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Being Österreicher: Wir sind moralisch verrottet

Von | 07.10.2010, 11:30 | 24 Kommentare

Moral und Zivilcourage sind tot. Zumindest in Österreich. Und zumindest bei all jenen, die eine Abschiebung von Achtjährigen ungerührt exekutieren lassen.

Jetzt weiß ich endlich, warum in diesem Land keine sinnvolle Debatte über Integration möglich ist. Weil dieses Land moralisch verrottet ist. Weil in diesem Land achtjährige Zwillinge in Schubhaft genommen und abgeschoben werden. Weil in diesem Land alle mit dieser Amtshandlung betrauten Menschen bloß darauf verweisen, dass es sich eben um eine Amtshandlung handelt. Weil in diesem Land kein anderer als die üblichen Verdächtigen dagegen aufsteht und sagt, wie widerwärtig diese Vorgänge sind. Weil niemand sagt, dass er dabei nicht mehr mitmacht.

Zumindest nicht jene, die das Gewicht hätten, etwas zu bewegen. Ein Vorarlberger Bürgermeister hat es geschafft, Zivilcourage vor die Gesetz ist Gesetz-Attitüde der Obrigkeitshörigen zu stellen. Von einem Wiener Bürgermeister kann sich das niemand erwarten, auch wenn es Robert Misik und viele andere so gerne hätten. Nicht vor der Wahl, nicht nach der Wahl, nie.

Es wäre ein zu großes Zugeständnis vor allen, die sie für ihre Poltik brauchen. Die Alten, die Verbitterten, die Unmenschlichen. Die, die Kinder ohnehin hassen. Die, die Hunde verteidigen, wenn sie Kinder beißen. Die, die Recht und Ordnung fordern und dann vollfett ins Auto steigen. Die, die glauben, Parkplätze wären ein Menschenrecht. Die, die sich für gute Autofahrer halten. Die, die viel zu dick sind, aber trotzdem darüber klagen, dass sie viel zu wenig haben. Die, die in Schrebergärten die Einhaltung des Spielverbots kontrollieren. Die, die sich vor Koptüchern fürchten. Die, die sich vor allem fürchten. Die, für die in Österreich Politik gemacht wird.

Die empfinden wahrscheinlich Genugtuung, wenn sie Beigträge wie diesen von wientv.org sehen:

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24 Kommentare »

  • Thomas Inführ sagt:

    Eins würde mich schon interessiern, wenn mir die Familie und vor allem die Kinder am Herzen liegen, dann lege ich dem Vater schon Nahe, dass sie freiwillig ausreisen sollten. Damit wäre den Kindern einiges erspart geblieben. Aber stattdessen wird die Familie benutzt um einen aussichtslosen Kampf gegen ein fragwürdiges Asylgesetz zu führen. Eins wird hier nämlich gern vergessen, weit mehr als die Hälfte der Bürger ist für strenge Asylgesetzte.

    Teilweise ist das auch zu verstehen, weil Zustände wie in Deutschland, siehe gestriges Fußballmatch in Berlin, will wohl fast niemand.

    • lusciniola sagt:

      Lustig ausgerechnet vollkommen integrierte, deutsch sprechende und unauffällige, allerorts geschätzte Kosovaren, Mutter, Vater und 2 kleine Zwillinge als Beispiel heranzuziehen, daß “solche Verhältnisse hier niemand will, wie bei dem Fußballmatch in Berlin”.

      Diejenigen Leute, die Sie hier im Fokus haben, die kommen alle nicht über Asyl. Die kommen alle über einen nach Art 8 EMRK garantierten Familiennachzug. Dafür die Kosovaren-Familie büßen zu lassen, wo Österreich 6 Jahre braucht, um endlich einen Ausweisungbescheid zu machen und die dafür hinhalten müssen, daß Politiker aus Wählerstimmenmaximierung irrationale Ängste schüren, ist wohl mehr als zynisch.

      Wenn ich nicht Österreich lieben würde und auch die Österreich an sich mögen würde, dann würde ich mir ganz fest wünschen, daß so ein Schicksal – in der Fremde neu anfangen zu müssen, weil es in der zerstörten Heimat null Perspektiven gibt – all jene ereilt, die hier so voll den Mund nehmen, daß unser Boot voll sei und Recht ja Recht bleiben muß und daß auf Erden nur so jemand ein Recht auf ein Leben in Sicherheit und Wohlstand hat, der zur rechten Zeit am rechten Ort aus dem richtigen Schoß gekrochen ist.

