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Autofahren ist kein Menschenrecht

Von | 17.11.2010, 15:40 | 24 Kommentare

Die Vergötterung des Automobils ist nicht nur vermessen. Sie beruht auch auf drei fatalen historischen Irrtümern. Weg damit!

Texas, 1962. Wann war Autofahren eigentlich lustig? Foto: Texas Freeways, Lizenz: Public Domain

Die Vergötterung des Automobils ist nicht nur vermessen. Sie beruht auch auf drei fatalen historischen Irrtümern. Weg damit!

Autofahrer fühlen sich also als Menschen zweiter Klasse und fürchten sich vor den Grünen, lese ich drüben im Standard. Das ist auch überraschend, weil einem viele Indikatoren in den Kopf kommen könnten, um Rudel zu bilden – aber Autofahren? Eine Schicksalsgemeinschaft mit dem PS-geilen Dodel von nebenan, der mit seinem auf hässlich getunten Dodelauto prinzipiell so lautstark den Parkplatz verlässt, wie es bloß Dodel können?

Das kann einfach nicht mein Rudel sein.

Das muss Blödsinn sein, so wie vieles, was in den hunderten Postings unter dem Standard-Text erzählt wird, der die Ängste der autofahrenden Wiener vor eine rot-grünen Stadtregierung erklärt.

Fest steht jedenfalls, dass man nicht über Autofahren als Problem für die Stadt und damit die Gesellschaft reden kann, ohne dafür hasserfüllte Reaktionen zu ernten. Ganz Wien soll Radweg werden, geifern sie dann. Parkplätze werden durch Radständer ersetzt. Und überhaupt und sowieso ist das alles ein Skandal, weil es jetzt schon teuer genug ist, allein in seinem Auto durch Stadt und Land zu kutschieren und dabei nicht zu erkennen, dass eine Auslastung von gerade einmal 25 Prozent (bei vier Sitzen gerechnet) eigentlich skandalös ist.

Ja, es ist teuer. Und ja, das war letztlich der Grund, warum mein Auto vor ein paar Jahren für ein paar Hunderter beim Mechaniker blieb anstatt es für ein paar Hunderter wieder flott machen zu lassen. Und ja, es ist nicht teuer genug. Es ist nicht unkomfortabel genug. Es ist nicht stigmatisiert genug, damit endlich Vernunft einkehrt. Vernunft in Diskussionen, die das Statussymbol Auto relativieren helfen. Vernunft, um mit ein paar historisch gewachsenen Irrtümern aufzuräumen, die mir bei der Lektüre der Standard-Postings wieder in den Sinn gekommen sind.

Irrtum 1: Das Menschenrecht auf billiges Benzin

Verstehen wir zum Nachdenken die Autofahrer also als jene Schicksalsgemeinschaft, als die sie sich so gerne verstehen und als die sie von ihren Interessensvertretungen auch gehandelt werden. Autofahrer fühlen sich geschröpft. Benzin wird teurer, weil Abgaben steigen und weil an den internationalen Umschlagplätzen für Laien völlig undurchsichtig mit Rohöl gehandelt wird.

Gleichzeitig bleibt ihre Nachfrage gleich, denn sie fühlen sich auf ihr Fahrzeug angewiesen, weil sie Wege zurücklegen, die sie anders nicht bewältigen können. Diese Wege sind das Resultat eines Lebensstils, der von billigem Benzin angetrieben war. Es war ein paar Jahrzehnte lang schlichtweg egal, wie weit Arbeit und Wohnung voneinander entfernt waren, denn es gab ja ein Auto dafür. Es war der Siegeszug des Systems der US-amerikanischen Suburbs. Mein Haus, mein Auto, mein Leben – alles untrennbar miteinander verbunden.

Dass diese Wege über die Jahre immer teurer wurden, ist natürlich ein Problem für die Betroffenen. Doch es ist nicht ungerecht, sondern nur der Lauf der Dinge. „Peak Oil“ heiß das Schlagwort der Stunde. Es wird morgen weniger Rohöl geben als heute, und bei gleich bleibender Nachfrage steigen daher die Preise.

Mitglieder der Schicksalsgemeinschaft fühlen sich daher betrogen, weil der Markt ihnen den Lifestyle raubt. Doch Lifestyle ist Luxus und kein Menschenrecht – und daher kann auch dessen Treibstoff keines sein.

