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Kid Rock: Originalität ist überbewertet

Von | 19.11.2010, 8:16 | Kein Kommentar

Der Edelprolo aus Detroit macht jetzt amerikanische Volksmusik ohne Überraschungen. Genau das ist der Reiz des Albums „Born Free“.

Irgendwo in Amerika. Foto: CD Cover Kid Rock "Born Free"

Der Edelprolo aus Detroit macht jetzt amerikanische Volksmusik ohne Überraschungen. Genau das ist der Reiz des Albums „Born Free“.

Kid Rock sitzt auf dem Rücksitz eines Auto, offenes Dach, Beine lässig über die Lehnen der Vordersitze gelegt. Im Hintergrund wogt der Weizen. „Born Free“ steht über dieser Szene. Bei so einem Albumcover weiß man sofort, worum es hier geht. Es geht um Amerika. Um Handwerk, Träume und Arbeit. Um Autos, Frauen und Bier. Um ein Amerika aus einer Zeit, in der Kid Rocks Heimatstadt Detroit noch die Nation mit Fahrzeugen versorgte und nicht vor sich hin moderte.

Ja, „Born Free“ ist ein Album für hart arbeitende Männer. Für Männer, die vor Stahlöfen schwitzen und Autos zusammenschrauben. Für Männer, deren Jobs heute längst in Asien erledigt werden.

Es ist ein Album für all jene, die von einem Fortschritt überfordert sind, der ihren Traum von Haus, Auto und Familie in den Suburbs ins Wanken gebracht hat. Kid Rock – geführt vom puristischen Produzenten Rick Rubin – geht mit dem Fortschritt so um wie viele, die sich als dessen Opfer verstehen. Er ignoriert ihn.

Originalität? Dass damit kein Publikum zu holen ist, weiß Kid Rock längst. Sein größter Hit, „All Summer Long“ von 2008 basierte immerhin auf dem völlig totgespielten Tanzband-Liedchen „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd.

Neue Geschichten? Wozu, schließlich sind die alten immer noch am besten. Über den Köpfen der Purple Sky, am Abend noch ein Bier, das Leben wird schon irgendwie werden, Rock On.

Und so klingt „Born Free“ wie ein Album, das man schon zig Male gehört hat. Die von AC/DC geborgten Gitarrenriffs, ein bisschen barrierefreier Soul und ganz viel Cowboymusik ergeben in Kombination ein durch und durch altbackenes Werk, das jedem anderen peinlich wäre. Doch weil der Edelprolo auch schon ein bisschen mit Pamela Anderson zusammen war, ist Kid Rock längst nichts mehr peinlich.

Es mag vielleicht innovativere Musik geben, aber die hier wirkt zumindest grundehrlich gemeint. Das ist schon einmal was für einen Freitag wie diesen. God bless Saturday, singt Kid Rock übrigens auch. Bei solch zwingenden Botschaften ist Widerstand einfach zwecklos. Angenehmes Wochenende.

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