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Bildungspolitik: Nein, ich möchte nicht

Von | 09.11.2010, 22:38 | Kein Kommentar

Ich möchte nicht nachzählen müssen, wie oft heimische Regierungsmitglieder – nur in dieser Legislaturperiode – das Schlagwort vom „Wissensstandort Österreich“ in den Mund genommen haben.

Athene, Schirmherrin der Wissenschaft, war einst bares Geld wert.

Ich möchte nicht nachzählen müssen, wie oft heimische Regierungsmitglieder – nur in dieser Legislaturperiode – das Schlagwort vom „Wissensstandort Österreich“ in den Mund genommen haben.

Ich möchte auch nicht wissen, wie oft dieser „Wissensstandort“ als unverzichtbare Grundlage für einen starken Wirtschaftsstandort dargestellt wurde. Und wie oft betont wurde, dass Investitionen in Wissenschaft und Forschung der wichtigste Beitrag zur Schaffung neuer, zukunftsweisender Arbeitsplätze sind. Unter dem Strich sind alle diese Aussagen nichts wert. Oder noch weniger, den genau genommen sind sie minus 28,1 Millionen Euro wert. Bestenfalls.

28,1 Millionen Euro. Das ist in etwa ein Tausendstel des Geldvermögens, das auf den Konten der 60.000 reichsten Österreicher/innen* schlummert. Das sind knapp 0,5 % der (offiziellen) Baukosten des Koralmtunnels. Rund ein Drittel dieses Betrags haben diverse Freunde von Karl-Heinz Grasser bei der Privatisierung der BUWOG an Provisionen kassiert. Und ein glücklicher Kärntner hat 2008 im Lotto etwa doppelt so viel Geld gewonnen.

28,1 Millionen Euro. Diesen Betrag will die Bundesregierung in den nächsten vier Jahren im Bereich der außeruniversitären Wissenschaft einsparen. Alle Institute und Einrichtungen, die nicht im Eigentum von Bund oder Ländern stehen, sollen ab 2011/12 keine finanzielle Unterstützung mehr erhalten.

Das Ergebnis dieser radikalen Streichung, die mit Begriffen wie „Einsparungen“ oder „Kürzungen“ falsch beschrieben wäre, ist absehbar. International angesehene Forschungsinstitute werden aus Österreich verschwinden. Wichtige Einrichtungen der wissenschaftlichen Arbeit werden schließen. Der „Wissensstandort Österreich“ wird ein Stück kleiner.

Ich möchte das nicht einfach hinnehmen. Darum habe auch ich die aktuelle Petition der Plattform universitärer Wissenschaften unterschrieben. Ich hoffe, ich war nicht der Letzte.

*) Nachzulesen in der Vermögenserhebung [PDF-Datei] des österreichischen Sozialministeriums. Wer sich für weitere Rechenbeispiele dazu interessiert, dem sei dieser Beitrag von Tom Schaffer empfohlen.

Dieser Text ist auch in Stefan Bachleitners Blog politikon.at erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

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