Irrtum 2: Das Auto befreit das Individuum

Ja eh, das Auto ist höchstes Symbol für grenzenlose Freiheit. Das habe ich auch schon ungezählte Male im Kino und in der Werbung gesehen. Trotzdem ist das Blödsinn: Autofahren befreit nicht, sondern macht unfrei. Es schafft finanzielle Abhängigkeiten. Es schafft Zwangssituationen, Staus, Parkplatznot, Aggression. Und es schränkt gleichzeitig andere in ihrer Freiheit ein, weil Autos schlicht mehr Platz brauchen als Menschen. Und weil sie kräftiger gebaut sind, bekommen sie ihn auch.

Die Freiheit, die im Auto steckt, ist also eine Illusion, die von Generation zu Generation als männlich besetzte Wahrheit weiter gegeben wird. Dieser Irrtum führt dazu, dass draußen am Land das eigene Auto noch immer als Teil des Erwachsenwerdens gesehen wird, als Schritt in die Selbstständigkeit. Und die Schulden, die einem daraus erwachsen, wenn sich das erste Auto um den nächsten Baum wickelt, gehören zur Biografie.

Irrtum 3: Autofahren ist Sport

Gut, soll sein, dass dieser Vettel ein Held ist. In Wahrheit kann er aber bloß schnell mit einem Auto fahren, ohne dabei umzukommen. Das ist schön für ihn, aber kein Lebensziel.

Der Grund allen Übels in den verfahrenen Diskussionen ums Autofahren ist nicht zuletzt sein positiv sportlich-männliches Image. Und der Clou daran ist, dass den Sport Autofahren sogar übergewichtige Kettenraucher ausüben können.

Soll der es sich bieten lassen, dass öffentlicher Verkehr oder gar Radfahrer bevorzugt werden? Soll der gar seine Illusion aufgeben, dass Passantinnen sich wohlig erregt nach ihm umdrehen, weil er so toll runterschalten kann? Soll der nach Jahrzehnten der Hege und Pflege seines erbärmlichen Weltbildes plötzlich der Realität ins Auge blicken?

Er wird wohl müssen. Nur weil die Wogen hochgehen, wenn Autofahrer sich als Menschen zweiter Klasse begreifen, heißt das noch lange nicht, dass die Welt deshalb stehen bleibt. Die Welt wird ohne massenhaften Individualverkehr auskommen müssen. Der Übergang wird für manche hart und schmerzhaft sein, doch in Wahrheit bereitet er den Weg für gesellschaftlichen Fortschritt. Fortschritt ohne Benzin – das hatten wir eh schon lange nicht mehr.

24 Kommentare »

  • Sash sagt:

    kann mich den Worten von truetigger nur anschliessen.

    Würden manche Menschen sich wirklich damit befassen, was sie der Umwelt und sich selber für ein Gefallen tun, wenn sie mal ihr Auto in der Garage lassen, denn man kann sich auch anders fortbewegen, würden sie begreifen, dass man nicht unbedingt immer sein Pkw braucht.

  • Sakristan Biringer sagt:

    Werter Herr Lauth,

    ziemlich verblüfft muss ich mich fragen, warum Sie Autos derart hassen, dass Sie zu diesem Zweck sogar ihre sonst klug bis besonnen verfassten Texte ins faschistoid-doofe abdriften lassen.

    Hatten Sie etwa eine unerfüllte Liebe zu Ihrer Fahrlehrerin? Haben Sie das Kupplungsspiel nie richtige beherrscht und wurden darob von Ihren Freunden verlacht? Oder hat Ihnen gar einmal einer mit einer besseren Karre als der Ihren die Geliebte ausgespannt? Hat er ihr sozusagen seine Schleiferln gezeigt und sie hat daraufhin ein Quietscherl gemacht?

    Weil wenn Sie ehrlich sind, können Sie nicht ernsthaft der Meinung sein, alle Autofahrer seien PS-geile Dodel die mit ihrem Dodelauto nur Dodelsachen machen (abgesehen davon, dass dieselben einen wie Sie wohl kaum in ihrem Rudel haben wollen …)!

