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Sex für Fortgeschrittene 21. Schlucken oder spucken?

Von | 13.01.2011, 16:09 | 15 Kommentare

Was tun mit den Spermien beim Oralverkehr? Es gibt Fragen, die tauchen oft erst auf, wenn sich die Antwort erübrigt hat.

TwistedVintage.com

Zunächst eine Würdigung: Es gibt Frauen, die es lieben. Es gibt Frauen, die es verstehen und solche, die nicht wissen, was sie da tun, aber jedenfalls tun sie es. Es gibt Frauen, die bereitwillig blasen.

Dem Mann, dem sie die Gunst erweisen, bleiben sie langfristig in Erinnerung, seine Dankbarkeit kennt kaum Grenzen, und der eine Wermutstropfen für ihn ist eigentlich nur, dass diese Frauen nicht die Mehrheit sind. Es gibt nämlich auch Frauen, die ungern blasen. Jede Menge. Und nach dem Grund ihres mangelnden Enthusiasmus befragt, bleibt die Debatte öfter als nicht an einem bestimmten Punkt hängen: Der Gedanke an die Bescherung, die da kommen soll, wenn der Akt eigentlich schon gelaufen ist, törnt irgendwie ab. Sperma, was nun?

Ich weiß, ich weiß. Wer bläst denn heute noch ohne Kondom, mögen Sie jetzt einwenden. Simple Antwort: die Mehrheit. Das ist die Natur des Biests. Und in der Regel sind sich Frauen auch einig: im Zweifel lieber spucken als schlucken. Nur fehlt manchmal die Zeit für Zweifel. Manchmal deponiert der Mann seine Liebesgrüße, ohne vorher zu fragen, tut leid, es ging eben so verdammt schnell. Er war derart gerührt ob der Großzügigkeit, die ihm da widerfuhr, dass er sich sofort ergoss. Sie hat ihm einen geblasen! Wow! Heureka!

Natürlich findet jeder Mann, dass ihm die Gunst zu selten widerfährt. Ist logisch. Der Blowjob ist was Besonderes, nichts kann sich mit ihm vergleichen. Anderer Sex mag ihm die bessere Ekstase bieten. Aber beim Blowjob kann er erstens keine Fehler machen. Zweitens gibt ihm ein BJ das Gefühl, dass die Spenderin ihn akzeptiert. Sie gibt. Manchmal kniet sie sogar. Und natürlich reden Männer darüber. Der Blowjob ist an jedem Stammtisch ein Stammthema. Nur kommt das einschlägige Problembewusstsein dabei etwas zu kurz.

Männer verschweigen, wie unsicher es sie macht, wenn sie nicht wissen, wie Frau auf den Samen reagiert. Stattdessen geben sie dem inneren Macho Sporen. Sagen Sachen wie: „Und dann hat sie mir einen geblasen.“ End of story, außer er war an eine sogenannte „begnadete Bläserin“ geraten, dann kann es vorkommen, dass seine Hymne an die edle Spenderin über die Grenzen des Stammtischs hinaus dringt. Aber es passiert ihm eben zu selten.

Theoretisch können Männer besser blasen als Frauen und nicht nur, weil ihnen der Schwanz kein Fremdkörper ist. Aber Männer sind sexuell neugieriger, das Tun und das Objekt vor seinen Augen wecken seinen Forschergeist. Schwule Männer blasen genial, Heteromänner lecken lieber als Frauen blasen. Verständlich, eigentlich. Eine Vagina ist eben eine Vagina.

Weniger Verständnis kommt auf, wenn der weibliche Forschergeist in Sachen BJ sich lediglich wegen der Gedanken an die Samenflüssigkeit in Grenzen hält. Schade. Und sozusagen überflüssig. Denn meistens kommt er ohnehin nicht da oben. Ganz sicher nicht, wenn er ihre süßsaure Miene sieht, mit der sie den Mund öffnet. Selbst wenn sie ihn in den Himmel bläst, bricht er den Akt häufig ab und macht anderswo weiter. Weil er den BJ für Teil des Vorspiels hält (Hinweis: Die Rede ist hier von partnerschaftlichem Oralverkehr, nicht von sozialen Szenarien a la Clinton & Lewinsky). Und weil ihm schon der Verdacht reicht, dass ihr das, was kommen soll, nicht ganz geheuer ist (ja, es gibt auch empathische Männer). Dann schon lieber in die Vagina. Die hat zwar keine sensible Zunge, die einem die gewisse Sensation mehr bereitet. Aber wenigstens hat eine Vagina kein Problem mit dem Sperma. Jedenfalls nicht sofort.

