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Presse am Sonntag: gerettet

Von | 15.03.2009, 18:29 | 28 Kommentare

Heute habe ich der „Presse“ den Sonntag gerettet. Ich habe zwei Euro in die Box der Verkaufstasche geschmissen und erst dann das etwas angenässte Papierpaket an mich genommen. In meiner Tasche war es das letzte Exemplar der neuen Sonntagspresse, meine Münze war jedoch nach Schütteltest die erste im Beutel. Österreich lässt sich also die Rettung […]

lennox_moeller_570pxHeute habe ich der „Presse“ den Sonntag gerettet. Ich habe zwei Euro in die Box der Verkaufstasche geschmissen und erst dann das etwas angenässte Papierpaket an mich genommen. In meiner Tasche war es das letzte Exemplar der neuen Sonntagspresse, meine Münze war jedoch nach Schütteltest die erste im Beutel. Österreich lässt sich also die Rettung schenken.

Presse am Sonntag ist schwer, der Standard ein Leichtgewicht

Zum wichtigeren: Ich habe „Die Presse am Sonntag“ neben meinen „Standard“ am Samstag gelegt. Der Vergleich macht sicher: Schön ist an der neuen Presse, dass sie so ganz anders ist.

  1. Sie ist schwer, schwerer als „Der Standard“. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sie voll von dem ist, was wir in Zeitungen gar nicht mehr finden: Anzeigen. Wobei die schönsten Anzeigen von Diners und Orange kommen, die mit Chefredakteur Michael Fleischhacker ein kokettes Wechselpassspiel betreiben. (Fleischhacker vergangene Woche im Leitartikel: „Die Hypothese, dass Zeitungen, die in der Finanzierung ihrer journalistischen Ressourcen überwiegend auf Anzeigenerlöse angewiesen sind, ihre Berichterstattung zunehmend an den Interessen dieser Financiers ausrichten, ist nicht vollkommen aus der Welt.“ Orange im heutigen Inserat. „Ich bin der Fleischhacker, der Nowak und der Ultsch, für die wie immer meine inneren Werte zählen.“)
  2. Das Layout ist das beste, das ich an einer heimischen Tageszeitung je gesehen habe und es ist auch international vorne dabei.
  3. Die Presse am Sonntag trennt sich erbaulich von der klassischen Zeitung – und auch von dem, was wir in Österreich als Sonntagszeitung (Kurier, Krone) kennen. Und sie macht Christian Rainers „Profil“, das ja mit seiner Redaktion im gleichen Gebäude sitzt, nun inhaltlich ernsthaft Konkurrenz.
    Beispiele: Ausführliche Reportagen, etwa über die Ausweglosigkeit der Budapester Jugend (Budapester Blues), den Goldrausch in Ghana, die Fugger und die Verlierer der Krise in den USA.

Nicht immer muss alles schmecken
Womit ich nicht ganz zurecht komme, sind der Sportteil sowie das Ressort „Leben“: Die kommen mir dann inhaltlich doch sehr anstrengend vor, mein Leben und meine Neugier auf das Leben anderer sieht anders aus. Und auch die Ressortaufmacher sowie der Blattaufmacher sind weniger ansprechend als das, was danach kommt. Warum ist Fleischhackers Leitartikel: „Irgendetwas stimmt da nicht“ über das Böse im Täter Blattaufmacher? Ein völliger Bruch mit den Wochentagen der Presse, aber ein Ersatz, der nicht ganz schlüssig ist. Weil Meinung gut und schön ist, aber Meinung in der Zeitung nicht das Wichtigste ist. Sie ist auch nicht so erotisch wie ein Internet-Blog, weil viel mühsamer. Und Fleischhacker schreibt schon sehr gut, aber eben auch nicht so gut, dass wir damit die Zeitung aufmachen.

Alte Zöpfe
Und das Abschlussinterview der Presse am Sonntag  ist ebenso verzopft wie das vorne: Am Anfang Werner Faymann, haha, mal anders gefragt, und hinten Hugo Portisch. Das ist dann eben doch wieder die staatstragende Presse, die es fast geschafft hätte, sich selbst den alten Zopf abzuschneiden – ihn aber dann doch dran ließ und sich statt dessen ein Flinserl ins Ohr schoss.