    Dazu kommt: So penetrant wie diesmal haben Sie uns bislang noch nie Ihre persönliche Meinung als „Vernunft“ verkauft. Ich meine, bei Nordkorea-Sagern wie „Lifstyle ist Luxus und kein Menschenrecht“ muss man doch fast annehmen, Sie täten alle Autofahrer (und ganz besonders all jene, die auch noch – o graus! – gern autofahren) am liebsten in ein Ghetto mit hoher Mauer rundherum und eine Glaskuppel obendrauf, auf dass sie alle an ihren eigenen Abgasen ersticken!

    Besonderen Schwachsinn verzapfen Sie unter „Irrtum 3“, da hat sie die Wut gar bös geritten. Hat etwa in dem Moment, als sie dies schrieben, irgendjemand gehupt unterm Arbeitszimmer-Fensterl?

    Weil: Weder ist Herr Vettel besonders männlich, noch ist sein größter Verdienst, „schnell mit einem Auto fahren ohne dabei umzukommen.“ Auch wenn das in Ihr unerbärmliches Weltbild kaum reinpasst: der Herr Vettel ist ein durchtrainierter Spitzensportler, der seit seinem dritten Lebensjahr auf das Ziel, Formel-1-Weltmeister zu werden, hinarbeitet, ähnlich wie ein Top-Fussballer, ein Top-Tennisspieler oder ein Top-Leichtathlet darauf, einmal FIFA-Weltmeister, einmal Grand Slam-Gewinner, einmal Olympiasieger zu sein. Zudem: Könnte das ein jeder „übergewichtiger Kettenraucher“, bekäme der Herr Vettel nicht gar so viel Geld dafür. Mir wäre jedenfalls kein adipöser Keuchhuster bekannt, der eine Renndistanz (egal in welcher Disziplin) auch nur ansatzweise erfolgreich übersteht.

    Was Sie freilich als stolzer „Autoverkäufer“ nicht wissen können: Öffentlicher Verkehr und Radfahrer WERDEN gegenüber den Autos längst bevorzugt. Stichwort Vorrang für Öffis, Stichword Radwege gegen die Einbahn, Stichwort Busspur. Schon mal davon gehört? Und dass sich Passantinnen nach irgendwem umdrehen, weil er runterschaltet, kann nur den Zweck haben, ihn auszulachen: wer runterschaltet wird nämlich langsamer, nicht schneller (was angeblich bei Damen gut ankommt). Oder ist das wieder so ein versteckter Hinweis auf die eigene, in motoristischer Hinsicht verkorkste Jugend, Abteilung „Traumatisches Erlebnis“?

    Lieber Herr Lauth: dass Sie Autos hassen und nicht nachvollziehen können, warum sie irgendwer anderer gerne hat, ist ja Ihr gutes Recht. Andererseits aber auch Ihre Privatsache – die Sie ja hoffentlich nicht als gesetzgebende Instanz ansehen. Autokonzerne würden keine Sportautos oder Luxuskarossen herstellen, wenn es keinen Markt dafür gäbe. Was uns wiederum beweist, dass es Leute gibt, die bereit sind viel Geld für sowas wie schöne, schnelle Auto auszugeben. Und warum? Weil es Ihnen Freude bereitet, Autozufahren. Meiner persönlichen Meinung nach haben solche Leut weit weniger Probleme im Oberstübchen als verbissene Weltverbesserer-Bobos, deren liebstes Feindbild eben seit jeher das Automobil darstellt – weil das einfach schick ist und sich so gehört.

    Und ja, auch das Totschlag-Argument der „Autofahrerlobby“ darf hier nicht fehlen: sind Sie selbst gelegentlich Beifahrer? Bei Freunden, Bekannten, Kollegen? Oder sagen Sie eh brav, während die anderen gerade ins Auto einsteigen, um zum nächsten Lokal, zufällig am anderen Ende der Stadt gelegen, aufzubrechen: „Nein danke, ich geh die 10 Kilomeer lieber zu Fuß!“?

    Wie stehts um Ihren Milchkaffee beim späten Frühstück? Liefert die geschäftstüchtige Kuh den dafür bestimmten Eutersaft persönlich zum Billa? Oder kommt der doch vielleicht abgepackt per LKW? Oder noch schlimmer: per Biobauer-Kleinstlieferung, zugestellt mit einer 20 Jahre alten, ganz und gar nich abgasoptimierten Fourgeonette?

