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Facebook: Wie zynisch darf ein Unternehmen sein?

Von | 05.10.2010, 16:52 | 6 Kommentare

Die Meinung zu Facebook ist dieser Tage nicht die beste. Das liegt nicht an Mark Zuckerberg, sondern an seinem Umgang mit der Kundschaft.

Mark Zuckerberg. Foto: Robert Scoble, Lizenz CC 2.0 BY

Die Meinung zu Facebook ist dieser Tage nicht die beste. Das liegt nicht an Mark Zuckerberg, sondern an seinem Umgang mit der Kundschaft.

Keine Ahnung, ob Mark Zuckerberg kaltblütig über Leichen geht, wie ich gestern im Spiegel gelesen habe (in Print, daher keine Verlinkung) Keine Ahnung, ob er Frauen hasst. Und keine Ahnung, ob „The Social Network“, der Film zu Mark Zuckerbergs Leben, tatsächlich der Wegverhandlung der Netzneutralität in die Hände spielt, wie Lawrence Lessig hier schreibt – obwohl, es ist echt nur ein Film, Herr Lessig …

Aber ehe ich abschweife: Ich finde Facebook prinzipiell nicht so schlimm. Ich denke, ein mündiger Netzbürger sollte wissen, worauf er sich einlässt, wenn er sich virtuelle Freunde anschafft. Und ich bin froh, wenn mich Texte wie dieser von Peter Kirwan für Wired wieder ein bisschen aufrütteln.

Kirwan erzählt, wie er während Recherchen auf scribd ein paar interessante Folien fand und diese runterladen wollte. Er wurde aufgefordert, sich einzuloggen. Via Scribd – oder via Facebook. Was ihn zur Frage führte: Warum bitteschön Facebook? Und zu folgendem Gefühl:

Although the invitation was optional, it still felt like a kind of category error. This was Facebook pushing its nose too far into someone else’s business.

Dieses Gefühl, dass da jemand zu weit ging, bestätigt sich übrigens mit diesem Blogpost, der den Verbindungen von Facebook und Scribd auf den Grund geht.

Hinter all diesen Aktivitäten von Facebook steckt der Wunsch, seine User mit jedem Bit Information, das sie hinterlassen, für Inserenten wertvoller zu machen. Das ist prinzipiell nicht verwerflich, schließlich stellt Facebook ein aufwändiges Produkt gratis zur Verfügung.

Kirwan führen diese Vorgänge zu einem Vergleich mit Google. Auch Google bietet aufwändige Dienste gratis an und finanziert sie durch Werbung. Um diese Werbeumsätze zu maximieren, nutzt es die Daten seiner User (Stichwort: Datenkrake). Doch anders als Facebook ist sich Google des schmalen Grats bewusst, den es dabei entlang wandelt.

Bei Google wird im Falle des Falles erklärt, was vorgeht. Bei Google herrscht mittlerweile Gewissheit, dass Pannen wie bei Street View nach offener Krisen-PR verlangen, nach Kommunikation und Aufklärung des Sachverhalts.

Facebook hingegen setzt einfach um, ändert einseitig Einstellungen, hält sich nicht lange mit Fragen auf. Der User – ein „dumb fuck“, wie Mark Zuckerberg einmal sagte. Diese Form des Zynismus ist es, die Facebook von Google unterscheidet.

Und diese Form des Zynismus im Umgang mit Kunden gefällt mir genauso wenig wie dem zitierten Peter Kirwan, Kürzlich hat mich jemand gefragt, warum wir hier auf ZiB21 bei der Kommentarfunktion noch immer kein Facebook-Login anbieten. Die oben formulierten Zeilen sind schon ein Teil der Antwort. Wer hier diskutieren möchte, soll das in der Gewissheit tun können, dass die Kommentare nur in jenem Zusammenhang stehen, den die Kommentierenden beabsichtigen – als Anregung und Kritik zu einem Blogpost und nicht als Statusmeldung im Facebook-Stream. Für alles andere reicht der Like-Button vollkommen.

6 Kommentare »

  • tom sagt:

    Da mit dem Einbau des Like-Buttons das Ausliefern der Besucher an das Facebook Werbesystem (egal ob sie klicken oder nicht) automatisch einhergeht, wäre das Implementieren des Facebook-Login bei den Kommentaren auch schon egal. Entweder konsiquent oder gar nicht.

    • tom sagt:

      …konsequent natürlich.

    • Tatsächlich? Wie liefere ich jemanden der FB-Werbung aus, der NICHT auf den LIKE-Button klickt? Das klingt für mich doch ein bisschen zu sehr nach Magie. Ich wüsste auf jeden Fall gerne mehr darüber.