      • karotterl sagt:

        danke.

        ich hätts ja anders formuliert…
        eher so:
        oida, bist deppat? was haben 2 in österreich aufgewachsene kinder mit irgendeinem fußballmatch zu tun?

        was hat das damit zu tun, dass in meinem heimatland gerade kinder-und menschenrechte als lächerliches brüssel-machwerk hingestellt werden, die uns “stolze und mächtige österreicher sicher nicht davon abhalten werden, unsere fremdengesetze durchzuziehen”….

        • Thomas Inführ sagt:

          Das alles ändert nix daran, dass hier eine arme kosovarische Familie, von ein paar arroganten möchtegern Linksintelektuellen missbraucht wird, nur um einen kleine Teilerfolg gegen ein dankares Opfer wie die vollkommen jenseitige Innenministerin zu feiern. Besser wärs sie würde ihre Energie dazu verwenden und eine Änderung im Asylrecht zu erwirken, anstatt immer irgendwelche Einzelfälle an die Öffentlichkeit zu zerren.

          Natürlich haben die Mädchen nichts mit den Türken zu tun, aber rein vom emotionalen her hängts zusammen. Gehts mal in ein Wirtshaus und hörts euch dort die Debatten zum Thema Ausländer an…

          • Das sprichwörtliche Wirtshaus ist ein guter Punkt. Nur weil dort unter Einfluss von Obstler gerne Äpfel mit Birnen verglichen werden, ist das kein Referenzsystem, das mich interessiert. Das sind bloß Alkoholismus und Unwissenheit. Wer darauf Rücksicht nimmt, behindert jeglichen Fortschritt.

            • Thomas Inführ sagt:

              So würde ich das nicht sehen. Immerhin entspricht die Wirtshausmeinung wesentlich mehr der Mehrheitsmeinung als der in diesem Forum.
              Meiner Meinung nach muss man sich, wenn man wirklich etwas ändern will, die Mühe machen den Stammtisch zu überzeugen. Nur gibts momentan niemanden der dazu in der Lage ist.
              Genauso ist es bei der Jugend, es nimmt außer dem Bumsti (bzw. bei den NÖ Landtagswahlen die ÖVP) keiner der großen Masse der durchschittlich bzw. unterdurchschnittlich gebildeten Jugend an. Nach der Wahl wird dann wieder gejammert und gerätselt warum soviele die Rechten wählen.

              • karotterl sagt:

                schatzerl. das hier ist stammtisch. unserer nämlich. wir sind nämlich höflich genug, uns wöchentlich und öfter vor unseren viereckigen stammcomputern zu sammeln und zu versichern, dass eben nicht nur die meingung der wirtshausstammtischler “rechtens” ist. der vorteil: wir sind örtlich ungebunden. und nur, weil ein paar verrückte lauter brüllen als wir netten dieser erde heißt das noch lange nicht, dass die gorillas recht haben.

                ansonsten schließ ich mich meinen stammtischgenossen an.
                prost

          • lusciniola sagt:

            Schön, daß jene, die über die Linksintellektuellen schimpfen meist nicht wissen, wie man intellektuell schreibt…

            Wer hat diese Familie mißbraucht? Die Familie wollte hierbleiben, es hatten genügend Familien das Glück hier bleiben zu können und daher haben sie auch alles versucht. Niemand hat sie hier mißbraucht.

            Um eine Änderung der Asylgesetze sollen sie sich kümmern? Und wie bitte schön? Zynisch, aber keine wirklichen Lösungen parat. Die Asylgesetze macht das Parlament und ist hier gejagt von einer Angst vor Strache und der Rache der Wähler. Weil die Großparteien anstatt sich seriös des Migrationsthemas anzunehmen, versucht haben den Strache zu kopieren und jetzt nicht mehr die Geister loswerden, die sie riefen.

            Den Stammtisch kann man offenbar nur auf die harte Tour überzeugen. Indem sie selbst einmal das erfahren, was sie anderen zuteil werden lassen. Ich lehne es aber ab Politik für diesen Stammtisch zu machen, der in erster Linie das nachplappert, was er wo liest, alle seine eigenen Probleme und Unzulänglichkeiten auf die Ausländer, die Schwulen und die Juden schiebt oder gar die bösen Linksintellektuellen, die unser Land verraten. Wenn man Politik für den Staamtisch macht, dann haben wir bald die Todesstrafe wieder eingeführt, die Kastration für Sexualverbrecher, Videoüberwachung an jeder Ecke, dafür unlimitiert schnelles Autofahren auf Autobahn und Ortsgebiet, Freibier für alle und Deportation für Andersdenkende.