Durch die männliche Brille gesehen – und außer er weiß, dass sie drauf steht – gibt es denn auch nur zwei praktische Theorien zu der Frage, wie das Sperma im Mund der Geliebten landet. Entweder vorzeitiger Erguss ( ist gleich Kompliment). Oder sie hat seinen männlichen Stolz verletzt.

Im ersteren Fall ist die Lage simpel. Sein Orgasmus war offenbar himmlisch, und weil derlei Ekstase bei ihm eine vorübergehende Gehirnlähmung auslöst, kam ihm die Frage zum Erguss nie bzw zu spät in den Sinn. „Entschuldige, Darling, aber Du warst so toll, dass ich ganz vergaß, den Schwanz rechtzeitig rauszuziehen.“ So sind sie, die Komplimente.

Im Fall des „verletzten“ Mannes ist es weniger Vergesslichkeit, mehr ein Ausklinken, das ihn geradezu danach drängt, ihr quasi den Mund zu stopfen. Etwa beim Akt, den sein erkranktes Gemüt als schnöden Straf-BJ nach ihrem Seitensprung begreift: „Gestern hat sie geschluckt“, erzählt er dann am Stammtisch, mit der Miene des gestillten Rachedursts. Das reicht. Und seine Spezis wissen alsogleich, dass seine „Alte“ einen anderen hatte und er deswegen sein Mütchen kühlte, um sie zur Hure zu machen, die er nun neben das angenagelte Bild der bisherigen Heiligen hängen konnte. Nur so erlangt seine, ach, so verwundete Seele ein erstes bisschen Frieden (und wahr ist natürlich auch, dass sich eine ertappte Fremdgeherin sozusagen mehr reindrücken lässt als üblich).

Beide – Kompliment und Rache – sind nur die zwei Extrempole, und in den Normalfällen dazwischen gerinnt der Blowjob in seinen Augen allzu häufig zur banalen Geschmacksfrage. Sein Sperma ekelt sie an, und sowas schmerzt den quasi mit seinem Sperma Ausgespuckten. Zumal er auf sein Sperma steht. Es war ihm immer vertraut. Schon beim Masturbieren als Teenager hat er es geschluckt, und es war okay. Er hat es geschluckt, weil er schon damals auf die Frage „wohin mit dem Zeug“ keine bessere Antwort fand. Und wie damals kommt ihm auch heute die Frage oft erst, wenn er bereits gekommen ist.


15 Kommentare »

  • Klabund sagt:

    Wie bin ich hier bloß gelandet… aber wirklich schön geschriebener Artikel. Und er stimmt in jedem Fall.

  • nic_ko sagt:

    *kicher* nö, putzfeen hab ich echt keine in meinem umfeld. allesamt (inklusive mir) schlampen im ursprünglichen sinne ;)
    vom beschmutzen war auch nie die rede. das ist ja wohl keine relevante kategorie, weil sex bekanntlich selten im antiseptischen bereich bleibt. es ging um die ganz banale frage: schmeckt’s oder nicht?

    • Sakristan Biringer sagt:

      naja … und?!? tuts jetz schmecken, oder nicht?!?

  • nic_ko sagt:

    menno, sax, mein bester, so viel zeit hab ich auch wieder nicht…
    nur sehr kurz und nur vereinzelte punkte, aber u.a. kenn ich keine einzige frau, die spuckt (zumindest keine die das sagt. vielleicht liegt’s an meinem bekanntenkreis?). und ich kann auch die logik hinter spucken nicht nachvollziehen. es ist unpraktisch und messy. entweder sie mögen’s, dann schlucken sie sowieso – oder sie mögen’s nicht, dann schlucken sie auch, weil dann sind sie’s indeed wesentlich schneller los. denn sooo viel wie die männer glauben, ist es ja eh nicht, wegen dem bissl zahlt sich echt nix aus, was zuviel fuss macht… frauen sind in sachen sex oft ungemein pragmatisch :)
    (übrigens auch nachzulsen in cynthia heimels wundervoll lustigen klassiker „sex tips for girls“)
    und irgendwas mit dem verhalten von heteromännern war noch in dem text… aber ich find die stelle grad nimma.