Fazit: Die Presse hat eine großartige Sonntags-Presse gemacht, die auch den Herausgeber Horst Pirker stolz machen wird.
Vom Layout über die Themenwahl bis zu Umfang, Struktur und Aufbau ist diese Zeitung spannend und drängt den Samstags-Standard nun auf Platz 2 der besten heimischen Zeitungen. Der Kurier, der zuletzt so viele bemühte, aber wenig innovative Produkte (Geldbeilage etc.) brachte, darf sich aufgefordert fühlen, noch einmal über alles genau nachzudenken. Geht die Reise Richtung „Österreich“ oder ist die Sonntags-Presse ein Ansporn, sich nach der Decke zu strecken?

Ha, fast hätte ich das vergessen! Ist diese Sonntags-Presse nicht fast ein wenig zu clever, zu dick, zu tief für den Erfolg an Österreichs Sonntags-Verkaufstaschen? Nun: Erstens werden – so wie heute – auch in Zukunft die meisten sich den Sonntag einfach nehmen – ohne lange in der Börse nach der großen Münze zu kramen.
Zweitens wird der Presse jede Menge einfallen, um die Auflage zu erhöhen. Ich prognostiziere, dass spätestens im Herbst alle Presse-Abonnenten die Sonntags-Presse gratis dazu bekommen. Nur so ist das Gesamt-Produkt auch rechenbar: Denn so viele Inserenten wie heute, die sonst nie Anzeigen schalten, werden in Zukunft nicht bei dem Wagnis dabei sein. So wie bei Kurier und Krone zählt mehr, wie hoch die vertriebene Auflage ist – und der Copy-Preis  von zwei Euro – sowie der Abopreis von insgesamt 361,80 (Mo-So) werden sich nicht durchsetzen.
Ich bin gespannt auf den nächsten Sonntag, weil diese Vorlage extrem hoch war. Gratulation dem Team!

28 Kommentare »

  • Pater Michael Hass sagt:

    Übrigens: Die Presse – und wie so oft der dahinterstehende Styria-Verlag als moderner Sklavenhalter:

    http://diegalerie.wordpress.com/2009/03/27/moderne-sklavenhaltung-in-online-redaktion-der-presse/

    So kommt hübsches Wochenend-Altpapier zustande.

    Es staunt:

    der Pater

  • anh sagt:

    Nähern wir uns wieder dem Boden, bevor wir hier den hochgeistigen Ikarus markieren.

    1. Der First Vienna Football Club VIENNA ist eine Religion. Der Islam auch. Journalismus ist keine.

    2. Journalistisches Arbeiten ist Arbeit ist Geldverdienen ist Steuer zahlen ist nicht in den Häfn müssen.

    3. Schreiben kann auch Hobby sein ist Freizeit ist Freude.

    4. Die Werbungs-WUler, denen der Text zwischen den Inseraten ein Greul ist, die außer dem Impressum alles mitgestalten wollen, werden schon auch noch das Internet entdecken. WU-Werber-Web eben.

    5. Zur These des clugen Clay: Da es mittlerweile jedem Wappler nach einem Semester EDV in der zweiten Klasse Volksschule möglich ist, eine Internetseite zu founden, steht die Werbegemeinde einer unüberblickbaren Masse an Möglichkeiten gegenüber. Und da die meistens schon überfordert sind, wenn das Hakle feucht austrocknet, stecken sie besser nirgends Geld hin. (Weil Erfolg als Manager heute bedeutet, nichts falsch zu machen. Früher war Erfolg: etwas richtig machen.) Budgets müssen also aufgebraucht werden, um sie im Jahr darauf wieder zu bekommen. Also halt doch Print. Because: Die Alternative ist keine.

    6. VIENNA hat am Freitag 2:1 gegen die Hobby-Rapidler verloren, aber fünfmal so viel Chancen gehabt. Das ist viel schlimmer als das Printdilemma.

