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ÖKM-Chef Thomas Janisch: Sex killt das Sex-Business

Von | 14.10.2010, 9:46 | 12 Kommentare

Frage an den österreichischen Pornokönig: Ruiniert das Internet die Sexindustrie? Antwort: ja. Aber die Zeiten sollen sich ändern.

Thomas Janisch und Model Anita by Erich Reismann

Zum Beispiel Vibratoren. „Wir haben eine Unmenge Vibratoren“, erzählt der Pornokönig. Und alle warten auf ihre AbnehmerInnen. Nur gibt es da ein Problem. „Der online-Shop Eis.de“, sagt er. „Total verrückte Preisbrecher. Die haben einen deutschen Multimillionär als Sponsor im Hintergrund und verkauften ihre Vibratoren um 99 Cent! Bis sie mal drauf kamen, dass welche übrig bleiben.“ Und jetzt sitzt die ganze Branche auf ihren brummenden Geräten. Janisch: „So a Vibrator is leider ned nach einer Wochn hin!“

Ein Dilemma. Aber der Hardware-Stau im Lager ist das geringere Problem. Schlimmer sind die Zustände im Internet. „Youporn!“ sagt er. „Die machen einen total verrückten Fehler.“

Nämlich?

„Wenn du einem Kunden von vornherein alles gratis gibst, sieht er keinen Anlass, dafür zu zahlen. Es gibt eine simple Regel im Business: Man muss dem Kunden vor dem Wichsen das Geld wegnehmen, weil danach freuts ihn nicht mehr.“ Nachsatz: „Er kann die Kreditkarte nicht zücken, weil er noch damit beschäftigt ist, den Reißverschluss seiner Hose zuzumachen.“

Thomas Janisch (47) sitzt im Büro seines ÖKM-Hauptquartiers zu Bad Ischl. Ein Prachtgebäude, das optisch einer Vagina nachgebildet wurde (wo die Klitoris sein müsste, befindet sich der Aufzug). Die Szenerie ist etwas gespenstisch, außer ihm findet sich nur eine Assistentin, die sowohl administriert als auch den Sex-Shop betreut. „Ich musste viel Personal entlassen“, erläutert der Boss. „Derzeit geht es ums Durchhalten.“

Das letzte Mal besuchte ich ihn 2003, da war die Firma voller Leben, man bereitete sich auf die Venus-Messe (Berlin) vor, vor der Firma parkte der Ferrari, Janisch war der „König von Dakammergut“, das Business eine Geldmaschine, „weil der Kunde ständig neue Wichsvorlagen brauchte, die er kaufen musste.“ (Janisch)

Dann kam das Internet, und Janisch war zunächst begeistert: „Wunderbare Sache, unmittelbare Kommunikation und so weiter.“ Man begann auch gleich, das über Print laufende Swinger-Magazin (Slogan: Einsamer sucht Einsame zum Einsamen) online zu transferieren. Weil es zum ÖKM-System geradezu natürlich passte. In gewisser Hinsicht waren die Janischs Österreichs Pioniere des Sozialen Netzwerkens – man hatte Gleichgesinnte zusammen gebracht. Und online bekam ÖKM zunächst eine neue Dimension: „Die Leute sind so wunderbar exhibitonistisch, die schicken uns laufend Videos von ihrem Treiben.“ (Janisch)

Das war zunächst auch die eine Gefahr, die Janisch sah: der unmittelbare Wettbewerb: „Das Business hat ja keine Einstiegsschwelle, was brauch ich denn heute? Eine Web-Cam und eine nymphomanische Freundin!“

Tatsächlich kam die Bedrohung dann von reichen Hintermännern „mit mehr Geld als Verstand“ (Janisch). Der Pornokönig zog die Kopie eines Artikels der Bloomberg Businessweek hervor, der von einem Milliardär namens Marc H. Bell handelt, seines Zeichens Geschäftsführer des Partnerbörse-Riesen FriendFinder. „Der hat eine halbe Milliarde Dollar ins Internet gesteckt und es mit Gratisporno überschwemmt“, sagt Janisch.