    Vielleicht würde sogar Ihr – ja erst durch den Autoverzicht lebenswert gewordenes – Leben völlig ohne Autos doch nicht ganz so komfortabel ablaufen, wie es das gerade tut. Denken Sie mal darüber nach …

    Ach ja: ich finde Rot-Grün in Wien ein hochinteressantes Projekt mit vernünftigen Ansätzen und guten Chancen auf ein Überschwappen richtung Bundesebene. Auch wenn, oder, besser noch: obwohl ich mich gerne dazu bekenne, ein regelrechter Autonarr zu sein.

    Hochachtungsvoll,
    Biringer.

    • Kann ich sonst noch irgendwie helfen?

      • Übergewichtiger Kettenraucher sagt:

        Ich sag nur eins: Typisch, hüben wie drüben. Immer auf die kleinen Dicken mit den Schwaden vor der Nase. Warmduscher!

    • saxo lady sagt:

      herr biringer,
      jedem sei sein hobby vergönnt. wenn jemand gerne autofährt, soll er das tun.
      nur soll er sich das nicht von der allgemeinheit sponsern lassen.

      es gibt leute, die haben das hobby saxophone-spielen.
      ich kenn ein paar.
      die kaufen sich ihr instrumen (oder leasen es..ja gibts wirklich)
      dann zahlen sie für ihre saxophone-stunden.
      dann müssen sie auf ihre nachbarn rücksicht nehmen, weil die diesen lärm nämlich nicht immer ertragen wollen.
      so um 1 in der früh zb.

      beim auto fragt da seltsamerweise keiner.
      obs eh nicht zu laut ist.
      oder ob die abgase eh nicht gefährlich für die kinder sind.

      und wenn man da mal drüber redet, heißt es nicht, dass der autor einen faschistiod-doofen text verfasste. sondern vielleicht nur, dass in stein gemeiselte denkstrukturen aufweichen müssen.

      igitt. wie gemein.
      ;)

      • Sakristan Biringer sagt:

        zunächst: jeder text kann faschistoid-doof sein, auch einer pro autofahrer, das hat nichts mit der thematik zu tun …

        dann: mein problem heisst bösendorfer, ist ebenfalls geleast. und weil ich eben nicht darauf spielen konnte, wann ich wollte, bin ich wohin gezogen, wo es keine nachbarn gibt. Sie könnten demnach in eine Wohnung gleich bei der U-Bahn ziehen, wenn Sie partout nicht autofahren wollen. nichts anderes hab ich gemeint.

        ausserdem: ich kenne wenig wirtschaftszweige, die sich in den letzten jahren derart gegen ihre eigene schädlichkeit entwickelten, wie die autoindustrie, stichwort hybrid, stichwort wasserstoff-antrieb. alleweil unsere lieben energieversorger würde sich so viel sorgen um ihre abgase machen wie die autohersteller. aber da werden lieber emissions-zertifikate gekauft und weg ist das problem.

        und: PKWs sind um einiges leiser als LKWs, Straßenbahnen, Busse. Die will ja aber wohl keiner abschaffen, oder?

        hochachtungsvoll,
        biringer.

  • gregor wagner sagt:

    was für ein sinnloses, tendenziell schwachsinnig-populistisches Geschafel, dieser Artikel. Geht völlig am Thema vorbei (Ausbau öffentlicher Verkehr), ignoriert komplett, dass wohl die meisten es wenig sportlich sehen, in ihrer Karre im Stau zu stehen und der Autor besitzt auch noch die Chuzpe, sich selbst ein Loblied ob seiner Vernunft, ein paar Hunderter, statt sein Auto zu nehmen, zu singen…

    • Unhöflichkeit macht Argumente zwar nicht stärker, aber in zwei Punkten haben Sie selbstverständlich recht: Erstens lobe ich mich hin und wieder tatsächlich, weil ich kein Auto mehr habe. Das hat nämlich meine Lebensqualität erheblich gesteigert. Und zweitens gehört der öffentliche Verkehr selbstverständlich ausgebaut.

      • samot sagt:

        Ganz kann ich das mit der gesteigerten Lebensqualität nicht nachvollziehen. Solange man sich nur in Großstädten bewegt gehts, aber ein Ausflug am Wochenende zb. ins Waldviertel ist nicht mehr möglich. Da nimmt man sich schon einiges an Freiheit…

        • In solchen Fällen helfen Carsharing oder Mietwagen.