    • besserpisser sagt:

      danke für punkt fünf. der klingt einleuchtend … also doch weiter.

      • anh sagt:

        fein, das freut mich. aber Punkt 6. schon auch ein bisserl, nicht?

        • besserpisser sagt:

          ach wissen Sie, da kenn ich mich noch weniger aus. also lass ichs lieber gleich ganz, solches zu kommentieren …

      • anh sagt:

        Ja und? Wieviele Werbekunden haben sich schon angemeldet, um ihre Etats künftig in diese Seite(n) zu investieren? Oder wechseln die vielleicht doch eher zur verbleibenden Zeitung?

        Außerdem hinkt das Beispiel: Die wenigsten Webseiten werden ja aus einer 150-jährigen Tradition einer Zeitung heraus gegründet.

        Ich kenne jedenfalls in Österreich genau zweieinhalb Webseiten, die sich über Werbung finanzieren können. Zwei. ein. halb.

  • Manfred Sax sagt:

    ist die papierpresse tot
    oder ist sie noch zu retten?
    wie kriegen wir morgen unser brot
    das heißt auch: wie hindern wir
    die frauen
    an der flucht aus unseren betten

    also wirklich
    nicht böse sein
    aber seid ihr noch zu retten:
    wie kommt die butter auf das brot
    und ist das papier nun mausetot?
    bei solchen fragen
    fällt mir nur eines ein:

    FUCK `EM
    die weiber wie die gazetten

    • besserpisser sagt:

      tja, nicht jeder hier scheint so wohlgesättigt wie Sie, lieber sax. andere leut‘ fürchten möglicherweise, dass mehr davonläuft als die liebe sie, so die butter fehlt am brot (mausetot).

      Ihnen völlig fremde gedanken, das?

  • Gleich am ersten Tag: "Die Presse am Sonntag" stiehlt sich davon…

    Eigentlich wollte ich heute ein Exemplar der neuen Sonntagsausgabe der Presse, der „Presse am Sonntag“, stibitzen, um hier in diesem Rahmen davon berichten zu können. Doch wie das Wort „eigentlich“ bereits andeutet, wurden meine Pläne von…

  • besserpisser sagt:

    nun eine Frage an Euch alle gescheiten Auskenner hier, die mich schon länger im gemächt zwackt. Und zwar:

    der herr fleischhacker gibt es ja selbst zu (wie soll er auch nicht …), dass die herren inseratenschalter („they switch an inserate“, wies im schreibenglisch heisst) zunehmend auf texte einflussnehmen, zumindest dieses wollen und im gewinnorientierten, krisengeschüttelten gesamtbild auch noch mit genau diesem vorhaben erfolg haben. sprich – sie dürfen einflußnehmen. mit wonne und verve.

    wir halten also fest: es stimmt. die zeitung (das magazin, der gratisheft) ist vom inseratenerlös abhängig und steckt dem schalter darob im hintern.

    jetzt sagt ihr ja aber alle (inklusive dem geschätzten kollegen lennox) dass print tot is, und online kommt. warum? weil keiner mehr geld ausgeben wird für gedruckte inserate (zu teuer) und daher ins netz wandern wird (billiger, effizienter).

    daher meine frage: glaubts ihr nicht, dass es ein paar hundertausendschaften an leuten weiterhin geben wird, die gerne was schönes gedrucktes in händen halten wollen, also eine zeitung, (ein magazin, KEIN gratisheft)?

    und daher auch bereit sein werden, mehr dafür zu bezahlen (notfalls zweistellig in euro) als bislang?

    und deshalb letztlich dieses ihr ganz persönliches printerlebnis bei gutem wind von der inseratenkohle weitgehend unabhängig machen werden, weil sichs schon allein über den kioskverkauf rechnet?

    das würde ja meiner meinung nach ganz besonders fein die spreu vom weizen trennen. die schlechte schreibe wieder mit guter replatzieren (logisch, weil für literarisches gestammel zahlt ja keiner was). den fotostories der guten fotografen wieder mehr editorialen platz verschaffen (und, lieber pater, die bildtexte dürften die lieben lichtblidner dann meiner meinung nach ruhig selber schreiben, mittelmäßig hin, erstklassig her). und letztlich den ganzen gefallentu-schreibmüll ins weltweite netz verbannen, wo sich dann ja letztlich, glaubt man Euren salbungsvollen worten, sowieso die ganze hirnverkümmerte schalter-haute volée – die noch immer meint, die leut‘ kaufen sich zeitungen wegen der inserate – tummelt …

    oder seh ich da was falsch?