            Politiker sollten mehr Mut und Gestaltungswillen haben als auf den Stammtisch zu hören und für den Politik zu machen.

            Aber interessant, daß Sie mehr Verständnis und Liebe für den Stammtisch aufbringen, als für die Linksintellektuellen, die bei dem Thema versuchen, etwas zum positiven für die involvierten Menschen zu wenden. Da nimmt sich Ihr Bedauern über die arme Familie doch ein klein wenig heuchlerisch aus.

          • lusciniola sagt:

            Eines habe ich vorher noch vergessen: die Mädchen haben nicht einmal emotional etwas mit “den Türken” zu tun. Worüber reg sich der Stammtisch auf (bis auf die paar echt Rechte, die jeden Nichtarier verdammen, die weigere ich mich aber anzuerkennen)? Darüber, daß sich Menschen, die hier wohnen nicht integrieren. Die Sprache nicht lernen, in der Schule zu viele Kinder sitzen, die nicht deutsch können. Alles Dinge, die ich nicht nur verstehe, sondern teilweise auch teile. Dann noch Sache wie, daß sie zu viel arbeitslose sind, nichts hackeln, nur von Sozialleistungen leben, früher Gemeindewohungen bekommen, mehr bekommen als Österreich etc.

            Selbst Strache und Co und eben auch der Stammtisch beteuern imer (scheinheilig), daß es ihnen nicht um die fleißigen gut integrierten Ausländer geht, die eine Arbeit haben, die Teil der Gesellschaft sind und die gut deutsch können.

            Und alle diese Dinge hat diese Kosovaren Familie erfüllt. Super integriert, nicht arbeitslos, in eigener Wohnung lebend, allerorts beliebt. Diese Familie hat genau das getan, was Strache und Co immer behaupten, daß das die Ausländer sind, die bei uns willkommen sind.

            Aber das ist nicht genug. Weil Wohlstand und Sicherheit dürfen nur jene Menschen haben, die zur richtigen Zeit und am richtigen Ort aus dem richtigen Schoß gekrochen sind oder die wir für würdig halten, wobei wir bestimmen, wann jemand würdig ist, egal ob er alles erfüllt, was wir verlangen oder nicht.

    • Pardon? Zustände wie beim Fussballspiel in Berlin?
      Ich weiss nicht, welche aufgeblasenen Mediennews Ihr da gelesen habt. Aber hier war alles cool. http://sportbild.bild.de/SPORT/fussball/nationalmannschaft/2010/10/09/deutsche-und-tuerkische-fans/feiern-friedliche-fussball-party.html

    • gini brenner sagt:

      Ihr Posting steht exemplarisch für 2 Phänomene: 1., dass in politischen Diskussionen immer viel zuviele Leute glauben, für eine eigene Meinung brauchts weder Erfahrung noch Information. Und 2., dass das nicht selbst verschuldetes Unglück anderer als Willkür einer höhreren Macht hinzunehmen sei (aka Florianiprinzip) anstatt als direkte Konsequenz des eigenen Überflusses.

      In diesem Falle: Wenn Sie wirklich finden, ein verantwortungsvoller Vater zweier kleiner Kinder sollte sie ohne wirklich alles, alles versucht zu haben aus ihrer gewohneten Umgebung herausreißen und ohne ihre Mutter in ein unsicheres bitterarmes Land bringen, in dem sie kein Wort verstehen und wenig Zukunftsaussichten haben, dann haben Sie wirklich keine Ahnung vom Leben.

      So macht man keine Integrationspolitik, so rechtfertigt man keine Gesetze. So erzeugt man höchstens traumatisierte Menschen mit tiefem Hass gegen alles, für das der Staat Österreich steht.

  • lusciniola sagt:

    danke für diesen artikel. mein kotzbedürfnis angesichts der zustände in diesem land wird immer größer. und gleichzeitig wut ob der ohnmacht, weil man das alles zum kotzen findet aber nicht das gefühl hat, etwas verändern zu können. wütende briefe schreiben? demonstrieren gehen? alles schon da gewesen – es hat nichts gebracht. es ist genug. aber wie die reißleine ziehen?

