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Sex für Fortgeschrittene 20. Mutter Faust und ihre 5 Töchter

Von | 18.11.2010, 13:37 | 11 Kommentare

Der transparente Mann: Angeblich masturbieren 8% der Männer NICHT. Heute wie vor 60 Jahren. Das ist natürlich Blödsinn.

 

Schon passiert, Fremde? Du fühlst dich so irgendwie, so sexy wie schon lange nicht. Es ist Herbst, aber du duftest wie der Frühling, am liebsten würdest du den eigenen Hals abschmusen. Nicht einmal deine Frisur versaut dir am Spiegel die Laune, du spürst dieses unzweideutige Kribbeln.

Du würdest also gern ehwissen. So verdammt gern, dass du dich sogar in jenes Kleid wirfst, das du sonst nur trägst, wenn du ohne deinen Alten ausgehst, und du näherst dich ihm und blickst ihn auf diese bestimmte Weise an, unzweideutig wie er weiß, er kennt dich ja.

Aber er hat keinen Bock.

Er wird nicht zum Postmann, der zweimal klingelt, er schiebt weder dein Kleid hoch, noch wirft er dich auf den nächsten Tisch. Er wird nicht einmal anständig unanständig, im Gegenteil, er kriecht nur noch tiefer in den Fernseher, so als wäre Gottschalk der spannendste Typ seit … was weiß ich, wie die Darlings der Saison grad heißen – Craig, Timberlake, Bieber? Ist auch nicht der Punkt.

Der Punkt ist dein Partner und der will nicht. Der Typ, der täglich dein Kissen teilt, hat Libido auf null. Dabei müsste er wollen. Eigentlich müsste es ihm bei den Ohren rauskommen, ist ja schon eine satte Weile her, die letzte Kür in Sachen partnerschaftliche Pflicht.

Was hat der Alte nur, das ist die Frage und Frauen mit Erfahrung verwerfen sofort einen keimenden Verdacht. Nein, er hat keine andere, denn hätte er, dann ließe er sich zum Sex nicht lange bitten, so ist das nun mal, Geliebte beleben die Sinne, auch für die Partnerin.

Also: Er hat keine Andere. Versprochen. Der lustlose Typ ist nur einer der wissenschaftlich ausgewiesenen neun von zehn. 92% der Männer masturbieren. Wissen wir seit Kinsey. Und eigentlich ist das unglaublich, nicht wahr? Kinsey ist 60 Jahre her, seither hat die Welt sich total sexualisiert, heute trieft freier Porno aus jeder Nische des Internets – soll da wirklich jeder zehnte Mann nicht zum Einhänder greifen?

Na ja, wirst du jetzt einwenden, heute ist auch das sexuelle Klima viel liberaler, es wird viel mehr gebumst, vielleicht hat der Mann das Fummeln an sich selbst nicht mehr so nötig oder was. Diesen Gedanken kannst du dir abschminken, Fremde. Sex ist – und war immer – nur ein unzureichender Ersatz für Masturbation.

Männer sind Wichser. Auch der deine. Und heute hat er eben keine Lust, weil er vor kurzem seiner eigenen Verführungskunst erlag. Vielleicht erinnerst du ohnehin diesen seltsam süßlichen, eigentlich anheimelnden Duft unter der Bettdecke heute morgen. Nun, das war wegen gestern Nacht. Du gabst dir die Spätnachrichten, er ging noch kurz ins Computerzimmer, die Mails checken, wie er meinte. Hätte er auch via Handy machen können, oder? Aber nein, er verzog sich in sein Büro. Und dort saß er dann beim Hunnen oder wem und ohrfeigte den Bischof, wie der Brite sagt, in grimmiger Erinnerung an das 19. Jahrhundert, als die Kirche auf Selbstbefriediger schießen ließ.