Warum sollte er das tun? „Ganz einfach“, meint Janisch. „Um die Konkurrenz zu ruinieren.“ Die Unfähigkeit der Behörden, das Internet zu kontrollieren, half wesentlich mit, so Janisch. „Früher hetzten uns die Behörden alles an den Hals, von der Sittenpolizei bis Martin Humer, das Magazin konnte wir nur unter der Budel der Trafik verkaufen. Aber seit dem Internet scheint das alles egal zu sein. Es gibt keinen Jugendschutz, es herrscht Wildwuchs.“

Der (Gratis)sex killt also das Sexbusiness? So kann man sagen, meint Janisch, und seiner Meinung nach wird sich das noch ein paar Jahre nicht ändern. „Aber mittelfristig bin ich optimistisch. Weils so nicht weiter gehen kann. Irgendwann geht auch dem reichsten Mann das Geld aus.“

Und so kennt er dieser Tage genau eine Devise: „Man muss aussitzen“, das Dakammergut in eine Trutzburg des Widerstands verwandeln. Das ist es wert, meint der Unternehmer, denn es gebe auch einen schwer positiven Aspekt zu dieser Internetporno-Schwemme: „Nie gab es so viele Konsumenten wie heute. Wenn die mal wieder zahlen müssen, geht es anständig los.“

Bis dahin helfe nur durchhalten und hoffen. Interessant, nicht wahr? Sex killt das Sex-Business, System Teufel mit Beelzebub austreiben. Könnte Mode werden, sowas.

12 Kommentare »

  • Fetzi sagt:

    Das glaubt er ja selber nicht, der Herr Janisch, dass „irgendwann wieder mal“ Internet-Pornos kostenpflichtig sind! Und selbst wenn, dann gibt es sehr wahrscheinlich auf privaten Speichermedien genug Pornos zum Tauschen. Außerdem: die Mädels, die hoffen, über Pornos „entdeckt“ zu werden, wird’s _immer_ geben. Janisch sagt ja selbst, dass die Einstiegsschwelle gering ist: ein Mädel, das sich zum G*ngb*ng mit des Liebsten Freunden einlässt und eine Kamera – fertig ist der Hax’n!

  • mare sagt:

    herr janisch tut gut daran, sich nach neuen einnahmequellen umzusehen. was jedermann, millionenfach und jederzeit, unentgeltlich und anonym im internet bekommt, wird größtenteils kostenlos bleiben.

    • Manfred Sax sagt:

      Vielleicht, vielleicht auch nicht, dear mare. Laut Janisch ist der Gratis-Porno im Web nicht gratis, sondern von einem Milliardär gesponsert – dem irgendwann einmal das Geld knapp werden müsste …

    • Sandra sagt:

      Ist ja gut, das den Janisch (auf denn Ferrari) die goschn haut und eventuell die vielen anderen. Business, wie ihn die Branche versteht, ist doch nur eine Ausbeutung des Kunden und der Darsteller – vorwiegend der Frauen.
      Mit minimalstem Aufwand – maximalsten Cash! Ab und zu straft Gott doch
      relativ schnell.
      m.f.g
      einenichtindieKirchegeherin
      sandra

  • erich reismann sagt:

    verehrteste frau lina,

    alsdern, die dices (siehe hier: http://bit.ly/9SVCpv) heißt im gegensatz zu anita nicht wirklich so, der name rührt von würfeln, die als tattoo einen kleinen teil ihres körpers zieren. ihr bürgerlicher name ist mir gerade entfallen, ich kann ihnen nur versichern, dass sie eine der reizendsten personen ist, bei denen ich die ehre hatte etwas nicht zu beabsichtigen, sie ist glücklich verheiratet, hat einen gesunden lieben sohn und macht was sie macht aus spass. Sie beabsichtigt tolle fotos von sich zu haben. das läuft unter dem synonym tfp – aka time für photos!
    hoffe ihren tag gerettet zu haben

    er

  • Lina sagt:

    Hallo Herr Sax,
    eben das Thema „Mann und Frau“ und wie es hier dargestellt wird, macht mich traurig. Wie die Frau dergestellt wird, sie hat kein Gesicht, keine Identität, das macht mich traurig.