    • Pater Michael Hass sagt:

      Ein gewisser Besserpisser …
      Naja, was ich trotzdem dazu sagen wollte: Gern dürfen die Lichtbildner ihre Bildtexte selber schreiben – vorausgesetzt, sie beherrschen die Grundlagen des Schreibens und des Erkennens von Sinnzusammenhängen. Seltsam, ich kann mich gar nicht erinnern, das verboten oder an ein solches Verbot auch nur gedacht zu haben.
      Ansonsten möchte ich Ihrer verschlungenen Argumentation nicht folgen müssen, staune aber über ihre geschickte Verwendung des Ausdrucks „replatzieren“, der eh schon alles in sich einschließt, was am heutigen Journalismus falsch ist.
      der Pater

      • besserpisser sagt:

        ach hochwürden,

        dass Sie der verschlungenen argumentation immerhin bis zum (gar nicht mal so richtigen, wie ich zugebe …) wörtchen replatzieren gefolgt sind, nur um dann doch nichts dazu zu meinen zu haben, ist ja schon mal eine ehre.

        aber soll der messwein nun tatsächlich schon so sauer sein, dass man die „kollegen vom evolver“ (wusste gar nicht, dass dort ehemalige priesterseminaristen am griffel sind) ob ihrer selbstausbeuterei bewundern muss?

        da wäre doch eher ein exorzismus angebracht … finden Sie nicht?

        herzlichst,
        ein gewisser.

        • Pater Michael Hass sagt:

          Ganz kurz, damit Sie´s auch verstehen: Ich schreiben Intarwub, EVOLVER-Leute schreiben Intarwub, daher Kollega. Nix Problem.
          Abgesehen davon habe ich jetzt wohl für eine Weile genug über den Tellerrand meines Berufs hinausgeblickt, auf Journalisten und andere Pornographen, und wende mich umso lieber wieder der Seelsorge zu. Aber: Exorzismus – jederzeit! Da rennen Sie bei mir offene Türen ein.
          Grüß Gott,
          der Pater

  • anh sagt:

    Tja, hübsch. Da sieht man wieder einmal, was man mit Ausbeutung weiterbringt. (denn es wurde ja niemand zusätzlich eingestellt bei der Presse. Die Rechnung: die, die bislang sechsmal pro Woche Zeitung machten, machen es nun siebenmal pro Woche). Daher: Sozialismus? Papperlapapp! Der Neoliberalismus hat doch recht. Ihr werdet es schon merken.

    Aber zum Inhalt. Ich habe das Krimirätsel nicht gelöst. Klar kann das auch an mir liegen. Aber ich bin an sich nicht so selbstkritisch, daher muss es an der Trance liegen, in die mich die Seiten davor versetzt haben. Schwer, lieber Alexis. Oh ja. Schwer wie schwermütig und schwerfällig.

    Wer hat eigentlich wann dem medienmachenden Österreich die Leichtfüßigkeit gestohlen? Nein, werter Herr Lauth, ich gebe dir trotzdem nicht vollkommen recht. Denn sobald wieder jemand bereit ist, Gedanken in einen kreativen Tanzkurs zu schicken und irgend ein Neoliberaler sein Geld da rein steckt, kommt das Gernelesen auch auf dem Papier wieder. Und dann muss man nicht mehr dauernd auf Print schimpfen. Aber ja: Das dauert noch.

    • Natürlich, Neoliberale lieben bedrucktes Papier. Wenn nur nicht der um teures Geld vergeudete Platz zwischen den Anzeigenseiten wäre.