          • saxo lady sagt:

            es ist bemerkenswert, wie eng die grenzen im kopf sind, wenn es um so eingefahrene dinge wie „individuelle mobilität“ geht.

            ja, unser lebenswandel spielt eine große rolle dabei. wir müssen immer sofort und überall jederzeit…alles. weil wir sind so individuell und müssen unserem individuellen lebensplan folgen können! wir müssen alle am freitag nachmittag zum ikea und am sonntag ins waldviertel. ganz individuell.

            ich will jetzt nicht zynisch sein. schließlich lebe ich selbst in dieser struktur. und auch, wenn es mir als musikerin manchmal möglich ist, ein bißchen am rande zu stehen: auch wir sehen uns „gezwungen“, 2 autos zu unterhalten. absurd, oder? tja, die kosten sind nicht das thema. wir haben das öfter durchgerechnet. ich könnt eine menge mit taxi fahren um das geld. das problem ist: ohne auto bräuchten wir jeden tag durchschnittlich etwa 1 stunde mehr, um alles zu händeln. (das ist als freiberufler mit 2 kindern nicht drin.) und zwar deshalb, weil die öffentliche anbindung bei uns eine katastrophe ist. es bleibt nur: mit dem auto zur u-bahn. haha. sehr klug. ich weiß. drum hege ich ja auch gewisse hoffnungen. in die rot-grüne wienregierung. vielleicht ändert es doch a bisserl was. bessere und sicherere radwege in den randbezirken. besser öffentliche verkehrsnetze…in die rand bezirke….etc.

            und vor allem bringt es unsere hirne aus dieser „weil es halt nicht anders geht“-abhängigkeit, in der ich selber stecke.

            • Sakristan Biringer sagt:

              soso, Musikerin. Hmmm …:

              1., Rückblende: Es waren immer die Musiker-Kollegen mit dem platzaufwändigsten Equipment (Schlagzeuger, Keyboarder), die aus ach so grünen Gründen über das Führerscheinmachen schnaubten, aber vor jedem Gig die mit den Autos anflehten, sie doch bitte beim Proberaum abzuholen …

              2., Sie haben, wenn ich Ihre Profession richtig verstehe, bloß ein Saxofon zu transportieren – das geht locker in der U-Bahn oder auch am Fahrrad. Warum also 2 Autos? Warum überhaupt eines? Man kann doch auch in die Stadt ziehen! Dort wo es am besten bald gar keine Autos mehr geben soll …

              Oder spielt hier doch vielleicht auch Bequemlichkeit eine klitzekleine Rolle … ?!?

              Keiner MUSS autofahren, wenn er das nicht will. Zumindest in diesem Punkt stimme ich mit Herrn Lauth’s Aufsatz überein. Also bitte nicht gar so herzerweichend über die eigene „weil es halt nicht anders geht“-abhängigkeit raunzen …

              hochachtungsvoll,
              biringer.

              • saxo lady sagt:

                sag ich doch. mit anderen worten zwar aber genau das.
                ja klar. die bequemlichkeit und weils noch nicht weh genug tut. und weil im glitzerfummelabendkleid und 2 saxophone und schminkkofferl und noten für die band in der u-bahn dann doch eng wird. und weil das 2. auto für schlagzeug und tonanlage unabkömmlich ist. und weil der weg zu den meisten gigs ohne auto garnicht erreichbar ist. aber wie gesagt…ich könnt mir viel taxi leisten um mein auto.
                und ich raunz nicht. sondern harre freudig der dinge die da kommen.

                • Sakristan Biringer sagt:

                  da gabs mal sogar eine VW-Soundfoundation für diese Zwecke – ach so, uff: das waren ja wieder autos, die die hergeborgt haben …

                  andererseits: die entwicklung zum zweit- oder drittauto pro haushalt ist tatsächlich bedenklich. Ich meine, heutzutage schreit jeder, wenn er die frohe kunde erhält, kinder zu bekommen, noch im wartezimmer des gynäkologen: „FEURIO! Wir brauchen einen Van …“. Das ist freilich unfug – in den siebzigern und achtzigern gab es noch gar keine vans, aber unserer Väter haben uns trotzdem formidabel transportiert. zu dritt oder viert nach italien. plus gepäck. plus haustier. im käfer. und hats uns an was gefehlt?

                  überdies: nicht noch teurer werden. sondern öffis ausbauen, attraktiver machen. glauben Sie mir, ich hätte auch gerne weniger Autos rundherum um mich im Strassenverkehr …

                  hochachtungsvoll,
                  biringer.