    • Manfred Sax sagt:

      pragmatisch? die frau als vorbeugender mistkübel? nehme an, das sind die mit den blitzblanken „von-meiner-klomuschel-kannst-essen“-haushalten …

      • saxo lady sagt:

        oja, ich spuck schon mal. und zwar dann, wenn das zeug grauslich schmeckt. aber auch, wenn der adonis glaubt, jede frau sei deep-throat-spezialistin. aus reiner erstickungsangst :D

  • ur-laut sagt:

    vielleicht wacht ja madame pornero auch mal aus dem winterschlaf auf und kann uns diesbezüglich aufklären ;)

    aber sonst bin ich bei nic_ko… einiges ist überzogen, falsch dargestellt und kann nicht widersprochen so stehen gelassen werden.

    1.) ob (auch wenn „er“ gut ausgeführt) der bj das mass aller dinge ist, stelle ich in zweifel

    2.) welcher mann betrachtet den bj als vorspiel? ich sag mal eher, viele männer hätten den bj gern bis zum schluss ;)

    3.) „es“ passiert einfach so? verdammt mr. sax, das ist quatsch ;) so geht´s vielleicht einem 16-jährigen, aber einem halbwegs erwachsenen mann, der weiß schon wann´s losgeht ;) und dazu muss man auch sagen… ich denke jede frau, bekommt es mit, dass er kurz davor ist ;)

    4.) also welche männer reden über sowas? da fällt mir wieder die garde der 16-20 jährigen pubertierenden „hi-ho-disco-bürscherl“ ein. mr. sax, sitzen sie mit ihren kumpels zusammen und reden über ihre erotischen erlebnisse (vor allem im detail) der letzten wochen? (wenn sie über ihre jugend sprechen, finde ich das okay – alles andere ist… naja sagen wir es harmlos: „indiskret“

    5.) mehr männer als frauen schauen porno (komm schon renee: „AUFWACHEN“). dass sich da fantasien bilden, ist klar. umgemünzt: mehr frauen als männer schauen rosamunde pilcher, daily-sitcoms und derlei dinge. auch da entstehen fantasien.

    6.) der letzte absatz stösst mir zweideutig auch noch auf ;) ja, ich habe (und mache es noch immer) masturbiert. ich bin aber kein akrobat und kann das ejakulat nicht schlucken… ;) gekostet, ja… aber da sollte man als klar denkender mann schon mehr fanta haben „wo hin damit“ – auch wenn (da bin ich mit ihnen da core) zuvor kein gedanken darüber verschwendet wurde ;)

    abschließend; es ist toll, wenn man daheim seinen eigenen porno nachspielst (egal ob auf zelluloid gebannt oder nicht) und dann noch das privileg hat, dass man mit einer partnerin zusammen ist, die gerne „schluckt“ (ist eben eine reine kopfsache). wenn sie es nur aus reinem gefallen tut, naja… da geht dann die „kopfsache“ verloren.

    • Manfred Sax sagt:

      Großartig, ur-laut, das nenne ich Informationsfülle. Herzlichen Dank für den Beitrag (und ich will mal annehmen, Sie meinten „nicht unwidersprochen“).

      • ur-laut sagt:

        ich meine viel, wenn der tag lange ist ;) aber aus der emotion heraus schreiben, birgt die gefahr des einen oder anderen logik-fehlers ;)

  • nic_ko sagt:

    boa, da kann ich aber ungemein viel nicht unterschreiben. sind das vermutungen und eigene beobachtungen, sax, oder fußt das auf irgendwelchen studien? weil: studien hättat ich auch keine, aber beobachtungen schon. und die waraten ziemlich konträr.

  • Susanne sagt:

    Schlucken, schlucken, schlucken!!!!

  • saxo lady sagt:

    schlucken oder spucken.
    ist doch nicht schwer.
    n typ, der raucht, regelmäßig junk in sich reinstopft und ausschließlich kaffee und alkoholika in sich reinkippt, dessen sperma schmeckt ziemlich
    iiiiiiiiiiiiiiiii
    und wenn frau das zeug nicht schluckt, hat das sowenig mit verkrampft sein zu tun, wie meine aussage, nicht mit hrn muzikant intim werden zu wollen mit anitsemitismus zu tun hat.

    herzlichst

    • Manfred Sax sagt:

      Total d´accord. Selbstbewusste Frauen, welche die unwillkommene Ladung kühl return to sender schicken, haben allezeit meinen Respekt, sicher mehr so als das „Ich-tu´s-damit-er-kan-Baam-aufstellt“-Mädel oder die „Lieber-schlucken-als-Dreck-auf-der-Wäsch“-Entsorgerin. Ihr sax

  • Ivy sagt:

    Echt gut geschrieben. Und (teilweise) wahr. Thumbs up!

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