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Sex für Fortgeschrittene 17. Im Namen der Erektion

Von | 21.10.2010, 15:54 | 4 Kommentare

Schon von Stickstoffmonoxid gehört? Nein? Dann fragen Sie doch Ihren besten Freund, den Penis, warum er sich gerade auf diesen Botenstoff so versteift.

 

Penis von Paris, Foto: y. caradec on flickr, Lizenz: CC Attr.-NC ShareAlike

Fassen wir zusammen: Im Normalfall muss der Mann die Frau penetrieren, damit seine Spezies nicht ausstirbt. Damit dem Sexualakt eine Penetration erblüht, braucht er einen Steifen. Und um eine anständige Erektion hinzulegen, muss er das Blutvolumen im Penis auf das Elffache ankurbeln.

Kein übles Kunststück, das er da hinzulegen hat.

Denn anders als etwa sein naher Verwandter, der Schimpanse, hat er kein unterstützendes Knöchelchen im Glied. Damit also die Sache elegant abgespult werden kann, müssen die neurologischen, psychologischen und hormonellen Systeme sowie das Netzwerk der Blutgefäße passabel arbeiten. Verständlich, wenn sich da hin und wieder ein Defekt einschleicht.

Leider bemühen wir uns erst seit wenigen Jahrzehnten um einschlägiges Wissen. Wir wissen erst seit 1948 (Kinsey) offiziell, dass auch die Frau das Zeug zum Orgasmus hat. Seit 1961 (Pille) wissen wir, wie man ein Kind zeugt, ohne eins zu zeugen. Seit 30 Jahren (Feminismus) wird dem Mann geflüstert, was er als guter Lover draufhaben soll. Aber erst seit 18 Jahren wissen wir, wie eine Erektion beginnt.

Körperchemisch trägt das Testosteron die Verantwortung für das bittersüße Phänomen der Erregung. Beim Rest des Prozesses gibt aber der (Blutgefäße erweiternde) Botenstoff Stickstoffmonoxid (NO) Gas. Ein Mann, der also dieses gewisse Prickeln im Unterleib verspürt, kann davon ausgehen, dass im Penis befindliche Nervenenden NO ans Gewebe abgeben.

Das hat ein paar Konsequenzen: Die glatte Muskulatur der Blut zuführenden Arterien erschlafft, der Schwellkörper füllt sich mit Blut, drückt auf die Venen des Penis und hindert das Blut am Abfließen. So weit, so halbwegs gesichert.

Vor acht Jahren wurde nun bekannt, wie sich die Erektion auch längerfristig hält. Zuvor hatte die Qualität des NO, binnen Sekunden zu verpuffen, noch Rätsel aufgegeben. Die Lösung kam von einem Urologen namens Arthur Burnett (Johns Hopkins Medical Institutions) nach einem Experiment mit Ratten (was sonst).

Laut Burnett produzieren neben den Nervenenden auch die Endothelzellen (Wände) der Penisarterien NO, die Gefäßmuskulatur bleibt weiterhin schlaff, der Blutzufluss aufrecht, die Stickstoffproduktion angeregt und so fort. Der Schwellkörper bleibt unter Druck, die Erektion dauert an.

Sexuell gesehen lieferte Burnett damit eine der Entdeckungen der Neuzeit. Mit angenehmem Nebeneffekt, denn das Wissen um die inneren Events einer Erektion fördert einen gewissen, bislang vermissten Respekt.

Blöd daherreden über Männer, die mal keinen hochkriegen, kann ja jede(r).

4 Kommentare »

  • […] sei dahingestellt (bzw HIER nachzulesen), wie perfekt das Zusammenspiel von Testosteron, Schwellkörpern, Stickstoffmonoxid und […]

  • […] seine Spezies nicht ausstirbt, also braucht er eine Erektion. Um so etwas hinzulegen, muss er das Blutvolumen im Penis auf das Elffache ankurbeln. Phänomenal, […]

  • gerald sagt:

    NO, stickstoffmonoxid, ensteht auch bei der verbrennung bei hohen temperaturen. z.b. im automotor (der kat baut es dann beim modernen benziner wieder ab).
    sollte das der grund sein, warum manche männer so auf ps boliden abfahren; weil dann in der hose das gewisse prickeln einsetzt… beim lenken der heissen schüssel ist die latte dann allerdings widerum etwas hinderlich.

    • Manfred Sax sagt:

      Interessant, Gerald. Ehrlich gesagt hab ich bei der männlichen Geilheit auf PS-Boliden einen anderen Verdacht: Einsteins Relativitästheorie. Demnach alterst du umso langsamer, je schneller du unterwegs bist (wenngleich das Ganze erst bei Lichtgeschwindigkeit interessant wird). Das Motiv wäre so gesehen also die Sehnsucht nach ewiger Jugend. Ihr sax

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