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Truth or Dare: Von Arschlöchern und Schlampen

Von | 10.01.2011, 8:00 | 9 Kommentare

Was wollte ich 2011 eigentlich NICHT mehr? Plattitüden im Kaffeehaus. Was habe ich bekommen? Genau das: „Frauen stehen doch eh‘ nur auf Arschlöcher!“

Foto: Paul Heaberlin, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Pffffffffft. Diese Aussage ist ungefähr so platt, wie die norddeutsche Tiefebene. Warum ich nicht wahlweise auf den Tisch gekotzt, vor Fadesse eingeschlafen oder gegangen bin? Sondern sitzen blieb? Weil sie überraschend kam – und von jemandem, dem ich so einen Sager nun gar nicht zugetraut hätte.

Ein Mann, die 40er haarscharf hinter sich, geschieden, neu liiert, rührt in seinem Kaffee und plaudert – was Männer halt so unter plaudern verstehen. Die Feiertage, die Freundin, die Sehnsucht nach Ruhe, die Wehwehchen und dass die Freundin tatsächlich körperlich werden wollte. Dieses Luder. Oder eben nicht. „So lieb“ sei sie. Würde sich kümmern. Rührend sogar. Ein Glücksgriff, quasi. Im Subtext blinkte: urfad.

Er muss es mir angesehen haben. Diesen „hej-das-hast-du-dir-aber-ausgesucht“-Blick. „Ihr Frauen steht doch auf Arschlöcher! Nette haben keine Chance“, brauste er auf. Und: „Ist man ein Netter, kriegt man nur die faden Weiber.“ Aha. Dabei würde er ja schon anders, wenn er könnte, der Neo-50er.

Nämlich zickige, komplizierte Schlampen! Das sei eigentlich wirklich angesagt. Zumindest, wenn er jünger wäre – die Wehwehchen und so. Man sei ja mittlerweile älter und vernünftiger. Die Hälfte der Stellungen im Kamasutra komme aus rein körperlichen Gründen nicht mehr in Frage. Der Rest sei zu anstrengend. Aber früher – wehmütiges Augenleuchten – also früher, da wäre nur eine komplizierte, schwer zu habende Schlampe als Gespielin in Frage gekommen.

Na prima. Zeit für ein paar unbequeme Wahrheiten. Erstens: Jeder hat den Sex, den er verdient. Punktum. Zweitens: Willst du mehr, dann streng dich an. Drittens: Es gibt auch nette Arschlöcher. Viertens: Schlampen mögen originelle Männer. Die Betonung liegt auf MÄNNER. Dann dürfen sie ruhig nett sein.

Ach ja: Auch 2011 wird nicht einfach. Aber wir werden weiterleben.

9 Kommentare »

  • Joachim sagt:

    Nur: Was bitte könnten tolle, junge Frauen von einem alten Sack mit 50+ wollen?
    Da nützt auch der ausgebuffteste Lebenshilfe-Arschloch-Lehrgang nix.
    Zudem gibt es Dinge, die man nicht lernen kann. Die hat man oder eben nicht.
    Natural born asshole, so to speak ;-)

  • saxo lady sagt:

    ;) also ich halts ja mit glattauer. er meinte, witzig ist, wenn frauen sich über frauen lustig machen, echt witzig ist, wenn männer sich über männer lustig machen.
    männer die über frauen, frauen die über männer…
    lustig machen und blöd reden ist ja fast das selbe…
    sind allerhöchstens bedauernswert.

    herzlichst

    • Manfred Sax sagt:

      Also, ich wurde anno Ösi auch mitunter mit dem herben Lob beglückt, ein Arschloch zu sein. Aber eigentlich ist das doch okay, oder, solange die Absenderin auf den Einspruch „aber ein geiles Arschloch“ mit „ja, das stimmt“ reagiert …

  • Ich weiß, daß das jetzt sowas von einem tu-quoque-Argument ist, aber in die Kategorie „das kann wirklich niemand mehr hören“ fällt auch das beliebte Diktum: „Alle Männer sind Schweine“.

    • Karin Spitra sagt:

      Stimmt. Ist als Argument ungefähr so ausgelutscht wie der Schwanz eines Pronodarstellers. Und ist natürlich völliger Humbug. Zwar haben Zuspitzungen in emotionalen Ausnahmezuständen durchaus ihre Berechtigung: als Ventil, Projektionsfläche, Sandsack, statt eines Mordes, whatever. Aber selbstverständlich sind Männer überwiegend liebenswerte Zeitgenossen. Und die Arschlochdichte ist wohl ähnlich hoch, wie unter Frauen.

  • truetigger sagt:

    Aus Frauensicht ist es vermutlich ermüdend, immer die gleichen blöden Plattitüden zu hören. Aber zeig mir den Mann, der es schulterzuckend abtut, wenn eine gute Freundin IMMER und IMMER WIEDER auf Stereotypen reinfällt oder der sich für seine Angeschmachtete ins Zeug legt und ihr zeigt, wie grossartig er ist, nur um dann ohnmächtig mit anzusehen, wie sie mit einem Wappler abzieht, der so GAR nichts von dem hat, was Frauen angeblich mögen…

    Klar hast Du recht: Es gibt jede Menge Beispiele, wo das eben nicht so ist. Letztlich ist es wie mit dem Berufsverkehr: es fallen nur die roten Ampeln auf, nicht die vielen Male, wo Vorurteile nun mal nicht zutreffen.

    Und ein Zurückgewiesenwerden tut eben auch mit 50+ noch weh. Da hilft es nichts, dass schon die Beatles wussten „Can’t by me love“. Man(n) braucht Selbstbewusstsein und eine innere Zufriedenheit, die man nicht vorspielen kann. Aber woher spontan nehmen, wenn man gerade am Boden liegt?

    Sei nicht zu hart mit uns, wenn wir mal Gefühle zeigen. Auch wenn die Gefühle sich mit idiotischen Anschuldigungen in der vermeintlichen Anonymität eines Kaffeehauses erschöpfen. Wir sind doch nur Männer!

    • Karin Spitra sagt:

      Stimmt schon, lieber Truetigger. Blöde Plattitüden sind immer ermüdend – wie halt das meiste blöde Zeug. Und Sensibilisierung – wie in deinem Fall – lässt einen da besonders schwer schlucken. So sorry. Wer weiß, was deine Freundin durch die ewige Wiederholung für sich aufzulösen versucht. Es klingt jedenfalls danach, als hätte sie ihre Lektion noch nicht gelernt. Welche Unsicherheit es diesbezüglich gibt, demonstriert dir vielleicht auch nachstehender Link zum „Sexratgeber“ von David de Angelo. Er will Männern beibringen genau diese Art von Arschloch zu sein, auf die Frauen (präziser: tolle, junge Frauen) angeblich so stehen…

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