Jetztzeit

Reality-Check: die Gegenwart in Wort und Bild

Netzzeit

Geschichten aus dem Leben mit dem Netz

Sexklinik

Alle Zeit bereit: Quality Time zum Thema Nummer Eins

Auszeit

Kultur & Freiheit: Doping zur Bewältigung des Alltags

Denkzeit

Die Welt ist kompliziert. Reden wir darüber

Sie sind hier: Home » Netzzeit » Mashup at its best: Girl Talk “All Day”
Share

Mashup at its best: Girl Talk “All Day”

Von | 19.11.2010, 14:33 | Kein Kommentar

Mashup At Its Best. Girl Talk bringt wieder einmal sagenhaft viele Songs auf eine einzige Platte. Gekonnt. Wenn auch nicht völlig legal.

Foto: Girl Talk's "All Day" (Cover)

Die Entfaltung in der rechtlichen Grauzone. Oder: Mashup At Its Best

Gregg Michael Gillis, moralisch fraglichen Ruhm mit seinen Mashups unter dem Namen „Girl Talk“ erlangt, veröffentlicht sein neues Kunstwerk „All Day“ auf seinem eigenen Label „Illegal Art“. Nun kann man sich allein aufgrund dieses Namens ansatzweise denken, worum es gehen könnte. Ganz so einfach ist es aber nicht.

„All Day“ ein Album zu nennen, wäre etwas zu kurz gegriffen. Weil es bis dato kein sonstiges Musiklabel gibt, welches sich tatsächlich über die Veröffentlichung einer derartigen Scheibe trauen könnte und ein klassischer Verkauf ebenfalls weitere Probleme aufwerfen würde, gibt es das Ganze als freien Download im Netz. In zwei Varianten: die Eigentliche ist ein durchgängiges, 71 Minuten langes Mp3-File. Der Einfachheit halber gibt es das aber auch gesplittet. In 12 einzelne Tracks, die nahtlos ineinander übergehen.

Das Alter des Ausgangsmaterials könnte vielfältiger nicht sein. In den letzten Jahrzehnten der Musikgeschichte hat Girl Talk ein weiteres Mal gewühlt und dabei so einiges an wunderbaren Hooks zusammengestoppelt. 372 einzelne Songs sind laut Wikipedia in „All Day“ verarbeitet. Das Ergebnis kann sich hören lassen.

Mit der Remix-Kunst und der fast noch problematischeren Kunst der Mash-Ups ist es aus urheberrechtlicher Sicht ein reines Trauerspiel. Sinnvolle Lösungen gibt es nicht – und so beruft sich Girl Talk weiterhin auf das „fair use“-Prinzip des amerikanischen Rechts. Damit ist die Geschichte freilich nicht gegessen. Sein Schaffen bewegt sich weiterhin in Grauzonen. Weshalb er gar nicht versucht, jedes einzelne Sample rechtlich zu klären.

Rechtliche Konsequenzen

Es gibt kein Zitat, das die faktischen Folgen von diesem „Diebstahl geistigen Eigentums“ besser auf den Punkt bringen kann, als die Aussage von Gregg Gillis in einem Interview mit Spin:

„The French producer Mr. Oizo, who does that song ‚Flat Beat‘ from the ’90s — I saw on his Twitter someone was like, ‚Oh, you’re on the new Girl Talk,‘ and he’s like, ‚Oh, I’m gonna sue them,‘ and he Twittered at me like, ‚Do you have a good lawyer?‘ I wrote back and said, ‚No.‘ For a second there, I couldn’t tell if he was pissed or what was going on, because it’s obviously a sensitive subject, and he wrote back, ‚Good, ‚cause I don’t care about the sample.‘ That was as close as I’ve come to an issue.“

Dadurch wird die Vorgangsweise des ungefragten Samplings zwar kein Stück legaler, gleichzeitig zeigt sich die Sinnlosigkeit mancher Regeln und die Zahnlosigkeit des Rechtssystems. Von der Musikindustrie ist Girl Talk jedenfalls noch nicht geklagt worden.

Weiterführende Links:

Freier Download des Albums „All Day“

Lesenswertes Interview von Girl Talk mit SPIN

Wikipedia-Eintrag über Girl Talk (ebenfalls englisch, da deutsch nicht verfügbar)

Kommentare sind geschlossen.

ZiB21 sind: unsere Blogger