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Zum Beispiel: der Roman

Von | 14.09.2007, 17:08 | 3 Kommentare

Der eine schreibt jetzt schon ewig daran und ich habe schon seit Wochen nichts mehr von ihm gehört, weil er ihn unbedingt fertig machen will, nein, muss, denn wenn das nichts wird, steht er wohl vor den Scherben seines kleinen Lebenswerkes. Der andere hat mir einmal ein rohes Manuskript von seinem gegeben, weil er mein […]

Der eine schreibt jetzt schon ewig daran und ich habe schon seit Wochen nichts mehr von ihm gehört, weil er ihn unbedingt fertig machen will, nein, muss, denn wenn das nichts wird, steht er wohl vor den Scherben seines kleinen Lebenswerkes. Der andere hat mir einmal ein rohes Manuskript von seinem gegeben, weil er mein Urteil hören wollte. Die erste Hälfte davon war toll, die zweite war Mist, und weil er das auch wusste, es aber von jemand anderem hören wollte, hat er damit aufgehört. Und die andere hat das alles schon hinter sich und denkt wohl trotzdem immer wieder daran, es beim nächsten Mal dann ganz richtig und gut zu machen.
Und nicht nur diese drei, sondern viele andere fragen immer wieder, wann denn ich endlich einen schreib. Einen Roman. Endlich einmal etwas in der Königsdisziplin. Endlich einmal etwas, das nichts mit diesen schnittigen Gebrauchstexten zu tun hat, die man als Journalist zu formulieren. Endlich einmal etwas, das bleibt.
Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich immer die gleiche: Vielleicht irgendwann einmal. Ja, es gibt ein, zwei Ideen. Nein, es gibt sicher keine Details dazu zu erzählen. Ja, es gibt sogar fertige Kapitel. Und nein, die gibt es nicht zu lesen.
Weil dieser Entwurf und diese Kapitel in Wahrheit vier Jahre alter, autobiografischer Mist sind, den ich nicht lesen kann, ohne mich zu genieren. Lange war es nicht klar zu erkennen, woran dieser Text und die paar Ideen genau kranken, doch ein Treffen mit einem Schriftsteller, das dann vom Interview zum angenehmen Abend wurde, hat es mir erklärt: Den Roman kann man nicht zwingen, dass er zu einem kommt. Er kommt einfach. Bei besagtem Schriftsteller zum Beispiel sieben Mal, ehe dann der achte veröffentlicht wurde. Und wenn er nicht kommt, dann kommt er nicht.
Vor allem passen journalistisches Denken und der Roman nicht zusammen. All die Ideen auf meiner Festplatte sind allerdings genau davon getrieben: Wer könnte das lesen? Hat es so eine Geschichte schon einmal gegeben? Wie passt die Geschichte in die Zeit. In welchem Zusammenhang steht sie zum Heute? Lauter idiotische Fragen, die ein Roman nicht zu beantworten braucht. Denn, wenn er zu einem kommt, wenn er raus muss, wenn er seinen Autor monatelang plagt, beantwortet er sie eh von selbst. Und wer all das schon vorher fragt, um alles richtig zu machen und einen Bestseller zu liefern, hat verloren. Das ist wohl der gravierendste Unterschied zwischen Journalismus und Literatur: Dass nicht jedes geschrieben Wort auch ein verkauftes Wort sein muss.
Papierkorb entleeren.

3 Kommentare »

  • der zweite sagt:

    nur zur info: hab ein paar monate darüber geschlafen, dann von 360 auff 170 seiten runtergekürzt und bin wieder dran. kann sich nur noch um jahre handeln :)

  • PL sagt:

    mit großem interesse und auch vergnügen lese ich jedesmal deine artikel, auch diejenigen über die musik, von der ich leider zu wenig verstehe.

  • michi sagt:

    dann warten wir halt weiter.
    und fragen von zeit zu zeit nach!

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