    • Manfred Sax sagt:

      Porno ist nicht lustig. Es ist ein Business, das vom Unterdrücken der entsprechenden Thematik/Bedürfnisse im sozialen Alltag lebt. Herr Reismann wird es nicht schönfotografieren, ich werde es nicht schönschreiben, obwohl, erwähnen möchte ich doch, dass mir Herr Janisch (beispielsweise) im Vergleich mit dem heimischen Politiker der Stunde wie der ultimative Saubermann erscheint. Ihr sax

    • Susanne sagt:

      Ich halte es für ein gelungenes Foto, es stellt genau das dar, was Porno nun mal ist, nämlich anonym. Das Foto ist einfach nur realistisch..

  • Lina sagt:

    Hallo Herr Sax,
    das Foto macht mich traurig. Der Blick des Fotografen ist so kalt in diesem grauen Stiegenhaus und die Frau scheint dieser Kälte so schutzlos ausgeliefert zu sein. Traurig auch dass sie nur einen Vornamen hat, ein Allerweltsname noch dazu, die Austauschbarkeit des Namens macht die Kälte noch schlimmer. Mich würde wirklich interessieren, wer diese Anita ist, woher sie kommt, was sie dazu bringt, sich in diese Kälte zu stellen für ein Taschengeld. Allerdings verkörpert das Bild auch perfekt die Tristesse der Porno-Industrie, obwohl der Fotograf das wahrscheinlich nicht beabsichtigt.

    • Manfred Sax sagt:

      Hallo Lina,
      wie immer freut mich Ihre zuwendung. was Ihre interpretation anbelangt, hier ein paar zusätzliche details, beginnend mit Ihren letzten worten.

      „obwohl der fotograf das wahrscheinlich nicht beabsichtigt“. ich kann Ihnen nach einem 25 jahre währenden austausch mit diesem fotografen versichern, dass alles, aber auch wirklich alles, was seine bilder ausmacht, von Absicht getragen ist.

      anita ist eine ungarin, ich wüsste aber nicht, was die erwähnung ihres familiennamens thematisch beitragen könnte. das thema ist „frau & mann“, nicht „mizzi & huber“.
      ergebenst, Ihr sax

    • erich reismann sagt:

      hallo lina,

      sie wollten aufklärung über anita: Ungarin wurde ja schon gesagt, anita ist ihr richtiger name, im gegensatz zu vielen ramona candy´s etc.! übrigens ist sie mit einem oberösterreichischen eventveranstalter gekommen, ich nehme auch glatt an, das hat sie 1. des geldes wegen, 2. des ruhmes wegen, 3. weil sie´s einfach will gemacht. nach ihrer karriere in dieser branche wollte sie einen beautysalon aufmachen – in ungarn. ich hoffe sie hat´s geschafft.
      ja, und zum fotografieren. da schaut man durch und drückt ab. meist kann man/frau ja nix dafür, dass dann auch was drauf ist. aber schön ist´s dann schon, wenn manche was spüren bei so einem büdel. und beabsichtigen tu ich gar nix, nie, nie mehr, nie mehr!
      ;=)
      er

      • Lina sagt:

        Sehr geehrter Herr Reismann,
        danke für die Informationen, mich hätte noch interessiert welches Mädchen auf Ihrem Foto Dices by Erich Reismann abgebildet ist? Wie heißt sie, warum macht sie solche Fotos?
        Grüße
        Lina

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