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Antony And The Johnsons: Wir pfeifen auf die Moderne!

Von | 15.10.2010, 8:20 | Kein Kommentar

Muss man immer verstehen, warum etwas schön ist? „Swanlights“ neue Album von Antony And The Johnsons hat auch darauf keine Antwort.

Antony Hegarty. Foto: Screenshot anontyandthejohnsons.com

Muss man immer verstehen, warum etwas schön ist? „Swanlights“ neue Album von Antony And The Johnsons hat auch darauf keine Antwort.

Herrgott, ist das weltfremd. Herrgott, ist das schön. Herrgott, ist das manieriert. Herrgott, ist das humorlos. Herrgott, ist das pathetisch. Herrgott, ist das aus der Zeit. Herrgott, ist das aktuell. Herrgott, ist das genial. Herrgott, ist das berechnend. Herrgott, ist das – zugegeben, wir sind bereits erschöpft und wollen zum Ende kommen – gut.

Ja, so oder ähnlich wird man aus Antony And The Johnsons Album „Swanlights“ entlassen. Einmal mehr ist es völlig aussichtslos, den Sinn dieses kammermusikalischen Leidens zu Klavier und spärlicher Begleitung zu erkennen. Antony And The Johnsons – das ist wie schon auf den Alben davor auch bei „Swanlights“ einfach Antony And The Johnsons. Das hört man so wie man Filme von David Lynch ansieht. Man lässt sich darauf ein, wird mitgerissen, verliert sich in der Bedeutungssuche und irgendwann ist alles vorbei. Keine Ahnung was, aber es waren viele große Momente drin.

Dabei hat es die Band um den New Yorker Operetten-Popstar Antony Hegarty gar nicht so mit den großen Momenten. Sie legt ihr Werk eher flächig an, alles ist ein See der schönen Klänge – so wohltuend, dass nicht einmal ein Gastauftritt von Björk (auf „Flétta“) groß auffällt. Auf dieser Platte fügt sich sogar die selten unauffällige Künstlerin ins Gesamtbild. Anstatt in der Vordergrund zu rücken, steuert sie bloß eine weitere Schattierung bei.

Vielleicht ist es ja auch das, was den bekennenden Traditionalisten Antony Hegarty so modern macht. Er hält die Popmusik aufregend, indem er jegliche Anknüpfungspunkte an die Gegenwart kappt. Der Oberfläche setzt er die Aura des unendlichen Tiefgangs entgegen. Dem Digitalen das bedingungslos Analoge. Dem Songformat ein Album, das sich nur schwer in Einzelteile zerlegen lässt.

Und Leute wie mich setzt er damit gehörig unter Druck, weil sie zumindest einmal verstehen wollen, worin die Bedeutung des Ganzen liegt. Doch die gute Nachricht lautet: Spätestens nach dem ersten Hören pfeift man bereitwillig auf derlei Ambition und führt sich „Swanlights“ einfach in Ruhe ein zweites Mal zu Gemüte. Man muss ja echt nicht immer verstehen, warum etwas schön ist, oder?

Übrigens: Auf unserem Tochterblog neu & gut gibt es diverse Songs aus „Swanlights“ zu hören. Und bei amazon gibt es das Album zu kaufen.

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