Jetztzeit

Reality-Check: die Gegenwart in Wort und Bild

Netzzeit

Geschichten aus dem Leben mit dem Netz

Sexklinik

Alle Zeit bereit: Quality Time zum Thema Nummer Eins

Auszeit

Kultur & Freiheit: Doping zur Bewältigung des Alltags

Denkzeit

Die Welt ist kompliziert. Reden wir darüber

Sie sind hier: Home » Netzzeit » Assange vs. Assange
Share

Assange vs. Assange

Von | 10.12.2010, 11:43 | 2 Kommentare

Wir wissen nicht, welche Ereignisse dazu geführt haben, dass Julian Assange sexueller Vergehen beschuldigt wird. Doch sein Verhalten in dieser Angelegenheit bleibt unprofessionell.

Wir wissen nicht, welche Ereignisse dazu geführt haben, dass der WikiLeaks-Sprecher Julian Assange sexueller Vergehen beschuldigt wird, doch eines wird dabei immer deutlicher: Sein Verhalten in dieser Angelegenheit war nicht gerade professionell.

Julian Assange hat seinen Teil dazu beigetragen, dass sein Sexualleben nun nicht nur Gegenstand behördlicher Ermittlungen, sondern auch einer breiten Medienberichterstattung wurde. Schließlich waren die Anschuldigungen gegen ihn bereits im August bekannt, er hatte also genug Zeit, diesen Vorwürfen aktiv zu begegnen. Doch er hat dies verabsäumt, im Gegenteil: In verschiedenen Äußerungen zu den Vorfällen in Schweden unterstützte er die Darstellung, dass es sich um eine gesteuerte Verleumdungskampagne gegen ihn handeln würde und die Vorwürfe fingiert seien.

Als Medienberater kann ich nur feststellen, dass professionelle Krisenkommunikation anders aussieht. Ganz anders. Wer mit strafrechtlich relevanten Vorwürfen konfrontiert ist, sollte nicht verschwörerische Deutungen liefern, sondern um Aufklärung bemüht sein. In seiner Funktion als Sprecher hätte Assange auch dafür sorgen müssen, dass WikiLeaks mit diesen Vorwürfen nicht in Verbindung gebracht wird. Doch stattdessen hat er die Plattform noch stärker an seine Person geknüpft, wie sein ehemaliger Mitstreiter Daniel Domscheit-Berg kritisiert.

Hätte Assange früher reagiert und seine Sprecherfunktion bis zur Aufklärung aller Vorwürfe abgegeben – ein Schritt, der nun praktisch unausweichlich, aber organisatorisch deutlich schwieriger sein dürfte – würden die Vorwürfe gegen ihn das Image von WikiLeaks kaum belasten. Er hätte auch seinen eigenen Ruf damit geschützt, denn was immer im August diesen Jahres in Schweden passiert sein mag, ist nur deshalb eine Schlagzeile wert, weil Julian Assange das Gesicht von WikiLeaks ist.

Assange hat in Kauf genommen, dass seine persönlichen Angelegenheiten die Anliegen von WikiLeaks überlagern. Wenn er dieses Verhalten nicht kritisch hinterfragt und Konsequenzen daraus zieht, könnte er ein größeres Risiko für sein Projekt werden als die zahlreichen Gegner der Whistleblower-Plattform. Vielleicht ist er das aber schon.

Dieser Text ist auch in Stefan Bachleitners Blog politikon.at erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

2 Kommentare »

  • karotterl sagt:

    so ein schwachsinn.

    es ist völlig egal, wie assange drauf reagiert hätte.
    die verknüpfung zwischen einer völlig vertrottelten Sex-anklage, die mit einer vergewaltigung ungefähr soviel zu tun hat wie obama mit m.l.king wäre 1. auf jeden fall aufgegriffen worden und 2. ist grad von der „gegenseite“ forciert worden.

    • Das sehe ich anders. Hätte Assange seine Sprecherfunktion bis zur Aufklärung aller Vorwürfe ruhend gestellt, wäre deutlich weniger über diese Anschuldigungen berichtet worden. Abgesehen davon können wir von hier aus nicht beurteilen, ob die Anklage „vertrottelt“ ist oder nicht. Solche Ferndiagnosen sind ebenso unseriös wie Vorverurteilungen.

ZiB21 sind: unsere Blogger