          • gregor wagner sagt:

            ps-geile dodln ist aber auch nicht gerade diplomatisch, der einzige unterschied, ich fühle mich als saugdiesel-golf-besitzer (mehr besitzer, als fahrer, denn selbstverständlich nutze ich in wien das öffentliche netz) nicht direkt angesprochen.
            und das mit dem car-sharing ist halt so eine sache: das wird nämlich nach längstens 5000km fahren sehr viel teurer als ein kleinwagen, egal, ob er gefahren wird oder nicht.
            sie werden keine probate lösung anbieten können, weil es keine probatere, als das auto, gibt (leider!).
            und wenn dem so ist, warum sind dann ps-geile menschen dodln? weil, wenn man schon, etwa im ländlichen raum, ohne so gut wie nicht auskommt, dann ist es doch verständlich, dass man wenigstens spass daran/damit haben will (wie gesagt, mir is´ wurscht, ich habe dafür an anderen dingen spass, die genauso auf den reinen gebrauch redziert werden können).
            was ist also „gut“ und was ist „schlecht“? wer sind die „dodln“ und wer sind die – ähm, was eigentlich?

            • saxo lady sagt:

              da rechnest du aber eben nur…so wie wirs gewöhnt sind, …die kosten, die das auto dir als einzelperson verursacht. du rechnest nicht die kosten, die du mit deinem auto der allgemeinheit verursachst. nicht die co2 werte, die die herstellung eines autos (und wenn jeder selbst eins hat als zu teilen, gibts halt viel mehr) verursacht, und nicht die umweltbelastung und einhergehender gesundheitskosten, die jeder einzelne stau verursacht.

              deshalb ist ja der staat gefragt (in diesemfall die stadt)..und zwar mit „steuern“ im ureigentlichen sinn des wortes.

              wenn die allgemeinheit davon belastet wird, es aber als einzelwesen nicht wahrnimmt, weil noch nicht ordentlich weh tut, wenn jeder selbst in seinem auto sitzt, ist dieses steuerungswesen gefragt. kostenwahrheit herstellen.

              wenn kostenwahrheit hergestellt wäre, gäbe es soviel probleme nciht in dieser form. wenn in jedes chinesische produkt der transport und die co2 werte eingerechnet werden müssten, hätten wir keine abwanderungsprobleme von firmen. würd sich nicht auszahlen..aber das ist ein anderes thema.

              nur mal zum an-denken…

    • truetigger sagt:

      Auch wenn ich Deine Sicht nicht teile, Gregor, find ich es gut, hier nicht nur Zustimmung zu lesen. Erst wenn ein Artikel auch Gegenreaktionen hervorruft eignet er sich als Diskussionsgrundlage.

      Denn schliesslich verbreiten Journalisten nicht die unumstössliche Wahrheit, sondern Meinungen, die im Idealfall von Fakten gestützt werden. Pro- oder Anti-Kernkraft, Hoffnungen auf Verkehrswandel in Wien oder Sorgen bezüglich der üblichen Pseudo-Massnahmen… es schwingt fast immer auch die Position des Autors bei einem Artikel mit.

      Ich persönlich halte den Artikel gerade deshalb für so zutreffend, WEIL eben noch viel zu wenige Menschen bereit sind, sich auf ein Leben ohne eigenes Auto einzulassen. Das ist aber eben nur MEINE Wahrnehmung der Realität, ich fänd es befremdlich, wenn alle so denken würden :)

  • karotterl sagt:

    JAAAAAAAAAAAAAAAA!!!

    danke. ich dachte schon, bei männern sei grundsätzlich ein autogen eingebaut, welches eine objektive diskussion über das *aufdiekniefallenaugenzumhimmelverdrehen“thema auto ansteht.

    danke
    danke
    danke

  • Patrick sagt:

    unter irrtum 2 unbedingt noch hinzufuegen: das auto schafft extreme unfreiheit, indem es weite bevölkerungsteile vom sozialen leben (kino, tanzstunde, konzert), teilweise sogar von der subsistenzsicherung (supermarkt) ausschliesst: nämlich die Alten, die Kinder, die Armen und alle anderen ohne Führerschein und Auto.
    Und auch die anderen macht es unfrei und abhängig – ist das Auto mal kaputt stürzt der Alltag in sich zusammen.