      • truetigger sagt:

        @Eberhard:

        Ich hab mir mal die Cookies angesehen, die ich allein durch das LADEN dieser Seite an Facebook übermittle.

        Da steht MEINE Identität auf Facebook drinnen, die sich Facebook einfach von meinem letzten Facebook-Besuch gemerkt hat. Sie wissen – im Gegensatz zur ZIB21 -, welcher Name hinter dem Leser steckt. Ohne Kommentar, ohne Like.

        datr=1259678304-54b09d6b56e81d2a69f9b13dace35ca69183fe87fe0a058729e4b;
        lu=ggQ744swc_SqC3T7Xm8lK4Ug;
        c_user=100000860945257; <= das bin ich
        sct=1284620492;
        sid=1;
        xs=558cc45a9c59aece2da49263f8fcefce;
        locale=en_US; <= das ist meine Facebook-Sprache
        cur_max_lag=20;
        e=n;
        presence=DJ286368575BchADhA_2250.channelH1_5dBF286368577299B
        ptMvisMblsMblcMsndMbloMbvtMctMsbPBtA_7bQBfAnullBuctMsA0QBblADacMutMUQQQ;
        x-referer=http%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fplugins%2Flike.php%3Fhref%3Dhttp%
        253A%252F%252Fwww.zib21.com%252F12468%252Febelau%252Ffacebook-wie-zynisch
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        Dlight%23%2Fplugins%2Flike.php%3Fhref%3Dhttp%253A%252F%252Fwww.zib21.com
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        26amp%3Bwidth%3D570%26amp%3Baction%3Dlike%26amp%3Bcolorscheme%3Dlight;

    • truetigger sagt:

      Danke für den Hinweis – war mir noch gar nicht bewusst, wie dieses „Like“ arbeitet:

      Es wird ein IFrame eingebunden, der auch ohne Aktion des Benützers und ohne JavaScript den Facebook-Server kontaktiert. Da der „normale“ Benützer sowieso mit dem gleichen Browser im Facebook angemeldet ist, wird auch die BenützerID mitgeschickt (als Cookie).

      So bekommt Facebook allein durch das Anschauen der Seite mit:
      * wie oft wird der Artikel gelesen?
      * wieviel % der Leser klicken auch auf „like“?
      * ist der Leser ein Facebook-Nutzer, wenn ja welcher?

      Wenn man bedenkt, wie weitverstreut diese „Like“-Buttons sind, wird einem ganz schwummrig – ganz und gar ohne Vorratsdatenspeicherung liefern wir Nutzer jede Menge Informationen über uns freiwillig an Facebook, die nach Belieben ausgewertet werden können :/

      Theoretisch sollte man einen eigenen Browser nur für Facebook und einen anderen für den Rest des Internet nutzen, so dass Facebook-Cookies nicht ÜBERALL mitgesendet werden.

  • truetigger sagt:

    Bei Facebook zeigt sich, wie mündig die freien Bürger wirklich sind:

    Aus Sicht der informellen Selbstbestimmung betrachtet müsste man Facebook meiden wie Luzifer das Weihwasser – allein das Wissen, dass wir dort unsere Freundschaftsnetze offenbaren, dass an unseren Klicks ablesbar ist, mit welchen Freunden wir mehr und mit welchen wir weniger private Nachrichten tauschen, welche uns so wichtig sind dass wir zu jedem Beitrag etwas kommentieren und was uns am Arsch vorbeigeht. Dazu kommt mit dem psychologisch genial gelungenem „Like“-Button die freiwillige Herausgabe unserer Interessen… Man kann eigentlich nicht gleichzeitig auf Facebook aktiv sein UND gegen Billa-Vorteilskarten argumentieren.

    Anderseits ist das Produkt Facebook faszinierend. Man teilt Fotos, organisiert Events, bleibt mit Freunden soviel besser in Kontakt als vorher via Mail oder Telefon, bekommt interessante Links und Videos genannt. Es macht einfach Spass.

    Insofern sind die eigenen Grenzen, die man zieht, vermutlich immer willkürlich. Für mich verläuft sie bei „Facebook-Login und Facebook-Like-Buttons gehören NUR auf die Facebook-Seite“. Meine Facebook-Identität will ich nicht mit der Zib21-Identität vermischt sehen, beide sehen von mir nur Ausschnitte meiner Persönlichkeit.

    Daher kann ich der Entscheidung „kein Facebook-Login“ nur zustimmen, das macht mir ZIB21 nur sympathischer.

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