Bank an oder – in meinem Fall – Treuhändern. Die knechten das Geld dann – sie lassen es für dich arbeiten. Und so wird es also weniger. Warum? Weil es in der Finanzwelt eben auch so höchst unsympathische Phänomene wie Rezession gibt, mit denen „niemand rechnen“ kann, soll heißen, wenn man endlich zu rechnen beginnt, ist es längst schon zu spät. Das Geld hat sich sozusagen in Luft aufgelöst, es hat Anorexia bekommen und ist daran verendet.

Nun aber zurück zu obigem Mann, der ist ja kein Trottel wie ich, im Gegenteil, In Geldfragen war er lange Jahre Österreichs oberste Instanz, er war unser Finanzminister, und wenn es mit rechten Dingen zugeht, sollte in dieser Position eigentlich der klügste Geldzähler zu finden sein, den das Land erübrigen kann, nicht wahr, weil dann haben wir alle was davon.

Wie sich heraus stellte, kam dieser Exfinanzminister in der Tat nicht per Nudelsuppe, ehe nämlich das Geld, das er „vergessen“ hatte, weniger wurde, war es offenbar recht stattlich mehr geworden – (und ebenso offenbar an eine Stelle gelangt, von der er nicht wissen konnte, wie auch, er hatte es ja vergessen gehabt) –, so stattlich in der Tat, dass er nun, nachdem er sich daran wieder erinnerte, auf dem Wege der Selbstanzeige 18 000 Euro Steuer nachzahlte.

Und nun kommt also der Punkt, an dem selbst mir klar wird, dass dieser Kerl uns ungefragt anal beglücken will, nicht, weil er ein kleiner Gauner war, dem es nicht zu würdelos war, als oberster Steuereintreiber bei sich selbst eine Ausnahme zu machen; auch nicht, weil er meint, eine sogenannte „fesche“ Visage mache die Präsenz von Rückgrat überflüssig; sondern: weil er uns nun für megablöd verkaufen will. Weil er jetzt in Interviews eine Volksschulrechnung präsentiert, seht mal, Leute, es waren einmal 35 000 Euro, davon blieben 25 000 Euro, dann zahlte ich 18 000 Euro – verbleiben läppische 7 000 Euro. Soviel Rauch um nichts, no? Bin Strahlemann im Glück. Habe supersaubere Weste. Habt mich lieb. Oder wenigstens gern.

Bekanntlich hat dieser Mann, über den ich mich vergangenen Sonntag (abgesehen von einer Referenz auf seine zwischen die Beine geklemmte Persönlichkeit) nicht äußern wollte, nun etwas gestartet, das im Boulevard „Charme-Offensive“ getauft wurde, im Sozialen Netzwerk meinte einer, es sei eine „Scham-Offensive“, auf orf.at hieß es sogar, er „zeigt Reue“.

Ich möchte schon bitten.

Reue ist ein Gefühl der Abscheu oder wenigstens des Bedauerns über das eigene schäbige Verhalten. Sehen Sie sich dieses Close-up eines aktuellen Schnappschusses an – sieht so Reue aus? Dieser Mann meint, er müsse nur demonstrieren, dass er von klein auf die gleichen Zähne hat und alles wird gut.

Ebenfalls im Sozialen Netzwerk machte sich eine gewisse demokratische Sensibilität breit, soll so eine Type Ehrengast in einem Albertina-Event sein dürfen, ist es nicht ekelhaft, dass die Adabei-Society mit ihm Schulter schließt, als sei er ein nobler Mensch?

Tja, in einem Land mit entsprechend sensibler Volksseele sollte das alles nicht vorkommen. Ich persönlich bin ja eher verdrossen, an einem Tag, da alle Welt nach Ägypten blickt, von einem heimischen Evergrins die Sicht darauf verstellt zu bekommen. Aber wahrscheinlich bin ich nur neidisch. Und in Wahrheit hab ich diese Predigt für alle Ägypter unter uns verfasst, entdeckt dieser Tage nicht jeder auch einen kleinen Ägypter in sich? Was wollen die Ägypter denn schon viel? Eine Regierung mit Politikern, die sie nicht verarschen, das wollen sie. Und gehen dafür auf die Straße! In diesem Sinne also: Ägypten darf nicht Österreich werden! Carpe diem, liebe Leute.

3 Kommentare »

  • saxo lady sagt:

    :D bemerkenswert, wie einem das gimpfte aufgeht, gell.
    jetzt wissen wir doch alle, dass er der böse ist, derjenige, der uns alle …schön ausgedrückt überigens…anal beglücken will.
    und dann grinst der so.
    und sein teflon ist nicht zu durchdringen.
    und er braucht sich nicht mal rauswinden, weil die empörung der anderen so offensichtlich ist, dass er sich ganz leicht drüber stellen kann.

    oida, die npl-ausbildung muss ein vermögen gekostet haben.
    würd mich nicht wundern, wenn seine nächste karriere in gehobener position bei scientology ist.

  • nic_ko sagt:

    ein wahnsinnsfoto!

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