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LimeWire ist tot. Doch das Teilen von Musik wird bleiben

Von | 02.11.2010, 13:41 | 4 Kommentare

Der Filesharing-Dienst LimeWire wurde abgedreht. Es ging wieder einmal um illegale Downloads. Und damit um ein kulturelles Missverständnis.

Ausgepresst und ausgesaugt wie Limewire. Foto: Thepresidentwearsprada, Lizenz: CC 2.0 BY

Jetzt wurde also auch LimeWire abgedreht. Schlecht für deren Macher, gut für die Hintermänner anderer Filesharing-Dienste, die sich über satte Zuwächse von abwandernden Usern freuen.

Doch wer nun gleich einen Abgesang aufs Download-Zeitalter anstimmt (so wie hier beim NME), sitzt einem Denkfehler auf – nicht nur im Zusammenhang mit Musik, aber gerade hier besonders schön sichtbar.

Musik ist eine flüchtige Kunstform, die nur durch das Zusammentreffen ein paar historisch bedingter Zufälle (Jugendkultur, Erfindung der Schallplatte und damit Pop als Kunstform, die gleichzeitig ein Industriezweig wird) zu einem Gut wurde, mit dem auch Handel betrieben werden konnte.

Doch Musik blieb flüchtig und damit auch eine Kunstform, die geteilt werden möchte. Und Tauschbörsen aller Art – egal ob es sich nun ums in die Knie gezwungene Netzwerk LimeWire handelt oder diverse andere bereits über den Jordan gegangene – kommen dieser Kultur des Teilens entgegen.

Was der Copyright-Industrie Diebstahl ist, ist für den Downloader (als Privatperson) bloß der alltägliche Prozess des Teilens. Es mag zwar vor den meisten Gerichten dieser Welt als illegal gelten, ist aber doch in Wahrheit gelebtes Recht.

Wir befinden uns also noch immer in einer Übergangsphase, in der eigentlich versucht werden sollte, das Alltagsverhalten von Usern mit funktionierenden Urheberrechts- und Verwertungsrechts-Gesetzen in Einklang zu bringen. Doch stattdessen wird lieber geklagt. Der Lerneffekt ist gering, denn die meisten Filesharing-Angebote sind ohnehin so denzentral organisiert, dass sie sich nicht per Knopfdruck abschalten lassen – Gerichtsbeschluss hin oder her.

Gänzlich absurd wird die Sache allerdings dann, wenn ein Spot wie dieser von T-Mobile UK zeigt, dass andere Industriezweige als die Content-Verwerter schon längst begriffen hat, wie fix das Teilen schon immer in unserem Alltag verwurzelt war.

„Life’s for Sharing“, sagt dieser Spot, den ich drüben bei Dirk von Gehlen entdeckt habe. Und so sehr er Werbung ist, so richtig bleibt trotzdem seine Botschaft: Was uns im Moment berührt und gefällt, wollen wir mitteilen. Und oft ist das eben auch ein Stück Musik, eine Datei.

Wer also den Download weiterhin als Einbahn in Richtung Illegalität begreift statt als Prozess des Teilens, beweist bloß, dass er den Anschluss an gesellschaftliche Realitäten völlig verloren hat. Das mag für viele Branchen schmerzhaft sein. Doch noch schmerzhafter wird es werden, wenn sie sich weiter dieser Realität verschließen.

4 Kommentare »

  • Dyrnberg sagt:

    versuch 5.

    Ich hätte das Argument des Blogeintrags so verstanden: File-Sharing machen alle, es ist nun mal Realität, gehört quasi zum Selbstverständnis des digital natives, also sollen die, die das nicht so sehen, sich nicht aufregen.

    Bitte um Korrektur, aber da wird aus einer Deskription des Ist-Zustands („machen alle so“) ein normativer Satz abgeleitet („sollte erlaubt sein“.)

    Das nennt man, so wie ich das sehe, in der Philosophie eine Art des Sein-Sollen-Fehlschlusses, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Humes_Gesetz

    Bitte aber um Korrektur, sollte ich das falsch einschätzen. Wiederholend: Mir ist dein Hinweis durchaus sympathisch, dass Sharing zum Teil der Digitalen Kultur gehört etc etc etc., aber diese Argumentationen wird Kritiker nicht überzeugen – und das aus guten Gründen. Siehe oben.

    • Der Ordnung halber: keine Ahnung, warum dieser Kommentar automatisch als Spam abgefangen wurde. Jetzt ist er jedenfalls freigeschaltet. (und den test habe ich gelöscht, wenns recht ist)
      Was ich meinte – und was meiner Meinung nach auch im Text steht – ist nicht, dass es sich hier um ein neues Phänomen handelt, also einen neuen Ist-Zustand, der nun zum Soll-Zustand werden soll. Das Sharing war immer schon da. Nur gibt es seit ein paar Jahren Technologien, die dieses Sharing in bisher nicht gekannten Ausmaßen unterstützen. Es ist also ein alter Ist-Zustand, dem durch historische Zufälle unpassende Rahmenbedingungen verpasst worden sind, die heute zu Reibungen führen. Und massenhafte Kriminalisierung halte ich für den falschen Weg damit umzugehen.

  • Dyrnberg sagt:

    Auch wenn ich den Artikel jetzt zweimal gelesen habe und die Message nicht unsympathisch finde: Ich kann kein Argument erkennen – außer, dass das „Teilen von Information“ essentieller Bestandteil des gegenwärtigen Lebens ist. Aber das ist aus ethischer Perspektive – gelinde gesagt – ein schwaches Argument.(Sein-Sollen-Dichotomie… eh schon wissen.)

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