Ja, das Image des Wichsers war mal mies, es ist gar nicht so lange her, im Zweiten Weltkrieg wurden US-Matrosen noch aus dem U-Boot geworfen, wenn sie dabei ertappt wurden. Und wer hier zu Lande als unverbesserlicher Katholik tatsächlich bescheuert genug ist, seinen Handjob zum Thema im Beichtstuhl zu machen, der weiß, was Buße ist. Aber fruchten wird sie nicht.

Der Fischer wird nie die Hand von den Fischen lassen, der Mann wird immer masturbieren. Er wird wichsen, schwarteln, das Fleisch schlagen. Er wird dem glatzerten Scharlie das Hirn ausblasen, den Richard richten, den Gecko rülpsen, den Affen peitschen. Er wird den Sheriff erwürgen und dann auf die Hilfssheriffs warten. Er wird das Porzellan polieren, den König krönen, die Karotte schälen, den Kühlschrank entfrosten, nach Öl bohren, die Ente füttern und Fünf-gegen-Einen spielen. (Mehr vom Gleichen?).

Es gibt hunderte Begriffe für den Einhänder und es hat – das ist dir sicher nicht entgangen – damit zu tun, dass Männer ihrem Penis irgendwie sehr nahe sind. Sie nennen ihn Schwanz, Rüssel, Latte, Monster oder Rächer, und wenn sie von ihm reden, mischt sich gern ein Hauch von Stolz in ihre Mienen. Der Penis wird selten verniedlicht, von Deutschland einmal abgesehen, wo er Pimmel heißt (und laut Bekenner-Studien kürzer als in RestEuropa ist). Aber bitte, Deutsche sind halt so. Gestern ein Übervolk, heute Meister der Untertreibung, immer extrem.

Im wesentlichen aber hat der Penis beim Mann einen Ehrenplatz. Weil er ihn begriffen hat. Im Sinne des Wortes. Er hat ihn durch die Hand kennen und verstehen gelernt, und er bleibt zeitlebens sein Student. Er tut es als Teenager, weil er Träume hat und durchs Internet versaut ist. Er tut es vor dem ersten Mal, weil er Angst hat, sonst zu schnell zu kommen. Er tut es als Pensionist, um in Schuss zu bleiben. Er tut es immer. Weil dem so ist, wird der erigierte Penis eines Rechtshänders stets nach links gekrümmt sein.

Erfreulicher Weise genießt der Handjob selbst beim Talk im Pub oder Beisl einen ausgezeichneten Ruf. Früher sagte man „Wichser“ und meinte eine Memme, einen Typen mit herausgeforderter Haltung. Heute sagt man „Darauf wichse ich“ oder „Fast so gut wie wichsen“ und meint das erhöhend. Jeder bekennt sich zu dem kreativen Vergnügen, das den Mann in einen Fellini des Gehirnfilms verwandelt. Seit Leute wie Keith Richards in Interviews und nun auch in seiner Autobiografie Life liebevoll von „Mutter Faust und ihren fünf Töchtern reden („viel weniger Trouble, viel mehr Platz im Bett“), ist ein Wichser eigentlich nur, wer nicht masturbiert.

Nun ja, magst du jetzt einwerfen, wenn der Alte nur deswegen Nullbock hat, weil er zuviel masturbiert, hört sich der Spaß aber auf. Zweifellos ein Argument. Nur trifft es nicht ganz den Punkt. Höchstwahrscheinlich war es nämlich so, dass er vor dem Handjob den Spuk im Hirn hatte. Sowas passiert schnell. Mal ist es Scarlett Johannsen, die da vom GQ-Cover grinst, andermal die Kollegin von der Arbeit, die schon wieder diese nervenden Leggins anhatte, darüber diesen Rock, zu dem man, wär er breiter, auch Gürtel sagen könnte. Das sind Bilder, die er händisch abklärt, damit sie nicht den Alltag ruinieren. Würde ihm bei der Lebensgefährtin nicht einfallen. Beim Masturbieren denkt dein Lover nie an dich, Fremde, außer in jenem einen Gehirnfilm, in dem du deinem Boss ausgefallene Wünsche erfüllst. Aber das ist Abteilung Masochismus, also eine andere Story.

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