  • karotterl sagt:

    ha
    sind wir nicht.
    schauts euch mal das vid an.
    da waren offenbar genausoviele gegendemonstranten beim bumsti am stephansplatz wie aufrechte.
    http://wientv.org/2010/10/08/na-zieh-raus-strache/

    und wenn ich mir die na-zieh-rau-hc-schreier anschau: nach linkslinken pöslingen und attentätern, nach sozialschmarotzern und obizahrern schaut mir das nicht aus….dafür sieht man wieder ein paar obligate gestreckte hände bei den strachianern…hoch bumsti

    grüße

  • MaryOmary sagt:

    ich glaub typisch für vielerort-wilder in holland, Sarrazin in Deutschland, Sarkozy in Frankreich …ich erinnere mich an den Fall in den USA wo man einen kleinen Schweizer Bub für mehrere Monate hollahopp in die Rehabilitationstherapie sperrte weil er seiner Schwester ans Pipi gefasst hat und ein Nachbar, der das durchs Fenster beobachtete die Polizei informierte -also das ist so der allgemeine Umgang unter Menschen und Staat

  • Wen wunderts? In etlichen Gemeinden scheint inzwischen auch Wahlbetruf an der Tagesordnung zu sein. Mit einem Wort: österreich ist längst in der dritten Welt angekommen.
    Und so gesehen: Wohin schiebt man dann ab? ;-)

  • thelady sagt:

    so kurz vor der wähl…das wär doch eine auflage gewesen für dien häupl. all die abzuholen, die sich überlegt haben, “strategisch” gegen rechts den häupl zu wählen….vorbei. oder hat ihm die schwarze innenmisnisterin ein ei gelegt, weil er mit der volksbefragung grad punkte machte??? was zählt schon ein menschenleben…oder zwei…*kotz*

  • karotterl sagt:

    …die die mit 54 übergewichtig in pension gehen und dann beim häupl anrufen, weil bettlerinnen mit kindern die strasse verunziehren.

    …die die ihre autos in deutschland anmelden, weils billiger ist.

    …die, die gern mal einen kiffen im trauten kreis, aber recht muss recht bleiben.

    die liste ist lang.

    und ja es sind die üblichen verdächtigen, die auf die strasse gehen. wenigstens die. und die sind auch österreich. wie wärs, wenn du jene stärkst, anstatt…wie wir alle grad waaahnsinnig lust drauf haben…die vollidioten in den vordergrund zu stellen???

    nein, eh nicht, du bist nicht schuld. und die, die gestern als übliche verdächtige vor der rossauer kaserne standen, auch nicht. und die, die nicht wegkonnten, aber gerne dort gestanden wären, auch nicht. und die, die halt nix machen können auch nicht. und die, die sich freuen, dass wieder böse feinde des landes verwiesen wurden, sind halt zblöd und können auch nix dafür…oida…ich glaub, ich bin ziemlich grantig…

    sorry, wollt nur dampf ablassen. danke für den artikel.

  • H8te sagt:

    Du hast leider die vergessen, die schon viel zu viel haben und nichts hergeben wollen, denn dann hätten sie nur etwas weniger zu viel aber andere hätten viel mehr.

    Denn der Grund für die massiven Migrationsströme ist v.a. die ökonomische Ungleichheit, die schon innerhalb der EU ganz massiv vorhanden ist. Die Moral hat doch in unseren Breiten schon längst vor der Gier nach Geld kapituliert.

    • Ich glaube nicht, dass die Moral kapituliert hat. Eher wir vor der Moral. Und das muss nicht so sein, das lässt sich umkehren. Jede Stimme, die die in Wien regierende Partei am Sonntag verliert, ist ein Zeichen dafür. Und jede Stimme, die deswegen nicht an Schwarz oder Blau geht, ebenfalls. Ob man nun mit den Grünen sympathisiert oder nicht – die Grünen bleiben auch in dieser Causa die einzigen, die Haltung zeigen und damit letztlich jenen moralischen Mindeststandards genügen, die man innerhalb einer westlichen Demokratie voraussetzen müsste.

  • mare sagt:

    es steht die wahl ins haus, dieser sonntag könnte ihre taktischen überlegungen allesamt lügen strafen indem wir einfach unsere moral sprechen lassen!!

  • linzerschnitte sagt:

    Dass in diesem Land in Sachen negativer Asylpolitik noch eine Steigerung möglich ist, hätte ich nicht für möglich gehalten.

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