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Mobiles Internet: Wer siegt im Match Apps gegen Browser?

Von | 29.10.2010, 12:39 | 3 Kommentare

Die Nutzung des Internets über mobile Endgeräte steigt. Doch forciert das auch die Dominanz von Applikationen über das browserbasierte Internet?

Foto: Nicola Romagna, Lizenz: CC 2.0 BY

Über das Handy ins Internet einsteigen ist vielen UserInnen noch zu mühsam. Die Nutzung des Internets über mobile Endgeräte steigt zwar mit der Auslieferung neuer Smartphones, die so intelligent navigieren wie iPhones oder Blackberrys, rasant an. Doch forciert das auch die Dominanz von Applikationen über das browserbasierte Internet? Nein, wenn eine aktuelle US-Umfrage zum Thema „Mobile Webseiten vs. Apps“ von Adobe, publiziert von eMarketer für weitere Märkte valide ist.

Die These in Kurzfassung: Das mobile Internet unterscheidet sich vom herkömmlichen Internet, auf das über PCs und Laptops zugegriffen wird, durch ein paar markante Ausprägungen.

  1. Das mobile Internet ist immer verfügbar, wird aber in ganz konkreten und spezifischen Situationen abgefragt: Eine typische Abfrage lautet: Wann geht der nächste Zug nach…?, wo ist das nächste Restaurant? Wie ist die Telefonnummer von…? Wie heißt der Schauspieler in…?
  2. Das mobile Internet ist von seinen Inhalten her auf kleine Screens reduziert. Das schränkt die Möglichkeiten der Darstellung ein
  3. Mobile Abrufe erfolgen unter Zeitdruck, ganz einfach weil nicht wie im herkömmlichen Web die UserInnen daneben andere Tasks erledigen.

Zusammengefasst: Das mobile Web kennzeichnet sich durch Reduktion, ist also eine Form von einem Reader’s Digest.

Google bedient gerade dieses auf Suchen basierte Internetbrowsen gut. Allerdings könnte es sein, dass sich Applikationen auf Handys für die UserInnen als Abkürzungen zur Information erweisen. Wenn die Bundesbahnen eine App erstellen, die mir schnell den nächsten Zug auf Basis meiner Standortdaten liefern kann, führt der Aufruf der App schneller zum Ziel als der Aufruf von Google und Browser.

Wir könnten also davon ausgehen, dass das mobile Web im Design reduziert, auf Handys optimiert und anders als das herkömmliche Web aussehen sollte. Und wir könnten davon ausgehen, dass das am besten über Applikationen dargestellt werden kann.

User wollen mobil optimierte Webseiten statt Apps

Die Anwender sehen das anders. Einer aktuellen Umfrage von Adobe zufolge, präferieren die User herkömmliche Webseiten gegenüber mobil optimierten Webseiten und bevorzugen daneben die mobil optimierten Webseiten gegenüber Inhalten, die in Apps dargeboten werden. 63 Prozent der UserInnen wollen Nachrichten lieber auf mobil optimierten Nachrichtenseiten lesen als in Applikationen. Und drei Viertel der UserInnen wollen beim Thema Shopping und eCommerce lieber die mobil optimierten Webseiten als Applikationen.
Aber wenn die UserInnen frei wählen können, entscheiden sie sich vor den mobil optimierten Webseiten noch eher für die herkömmlichen Webseiten.

Das lässt mehrere Schlüsse zu:

  1. Es könnte es sein, dass die Applikationen zuviel Information anstelle von Zusammenfassungen bieten und damit Zeit fressen
  2. Es könnte sein, dass die AnwenderInnen die Webseiten aus dem Internet kennen und dort schneller zu ihren Inhalten finden als in den völlig neu zu erlernenden Naviationsstrukturen der Applikationen
  3. Es könnte sein, dass das Userinterfacedesign und die redaktionelle Betreuung mobiler Webseiten und von Apps schlechter ist, als die Betreuung der herkömmlichen Seiten.