      • Alexis sagt:

        Ab heute wird zurückgebloggt! Zumindest insoferne wäre also die These, Neoliberale lieben bedrucktes Papier, widerlegt :-)

        http://www.ortneronline.at/
        „Das Zentralorgan des Neoliberalismus aus Österreich“

    • In diesem Zusammenhang noch ein Zitat aus Clay Shirkys Essay „Newspapers and Thinking the Unthinkable“: There is no general model for newspapers to replace the one the internet just broke. […] That is what real revolutions are like. The old stuff gets broken faster than the new stuff is put in its place. The importance of any given experiment isn’t apparent at the moment it appears; big changes stall, small changes spread. Even the revolutionaries can’?t predict what will happen.“

    • Die Ausbeutung sehe ich so nicht, denn es wird ja jetzt sechs Tage in der Woche eine dünnere (noch dünnere?) Presse produziert. Die Arbeit wird also zumindest konzeptionell verschoben. Aber ich stelle mir eine andere Frage: Sind wir als Blogger, JournalistInnen, Twitterer, etc. nicht tendenzielle SelbstausbeuterInnen. Haben wir nicht den starken Drang zu erzählen und machen es VerlegerInnen erst dadurch möglich, solche Konzepte umzusetzen? Lieber „anh“, wir kennen das aus gemeinsamer Vergangenheit.;-)
      Ganz ehrlich: Ich habe kein Mitleid mit den JournalistInnen. Warum auch? ZIB21 zeigt, dass Journalismus lebt, PAMS zeigt, dass auch in Österreichs Printlandschaft Innovationen möglich sind. PAMS ist also ein gutes Signal. Bewegen müssen sich alle.

      • Pater Michael Hass sagt:

        Geehrter Herr Johann!
        Ich kenne ja nun auch einige Journalisten und -innen, weil diese armen Seelen seit Jahrzehnten meine Beichtkinder sind. Und ich kann Ihnen sagen: Das Problem ist nicht Selbstausbeutung, sondern Selbstverleugnung. Seit Anfang/Mitte der 90er Jahre – als die Herrschaft der Schweine begonnen hat – müssen sie sich dem Diktat der Unfähigen aus Geschäftsführung und Anzeigenabteilung beugen, kriegen ahnungslose Befehlsempfänger als Chefredakteure vorgesetzt, werden Opfer sämtlicher Einsparungsmaßnahmen, sind zum Schreiben von Gefälligkeitsartikeln mit „Info-Boxen“ gezwungen, wirken aus Gründen der Existenz- und Familienerhaltung am medialen Promi-Wahnsinn mit, sind täglich mit zutiefst Falschem wie der Neuen Behinderten-Rechtschreibung und dem Bienen-I konfrontiert. Und so sinkt die Branche unter der Last ihrer eigenen Schlechtigkeit immer weiter in die Tiefe, bringt nichts mehr hervor als Propaganda und die „journalistische“ Abwicklung von Pressetexten, ist von Idioten und Gscheiterln und vor allem idiotischen Gscheiterln bevölkert, die fest davon überzeugt sind, der Welt etwas Gutes zu tun. Da gibt es beispielsweise minderbegabte Photographen, die plötzlich schreiben dürfen und dieser Hinsicht noch minderbegabter sind, aber in den Redaktionen plötzlich als Stars und „Edelfedern“ gelten. Und das ist nur der Anfang …
        Die Kollegen vom EVOLVER (http://www.evolver.at) – über dessen neue Inhalte Sie übrigens auch auf diesen Seiten informiert werden – waren das alles schon vor fast 13 Jahren leid und sind daher in selbstausbeuterischer Absicht ins Weltnetz geflüchtet; die Betreiber von „ZiB21“ tun es ihnen bewundernswerterweise jetzt nach.
        Mitleid muß man mit Journalisten trotz allem keines haben, weil eh jedes selber an seinem Schicksal schuld ist – noch gilt der freie Wille des Menschen. Aber man darf mit manchen von ihnen fühlen, wie sie jetzt am Spielfeldrand stehen, von dort aus den korrupten Nationalteams zeigen, wie das Spiel wirklich geht (ich schwimm´ da jetzt ein bissl im Themenkreis des geschätzten Herrn Sax herum, merke ich grad), und genüßlich darauf warten, daß das System zusammenbricht. Weil nix angeblich „Innovatives“ mehr hilft (genauso wie in anderen Bereichen das „Nachhaltige“, alles leere Worte), sondern man nur mehr darauf hoffen kann, daß etwas ganz Neues aus den Ruinen blüht und das Alte im Schutt versunken bleibt.
        So, und jetzt haben Sie gleich auch für den Montag eine kleine Predigt.
        Es grüßt:
        der Pater

