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#unibrenntUK. Studenten stürmen Tory-Hauptquartier

Von | 10.11.2010, 20:37 | Kein Kommentar

„Ladies & Gentlemen, der Widerstand hat soeben begonnen“, hieß es heute in London City, wo 52 000 protestierende Studenten den Sitz der Regierungspartei stürmten. War auch Zeit. An sich war der Protestmarsch friedlich. Der kritische Moment kam am Nachmittag, als ein Feuerlöscher vom Dach der Millbank Towers, Sitz der regierenden Tory Party, geworfen wurde, runter […]

#unibrennt Marke UK. Der Widerstand hat begonnen. Foto: guardian

„Ladies & Gentlemen, der Widerstand hat soeben begonnen“, hieß es heute in London City, wo 52 000 protestierende Studenten den Sitz der Regierungspartei stürmten. War auch Zeit.

An sich war der Protestmarsch friedlich. Der kritische Moment kam am Nachmittag, als ein Feuerlöscher vom Dach der Millbank Towers, Sitz der regierenden Tory Party, geworfen wurde, runter auf den Platz vor dem Haupteingang, den neunzehn überforderte Polizisten vor den andrückenden Massen zu schützen suchten.

Kameras hatten den FLug des Feuerlöschers Richtung unvermeidliche Tragödie im Bild und die Zeitlupe machte klar, wie knapp die Sache war. Erst unmittelbar vor Aufprall tat sich zwischen Studenten und Polizisten ein Oval auf, in welchem das Geschoß landete. Das war knapp. Es hätte tödlich enden können.

Aber sonst war der Protest friedlich. Nur ein Banner mit der Aufschrift „Fuck Fees!“ (=schiebt euch die Gebühren sonstwo hin), das auf dem Helm eines Polizisten landete,die blutende Wange eines Gesetzeshüters, insgesamt acht Leute (darunter zwei Polizisten) mit leichten Verletzungen im Krankenhaus, ein besseres Lagerfeuer eingangs der Millbank Towers, dazu eingeschlagenes Frontglas, Verwüstung der Millbank-Lobby plus, zugegeben, ein ganzer Plafond, der den Belastungen nicht mehr standhielt … aber immerhin waren das 52 000 Studenten, die da ihren Ärger zur Lage auf den Straßen Londons ausließen.

Grund zu Ärger haben sie. Mit den Tories ist nun eine Partei in 10 Downing Street, die ihr traditionell darwinistisches Credo im Budget verankert hat. Die Studiengebühren wurden teilweise verdreifacht. Ein Studienjahr kostet nun bis zu £9000.- (EUR 10500.-), der frischgebackene Master kann mit Eintritt in sein Berufsleben damit rechnen, mit durchschnittlich EUR 50 000.- verschuldet zu sein.

Im Focus des studentischen Zorns stand allerdings nicht Prime Minister David Cameron – der belehrte gerade China in Peking in Sachen Menschenrechte – sondern sein Vize, LibDem-Boss Nick Clegg, der in Abwesenheit Camerons die mittägliche Fragestunde im Parlament abwickelte. Jener Clegg, der im Wahlkampf versprochen hatte, die Studiengebühren in der Tat voll zu stanzen; der dann mittels Koalitionsbund die Regierung Cameron erst ermöglichte – und dessen Unterschrift die drastische Gebührenerhöhung mit absegnete.

Als die Fragestunde begann, bewegte sich eine 15 000 Demonstranten starke Masse gerade an den Houses of Parliament vorbei. Eine Stunde später waren es 40 000, die dann den Weg Richtung Millbank Towers einschlugen, offenbar sehr zur Überraschung der Polizei, sonst wären dort nicht nur 19 Bobbys herum gestanden.

„I don’t understand why education should be a privilege and not a right, and that’s why I came down.“ (Olivia Wedderburn, 18)

Bilanz: Die Inselstudenten sind aufgewacht. „Ladies and Gentlemen, der Widerstand hat begonnen“, ließ ein Studentensprecher verlauten. Mögen sie nicht so bald wieder einschlafen. Und hier ein Clip vom Fall des Feuerlöschers. Nicht auszudenken, wie die Insel jetzt drauf wär, hätte die Sache fatale Folgen gehabt.

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