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„Wo sind die Frauen mit Substanz?“

Von | 07.10.2010, 15:23 | Ein Kommentar

In den USA wurde The Social Network als der „unsere Epoche definierende“ Film gefeiert. Ein Film, in dem Frauen ausschließlich blöde Gören sind. Zum Beispiel jene Busladung Girls, die zum Phoenix Club gekarrt werden und dann dort herum kauern wie Dekoration mit Puls. Oder die Groupies, die sich einen über ihre Unfähigkeit runter kichern, ein […]

Göre im Zuckerberg-Film: Brenda Song ist Christy, Aufputz für gewisse Minuten. Foto: Jennifer, Lizenz: CC Attr.-Share Alike 1.0 Generic

In den USA wurde The Social Network als der „unsere Epoche definierende“ Film gefeiert. Ein Film, in dem Frauen ausschließlich blöde Gören sind.

Zum Beispiel jene Busladung Girls, die zum Phoenix Club gekarrt werden und dann dort herum kauern wie Dekoration mit Puls. Oder die Groupies, die sich einen über ihre Unfähigkeit runter kichern, ein Videogame zu spielen. Die Asiatin Christy (Brenda Song), die beim Zuckerberg-Co Eduardo Saverin drei Minuten nach Kennenlernen einen Blowjob als Visitenkarte hinterlässt, kommt da fast schon wie ein Mensch rüber.

Harvard. Per Design ein Hort für die Supersmarten. Im Streifen „The Social Network“, der morgen bei uns Premiere hat, sind die Gescheiten seltsam sortiert. Während die Zuckerberg-Nerds supermotiviert an der Welt von morgen basteln, kannst du die Girls mit kongenialem IQ an den Fingern einer alten Tischlerhand abzählen. Da ist nur eine Rechtsanwältin (Rashida Jones). Und da ist Zuckerberg-Ex Erica (gespielt von Rooney Mara). „Die anderen Ladies im Film haben nichts zu sagen, weil sie entweder high sind oder besoffen oder im Badezimmer einen Typen blasen.“ (US-Kritiker Stephen Colbert).

Die anderen Ladies sind großäugige Groupies, kleinhirnige Schlampen, knackärschige Cheerleaders und eine Asiatin, die nur nach Harvard ging, um sich dort einen weißen Boy zu angeln.

Kommt nicht halb frauenfeindlich runter, oder? Aber hier das eigentlich Makabre. In den Tagen nach der US-Premiere wurde der Zuckerberg-Film kritisch gefeiert. Als Story, die „unser Zeitalter definiert“. Es dauerte fast eine Woche, bis Colbert (ein Mann, btw) jene Frage stellte, die den allgemeinen Bewusstseins-Horizont etwas korrigierte: „Wo sind hier eigentlich die Frauen mit Substanz?“

Warum sind die Zuckerberg-Girls so schlicht? Ist es Harvard mit seiner „Males only“-Klubkultur? Ist es die Story, die ja von einem Komplexler handelt, der eine Website startet, um an Cheerleaders ranzukommen? Oder steht ein neuer Sexismus im Trend von Nerdworld? „Was machen wir mit einem großartigen Film, der die Frauen so schrecklich aussehen lässt?“ meint Bloggerin Rebecca Davis O´Brien in The Daily Beast.

Einem Film, der Girls in Gadgets verwandelt, männliche Nerds in machtgeile Frauenhasser. Letzteres Prädikat sei allerdings berechtigt, findet Elizabeth Wurtzel, Harvard-Absolventin und Bestseller-Autorin (Prozac Nation): „An den Plätzen der Macht ist unsere Kultur sexistischer denn je. Wall Street und Silicon Valley werden von Männern kontrolliert. Der Film reflektiert nur, was gerade passiert.“

Mag sein. Mir passiert leider, dass ich bei dummen Girlies nie einen hochkrieg. Und die Nerds dazu sind mir suspekt. Facebook sowieso. Over to you, Justin.

http://www.youtube.com/watch?v=sT02Fh349Go

Ein Kommentar »

  • Ettmayer sagt:

    Herr Sax,

    ich bin jetzt etwas aufgebracht, weil dieser Text in eine Richtung weist, die mir nicht gefällt. Frauen haben sehr wohl auch im Zuckerberg-Biopic viel Substanz. Ist nur die Frage, wie man Substanz definiert. Klasse oder Masse? Frauen müssen ja nichts erfinden oder erschaffen oder an den Schalthebeln der Macht sitzen, um wirklich wichtig zu sein. Sie müssen bloß als fleischgewordenes Fragezeichen rumhängen, und schon sind sie die Hauptdarsteller eines epischen Sozialpornos. Ja, sie dürfen auch blasen und kichern, tippen und nippen, ficken und zicken, und irgendwie hat alles immer unfassbar viel Substanz. Im Social Network zum Beispiel, wo immer es stattfindet, sind die Frauen der Kitt, der alles zusammenhält. Ohne mitteilungsbedürftiges (Kitt)elvolk, egal ob Midlife-Schlampe oder doofes Girlie, funktioniert die Masche nicht halb so gut. Zuckerberg hat also etwas hingestellt, das für Frauen geschaffen ist. Schlicht, nützlich, einfach bedienbar, wunderbar sozial. Männer dürfen daran teilhaben, mehr nicht. Irgendein superintelligenter weiblicher Nerd hätte Zuckerberg beim Facebook-Schöpfungsakt wahrscheinlich nur abgelenkt. Der Gedanke an einen knackigen Cheerleaderarsch mag ihn beflügelt haben. Aber nur so sind große Leistungen möglich: Hund, Wurst, Sabber, Sprung.
    Danke für die Tischlerhand und die Dekoration mit Puls. Ich lese sowas immer gern. Weil es mir gefällt.
    So, und jetzt schnell ins Wirtshaus zum Morgensport. Extreme Heavy Beerlifting mit Kalbsgulasch. Alles sehr substanziell, alles sehr gepflegt.

    Herzlichst, Ettmayer

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