  • samot sagt:

    Alles schön und gut wenn man in einer Großstadt wohnt, aber es gibt auch Leute die am Land leben und aufs Auto angewiesen sind, auch um überhaupt öffentliche Verkehrsmittel zu erreichen. Wenns die ÖBB weiter so fröhlich Verbindungen streicht kan ich auf die Uni bald mitn Auto fahren und das obowhl ich von Tür zu Tür mit den Öffis nur 50min brauchen würde.

    • truetigger sagt:

      Ich sage nicht, dass derzeit jeder ohne Auto leben kann – speziell am Land schaut es da wirklich finster aus: ein Bus morgens, einer abends, Bahn seit 20 Jahren stillgelegt und auf den Überlandstrassen traut man sich kaum mit dem Radl zu fahren, weil es eine überlastete Rennstrecke für Chaoten ist.

      Aber speziell jetzt bei Wien geht das Gejammer der Autofahrerclubs los, und ich seh es jeden Tag auf Arbeit, wie alle über die ach so schlimmen Zustände schimpfen. Aber offenbar ist das Autofahren noch viel zu teuer, wenn 10min Fussmarsch von einem freien Parkplatz unzumutbar wirkt („Soll mir doch die Firma einen günstigen Tiefgaragenplatz besorgen. 10min, MIT LAPTOP!“), wenn praktisch niemand eine Fahrgemeinschaft in Erwägung zieht und selbst zum Mittagessen IMMER das Auto genommen wird, auch wenns nur 5 Fussminuten sind.

      Würde man das Auto denjenigen gönnen, die es brauchen und denjenigen, die zu faul sind, vergällen, heisst es wieder Zeter & Mordio und wie ungerecht. Also greift man zum simpelsten Weg des geringsten Widerstandes: Man macht Autofahren in kleinen Schritten teuer, ohne den Willen etwas zu ändern, sondern auf Zeit spielend. DAS trifft dann diejenigen, für die es keine Alternative gibt, besonders.

      Bedankt euch bei denen, die ohne Probleme auf das Autofahren verzichten könnten, aber denen die eigene Bequemlichkeit das Wichtigste ist. Denn an denen scheitert jede ernsthafte Wende in der Verkehrspolitik. Es sind einfach zu viele.

      • samot sagt:

        Imho wärs mal ganz gut, an den Stadträndern ordentliche gratis Park&Ride Parkplätze zu schaffen. Dann würde sicher schon mal einiges an Verkehr wegfallen. Außerdem wärs mal ganz gut wenn die ÖBB ins Wiener Umland rund um die Uhr fährt, zumindest an den Wochenenden, weil was bringt mir das wenn die U-Bahn durchfährt und der letzte Zug nach Hause um 22 Uhr geht.
        Respekt hab ich sowieso vor den ganzen Radfahrern in Wien, also ich könnte das nicht mir wäre das zu gefährlich…

  • Alex moritz sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele und es ist wirklich an der Zeit, hier eine Bewusstseinsänderung herbeizuführen.

  • truetigger sagt:

    Danke!

    Exakt das dachte ich auch, als ich heut die Meldung im WebStandard las.

    Natürlich erfordert ein Leben ohne Automobil ein Umdenken vom westlichen Wohlstandsmensch. Für viele ist eine Alternative gar nicht denkbar, und – ich gebs zu – Autofahren kann auch sehr viel Spass machen.

    Doch alle fordern immer Nahverkehrsalternativen. Dabei gibt es die schon längst, man muss sie nur mal ausprobieren. Selbst hier in Graz, wo die Öffis nicht so ausgebaut sind und nicht die ganze Nacht durchfahren, hat man die Auswahl:

    – mal eine Streck zu Fuss gehen
    – das Radl und sich selbst bewegen
    – Strassenbahn/Bus/Taxi/S-Bahn

    Es ersetzt nicht vollständig ein Auto, manche Menschen sind auch wirklich auf ein Auto angewiesen. Doch VIEL ZU OFT wird einfach „es gibt keine Alternative“ als bequeme Ausrede vor sich selbst gebraucht, denn Alternativen sind einfach nur nicht SO BEQUEM. Und ganz ehrlich: ein Wochenend- oder IKEA-Einkauf ist eher eine Ausnahme als die Regel. Wer nicht mit kleinen Schritten beginnt, das tägliche Autofahren aus dem Leben zu verbannen, wird irgendwann von einer Welt OHNE Autos hart erwischt.

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