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iSteve ist krank

Von | 23.01.2011, 17:31 | Ein Kommentar

Wenn es einem Verwandten schlechter geht, sorgt sich die Familie. Wenn der Boss der Apple-Familie in den Krankenstand geht, zetern die Aktionäre.

Steve Jobs by Matt Yohe, Lizenz: CC Att.-SA 3.0 Unported

Wenn es einem Verwandten schlechter geht, sorgt sich die Familie. Wenn der Boss der Apple-Familie in den Krankenstand geht, zetern die Aktionäre.

Die nun endende Woche begann für mich mit einer jener bemüht harmlos gehaltenen Nachrichten. Steve Jobs ist in Krankenstand, hieß es. Das Drama dahinter wird seither täglich an der Börse aufgeführt. Auf hysterisch. Typisch Geldfritze, nicht wahr? Nichts geht ihnen mehr an Herz und Nieren als der Kursverfall einer Aktie.

Jobs´ tatsächliche Verfassung ist seither denn auch das bestgehütete Geheimnis der Welt, da kommt auch Wikileaks nicht ran. Er sei weiterhin CEO, heißt es und nein, niemand weiß, wann er wiederkommt. Oder ob, denn in der Washington Post von heute gibts keine Genesungswünsche sondern ein fieberhaftes Name-dropping zum Thema potentieller Nachfolger. Tim Cook wird erwähnt, der den Boss schon während der Krankenstände `04 und `09 vertrat („smooth operator!“) und Designer Jonathan Ive („der Apple-Look!“) und ein Scott Forstall („die iPhone-Eingeweide!“).

Überall das „Wer kann Jobs ersetzen?“, nirgendwo ein „Get better, Steve!“.

Aber soll mich das kümmern? Sollte ich nicht vielmehr, wie die Wiener Twitter-Community, meine Empörung über einen Typ namens Grasser äußerln führen? Gegenfrage: Wird diesem Schnösel mit all der Aufmerksamkeit nicht zu viel Ehr erwiesen?

Also ehrlich, für mich bitte keine 40jährigen. Ich weiß zwar nicht, ob dieser Grasser 40 ist, aber jedenfalls ist er ein Schnösel, und nichts für ungut, in dieser Altersklasse sind sie häufig, muss am Zeitgeist liegen, vielleicht sind ihre Frauen zu stark oder was, vielleicht wirken sie deswegen beim Gehen immer so, als haben sie ihren Schwanz zwischen die Beine geklemmt, was weiß denn ich?

Zurück zu Jobs, der kümmert mich, der ist bei mir iSteve und gehört zur iFamilie wie iMac und iBook. Sie wissen schon, Apple hat sich immer um einen familiären Touch bemüht, damit wir uns leichteren Herzens die sauteuren Rechner leisten, und bei mir hat das geklappt, obwohl, beim iPod machte ich nicht mehr mit, da bleib ich für immer analog.

Wenn in deiner Familie jemand schwer erkrankt, dann hast du für denjenigen oder diejenige mehr Zeit als sonst, würde ich sagen, und umso mehr, je finaler die Sache wird. Dann kümmern mich auch weniger seine beruflichen Umstände, mehr seine gesundheitlichen. Daher geht mir im Fall von iSteve der Aktienkurs von Apple genau am Hintern vorbei, interessanter erscheint mir die nebenbei mal eingestreute Info seiner Lebertransplantation von 2009. Aber gut, in den Nachrichten hörst du nur Wirtschaftliches. Das Gezeter der Börsianer, Apple-Aktien über Nacht um 7komma5 Prozent gefallen! Disaster! Apple stabilisiert! Apple weiterhin auf Talfahrt!

Natürlich kann ich verstehen, dass man beim Konzern keine Info zu iSteves Befindlichkeit rauslässt. Ich verstehe es insbesondere, wenn die einschlägigen Fragesteller ausgerechnet Apple-Aktienbesitzer sind, die dann auch noch wutentbrannt darauf pochen, dass sie „ein Recht auf mehr Info“ haben.

Widerliche Meute.

Bekanntlich wurde in iSteves Bauchspeicheldrüse bereits 2004 ein nicht sehr gutmütiger Tumor entdeckt, und er hat sich garantiert die beste aller verfügbaren Behandlungen geleistet, wie es die Art von Sechsmilliardendollarmenschen ist. Aber Pankreaskrebs ist ein Hund. Ein Freund von mir hat ihn und jede Therapie, so scheints, hat ihre Halbwertszeit, soll heißen, sie wirkt nur noch halb so lang wie die vorangegangene. Fiese Sache, so ein Krebs, aber weil der Mensch offenbar ein seltsames Lebewesen ist, sind die Gespräche mit meinem Freund besser denn je.

Es sieht nicht gut aus für iSteve, den Buddhisten, der einmal Joan Baez heiraten wollte, weil er Bob Dylan liebte, den Modernisten, der sich immer ans Motto der Eishockey-Legende Wayne Gretzky hielt („Ich lauf dorthin, wo der Puck ist, nicht, wo der Puck war“), den Rollkragenpulli&Jeans-Träger, der keine Nummerntafel am Auto hat, weil die eh „immer gestohlen werden“, den Visionär, dessen Produkte heute eine eingeschworene iFamilie haben.

In Macworld wird dieser Tage gern gefragt, was es für Steve Jobs denn noch zu tun gäbe, „die drei Heiligen Grale des Apple-Mythos – den Pod, das Phone, das Pad – hat er ja bereits geschaffen“. Sind solche Fragen angebracht? Ich hab da Zweifel. Es gibt eine Zeit im Leben, da geht es weniger um Business und das, was du hinterlässt. Da geht es mehr um Besinnung auf den, der du bist.

Übrigens: danke für die schönen Sachen, Mister Jobs.

Ein Kommentar »

  • saxo lady sagt:

    vielleicht wirken sie deswegen beim Gehen immer so, als haben sie ihren Schwanz zwischen die Beine geklemmt

    dafür, wertester frater, ein dickes busserl in ihre eremitage.

    und alles gute, mr. jobs

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