Fazit: Das mobile Web wird rasch an Bedeutung gewinnen, bekommt aber von Content-Anbietern noch immer zuwenig Aufmerksamkeit. Dass Applikationen über das browserbasierte Web damit automatisch dominieren werden, imuss überdacht werden. Usability ist gerade im mobilen Web ein besonders wichtiges Thema.

Dieser Text erschien auch im persönlichen Blog von Alexis Johann.

3 Kommentare »

  • Brienchen sagt:

    Apps sind vergleichbar „kleinen mobilen Flagshipstores“ es gibt nichtz alles, aber alles was eine „Aussage“ trifft.
    Bitte vergessen wir nicht vor lauter Österreichhorizont, dass es mehr Menschen gibt, die mobil Internet nutzen, als am Desktop (z.B. CEE; Verfügbarkeit Breitband). So gesehen ist es für Medienhäuser wichtig, dass sie endlich Content MASSCHNEIDERN, lieber Alexis Johan. Wir haben ja mal darüber gesprochen. Mobile Web tut anderes als desktopbasierendes und Apps sind Amuse Guele die einen smarte Appetithappen servieren…

  • Valentin sagt:

    Zum einen geb ich dir Recht.

    Zum anderen nicht. Denn ich surfe auch öfters ohne Zeitdruck bzw. ohne etwas bestimmtes zu suchen.

    Das mobil-optimierte Webseiten ein Schmarn sind, ist den meisten bekannt. Man reduziert einfach wichtige Punkte (zB die Navigation), aber auch das Layout. Vorallem neuere Smartphones können mit einem Klick auf HTML Container zoomen – von daher seh ich den Sinn von mobil-optimierten Webseiten nicht.

  • truetigger sagt:

    Als klassischer Handy-Besitzer (ich zögere noch, auf den Android-Zug aufzuspringen) sehe ich Apps vor allem als funktionale Bereicherung: Eine App sollte einen messbaren Vorteil bieten. Das Darstellen von Informationen, die inhaltlich 1:1 denen aus dem Browser entsprechen, ist noch keine neue Funktion.

    Doch welche Webseite ist heutzutage noch so spartanisch, dass sie sich auf die Anzeige von reinem Text beschränkt? Oft hat man Diskussionen, die schnell auf hunderte von Meinungen anwachsen können, man hat eingebettete Bilder und Videos, die sich nur schwer auf portable Geräte anpassen lassen, und man nutzt fleissig neumodische Techniken wie Ajax, die zwar eine Webseite am PC bequemer, am Handy allerdings unbrauchbarer machen.

    Gerade Dienste wie Bahn-/ÖPNV-Verbindungssuchen wirken am Mobilgerät nur unzureichend: Wieso muss ich im Telefon mühsam „Graz“ eintippen (@GVB: Lasst euch in Sachen intuitives Userinterface mal beraten, BITTE!), wenn das Location-Interface dank GPS sogar die Strasse bereitstellen würd? Auch könnte eine eigene App die letzten Verbindungsanfragen ja lokal speichern und mir als Vorschlag beim nächsten Mal anbieten – die meisten von uns haben ja nur überschaubar wenig Ziele. Hier lohnt sich sicher eine App, die man noch dazu für Werbung missbrauchen könnt und damit den Entwicklungsaufwand sogar wieder reinholen könnt.

    Solang allerdings der Eindruck bleibt, viele Apps wollen die Inhalte nur „kastrieren“ oder werden von den Verlagen als Melkkuh verstanden („iPhone-Nutzer zahlen ja eh für alles, also ist die App ein Monatsabo“), wundert mich das Ergebnis nicht.

    Allerdings lohnt sich wie immer ein Blick auf den Auftraggeber der Studie. Adobe macht auf mich keinen unabhängigen Eindruck: Sie positionieren sich eh gegen Apple, die mit Absicht Flash vom iOS fernhalten, während sie im Web eine Macht darstellen. Ein Ergebnis von Adobe „pro Apps“ hätte mich mehr als verwundert. :)

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