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Die Morgenlatte oder: jenseits von Sex

Von | 21.10.2010, 21:04 | 9 Kommentare

Charmante Phänomene führen mitunter zu dummen Sprüchen. Was tun mit begnadeten Zuständen, wenn man sie nicht braucht?

The London Gherkin. Foto: simdaperce. GNU Freee Documentation Licence vers. 1.3

Zum Beispiel der Schuh des Manitu. Der brachte es auf die Leinwand. Ja, die Szene mit den zwei Doofen, die frühmorgens in der Prärie in einen Zustand erwachten, den der Volksmund unter „Zeltbau“ abhakt.

Die Morgenlatte ist ein Phänomen, das den Mann selten schlecht aussehen lässt. Schon das Wort suggeriert eine Stabilität, der man vertrauen kann. Nicht nur im deutschsprachigen Raum. Auch der in diesen Dingen naturgemäß weniger explizite Brite sagt dazu vertrauensvoll „Morgenholz“ (morning wood). Verständlich. Das Schlimmste, was so einem Ding passieren kann, ist, dass es bricht. Aber hängen wird es nicht.

Eine Ausnahme bilden die Deutschen. Die sagen „Wasserlatte“. Und beim nassen Element wird das Holz doch schneller morsch. Aber die Deutschen denken eben auf anderer Umlaufbahn. Sie geben den Dingen Namen, die so nah wie möglich am Kern des Pudels sitzen.

Im Allgemeinen werden der morgendlichen Erektion zwei Gründe für die imposante Stattlichkeit in die Schwellkörper geschoben, die im normalen Sexleben eher selten reibungslos Gestalt annimmt. Als verantwortlich gilt, erstens, der so genannte „Reflexbogen“, der von der vollen Harnblase des Liegenden aktiviert wird. Worauf dieser Reflexbogen via Rückenmark dem Gehirn eine Botschaft kabelt, die dann in die falsche Röhre gerät, so-to-speak.

Selbstverständlich ist es nicht schwer, die unzeitgemäße Erektion durch Urinieren wieder los zu werden. Aber wozu die Eile? So brutal kann der Urindrang gar nicht sein, um nicht noch ein paar Momente lang dieses zutiefst beruhigende, fast prickelnde Gefühl zu genießen, dass mit dem alten Knaben organisch offenbar alles paletti ist.

Zweitens wissen wir heute, dass sich der schlafende Mann im Schnitt alle neunzig Minuten eine sexuelle Erregung leistet. Was nun weniger mit unverbesserlicher Schwelgsucht zu tun hat. Mehr damit, dass der Schöpfer ein Joker ist. Als Mann kommst du dir da mitunter ein wenig verschaukelt vor.

Typisch, brummelst du, das Gute passiert immer dann, wenn du es nicht brauchst. Und willst du den jäh aufkommenden Grant dann wenigstens kreativ verarbeiten, kommst du nur auf dumme Sprüche. Etwa: Hart ist der Zahn der Biberratte, doch härter ist die Morgenlatte (copyright PP Hopfinger). Oder auf die blödesten Videos, die Youtube je gesehen hat. Weil der Zustand eben absurd ist.

Aber mit der Weisheit eines gewissen Alters kommt auch der, ach, so inbrünstig vermisste innere Friede und dein Umut löst sich in jenes Wohlgefallen auf, das vom besänftigenden Wissen herrührt, dass der Ursprung eines geschenkten Hengstes nicht wirklich das Thema sein kann. Nicht für jene Generation, die in den Sixties am Morgen immer einen Joint brauchte, damit der Tag ein Freund war. Heute reicht zum kongenialen High schon die Morgenlatte. Good morning, Dude. Schön, dass du noch da bist.

9 Kommentare »

  • Flores sagt:

    was an dem phänomen allerdings „dumm“ ist, begreife ich nicht …

  • mare sagt:

    ein hoch der morgenlatte! sein bestes stück in voller pracht, bringt morgens schon nen heidenspass;-)

    • Manfred Sax sagt:

      könnte für ihn ein zwiespältiger spaß sein. welcher drang ist größer – zur frau oder auf die toilette?

  • @nic_ko sagt:

    Ach nicht erst der Schuh des Manitu. Davor war Wüttner, der jeden morgen mit einer gar unsagbaren Latte erwachte und dann seine liebe Müh hatte, selbige vor der gestrengen Vermieterin zu verbergen. Hat dem Zeichengenie dahinter gar den Max-und-Moritz-Preis eingebracht. Lang, lang ist’s her…
    Und ich kann mich an einen Band erinnern, wo aus irgendwelchen Gründen die Morgenlatte ausblieb (mag sein, dass die Vermieterin eine fiese & geheime Anti-Morgenlatten-Maschine gebaut hatte? Weiß nicht mehr.) Aber die Konsequenzen waren erschütternd. Der arme Wüttner war ein Schatten seiner selbst…

    • Manfred Sax sagt:

      Mmmh, eine Expertin in Sachen Morgenlatte. Das ergibt so mannigfache Inspiration, dass ich mich vorbeugend nur hüten kann, in diese von Minen zerzauste Gasse auch nur einen Schritt zu setzen, Danke, liebe Nic_ko.

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