        • Alexis sagt:

          Hochgeschätzter Pater,
          danke für diese Montags-Predigt! Dann also eine kleine Andacht! Für die Spieler am Feld – oder am Spielfeldrand? Eher für die am Feld, weil die anderen wissen ohnehin, an was sie glauben wollen. Was ich aber auch gerne von Ihnen wissen würde: Halten Sie denn die Ruinen für rettungslos verloren, zahlt es sich aus Ihrer Sicht nicht aus, sie neu aufzubauen? Mit dem Niedergang gehen ja auch die, die an der Zerstörung beteiligt waren. Um im Bild zu bleiben: Während auf den Ruinen des alten Roms Goten, Sachsen und Wikinger Feste feierten, konnte Ostrom, dank innerer Erneuerung, 500 Jahre glanzreich weiterbestehen.
          Mir fehlt eher der Plan zu dieser inneren Erneuerung als der Glaube, dass diese möglich wäre.
          Es gibt so viele Beispiele, die gegen meine These sprechen: Von der Erfindung von Google, die nicht bei Time Warner entstand – über eBay, das nicht von der New York Times oder ABC entworfen wurde bis zu Evolver, das kein Produkt aus dem Haus NEWS ist. Aber kann es nicht sein, dass mit dem Leidensdruck alte, steinerne Gesetze dorthin geworfen werden, wo sie hingehören – und neue Regeln und damit neue Hoffnungen entstehen?

          • Pater Michael Hass sagt:

            Lieber Herr Johann!
            Gern geschehen. Ich warte lieber einmal ab, bis das wackelige Gebäude in sich zusammengestürzt ist; erst dann kann man sich doch überlegen, ob man Trümmerfrau und/oder Ruinenbaumeister – beides wahrscheinlich keine dankbaren Gewerbe – spielen will. Wie Herr Shirky (zitiert weiter oben von Herrn Lauth) so richtig schreibt: „Das Alte geht schneller kaputt, als es durch das Neue ersetzt werden kann.“
            Keiner weiß, was nachkommen wird. Der Leidensdruck wird für viele noch viel größer und auch in ihrer realen Existenz bedrohlicher werden, wenn die Verblödungs- und Gehirnwäschemaschine krachend und quietschend zum Stehen kommt. Zu glauben, man könne sie von innen heraus verändern, erinnert an den berühmten Spruch der „Eigentlich bin ich Pazifist“-Buben: „Ich gehe zum Militär, weil man da nur von innen heraus was verändern kann.“ Nix haben sie verändert; alle sind sie (zumindest eine Zeitlang) dem Alkohol verfallen.
            Manchmal ist es ganz gut, wenn es kracht. Und es ist immer spannend, zu sehen, was nachkommt und ob man die Trümmer noch verwenden kann, wenn der Feind abgezogen ist.
            Seien Sie gegrüßt …
            Ihr Pater

  • Da muss ich dir zustimmen: Das Blatt ist überraschend gut. Und es sieht überraschend hübsch aus. Trotzdem habe ich den Verdacht, dass in diesem Land auch am Sonntag keiner etwas Vernünftiges mit viel Text drinnen haben will. Das schreckt doch nur. Vom Lesen kommt man ja bloß auf dumme Gedanken, haben sie immer gesagt, oder? Daher: Eine Bibel für die Armen. Lesen Sie mehr im Blattinneren. Das rockt doch ungleich mehr.

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