Jetztzeit

Reality-Check: die Gegenwart in Wort und Bild

Netzzeit

Geschichten aus dem Leben mit dem Netz

Sexklinik

Alle Zeit bereit: Quality Time zum Thema Nummer Eins

Auszeit

Kultur & Freiheit: Doping zur Bewältigung des Alltags

Denkzeit

Die Welt ist kompliziert. Reden wir darüber

Sie sind hier: Home » Wort zum Sonntag » Gladius 56. Der Tod der Toleranz
Share

Gladius 56. Der Tod der Toleranz

Von | 19.09.2010, 16:31 | 13 Kommentare

Modemuster kleinkariert: Es war mal gut zu wollen, dass es das alles gibt was es gibt. Aber mit Weltoffenheit machst du heute keinen Staat. Ein paar Monate in der Weltfremde sind was Wunderbares, aber gut, irgendwann muss Schluss sein, irgendwann sollte auch wieder ein Sonntagswort her, meinten die Leute von zib21 und wer bin ich, […]

orient-okzident by Daniel Weber, Lizenz: CC Attr. 2.0 Generic

Modemuster kleinkariert: Es war mal gut zu wollen, dass es das alles gibt was es gibt. Aber mit Weltoffenheit machst du heute keinen Staat.

Ein paar Monate in der Weltfremde sind was Wunderbares, aber gut, irgendwann muss Schluss sein, irgendwann sollte auch wieder ein Sonntagswort her, meinten die Leute von zib21 und wer bin ich, um da nein zu sagen, was fange ich mit dem Wort nein an? Herzlich wenig in Wahrheit.

Mir fiel es immer schwer, nein zu sagen. Nein schränkt ein, nein macht klein, und ich wollte immer offen sein. Aus Prinzip. Ich wollte immer, dass es das alles gibt, was es gibt. Ich war immer für Toleranz. Für zulassen. Nur ist Toleranz heute das große Auslaufmodell.

Das Modemuster ist kleinkariert. Das ist überall so, in der ganzen Welt, und weil dem so ist, kann man etwa im Fernen Osten mit dem absurdesten Detail beginnen und landet dennoch bald bei uns und dem, was hier Sache ist.

In Malaysia verboten: Red Devils. Foto: maxymedia, Lizenz: CC Attr.-NC SA 2.0 Generic

Zum Beispiel Malaysia. Sie haben sicher gehört, dass dort jetzt das Tragen der Manchester United-Hemden verboten wurde. Warum? Weil es „gefährlich und anti-islamisch“ sei. Wieso das? Ganz einfach, erklärte ein Minister: Weil da das Vereinswappen mit dem roten Teufel drauf ist und der Teufel ist der Satan und der Koran verbietet diesbezüglich jede Annäherung. Also nein zu den Red Devils.

Absurd, nicht wahr? Und es ist ja nicht so, dass die Malaysier die sturen unter den Muslims sind, die sind im Iran und in Afghanistan. Die Malaysier sind die offenen, die Hippies unter den Muslims, warum machen die das jetzt? Nun, sagen sie, wir haben damit nicht angefangen. Das war doch der Westen, oder? Nein zu Minaretten und Moscheen, nein zu Burka und so weiter …

Stimmt. Und mittler Weile in großem Stil. Wenn irgendein Rechtsradikaler in einem Zwergstaat sich ans Kruzifix klammert und einen auf Kreuzritter macht, ist das nicht notwendiger Weise ein globales Problem. Aber wenn Präsident Nicolas Sarkozy in Frankreich auf Burkaverbot pocht, schlägt das Wellen.

Nun hat sich etwa die wunderbar wortfrontale Sandra Kreisler auch hier auf zib21 für das Burkaverbot stark gemacht. Weil die Burka frauenfeindlich sei, ihnen Persönlichkeit und Freiheit und Menschenrechte nehme etcetera. Ich bin gegen so ein Verbot. Erstens prinzipiell. Weil man tragen dürfen soll, was man tragen will. Diese Entscheidung sollte also auch den betroffenen Frauen überlassen werden. Die werden sich aber bis auf weiteres hüten, optisch auf Westen zu machen. Warum? Weil sie sich in ihrer traditionellen Tracht in ihrer Community sicherer fühlen, oder sagen wir: weniger gefährdet. Warum? Weil sie dem Staat als Schützer ihrer Rechte nicht trauen. Woher denn auch?

Warum macht Sarkozy das? Kleinwüchsig, daher tendenziell größenwahnsinnig? Könnte hinkommen. Aber im modernen Sprachgebrauch nennen wir sowas eine „populistische“ Maßnahme. Stimmenfang. Und was ist heute populärer als Xenophobie? Nichts. Deswegen ließ er nun auch die Roma und Sinti rausschmeißen (wenn Sie auf die roten Buchstaben klicken, finden Sie einen 20-Minuten-Report von Al-Jazeera dazu). Schlecht für die Haltung, gut für die nächsten Wahlen. Populismus eben. Leider verträgt sich der mit Toleranz wie der Hund mit der Katz. War immer so. Wär doch mal eine Idee, nicht wahr, wenn Populismus auch das wär, was unser Rückgrat stärkt. Aber davon kannst du nicht einmal träumen. Je davon geträumt? Ich nicht. Wenn ich träume, bin ich nachher immer froh, wieder aufgewacht zu sein. Und das will was heißen, bei so einer Realität.

Inzwischen, in Deutschland, schrieb Terence Lennox in seinem gescheiten Blog über Sarrazin, habe es die Linke verabsäumt, das „Migrationsproblem“ zu adressieren, das sei den rechten Zündlern überlassen worden. Aber wie adressiert man ein Problem, das nicht das Problem sein kann, weil Abschieben keine Lösung ist, weil humanistische Haltung nun mal wichtiger ist als Lebensraum-Paranoia, weil globales Denken auch in lokales Handeln einfließen muss? Indem man zunächst die Probleme der Migranten ortet, was sonst, und hier geht es immer um zwei Begriffe, nämlich Respekt und Co-operation. Das ist es, was sie wollen, und so ein Prozess beginnt mit dem notwendigen Minimum an Toleranz. Aber wer wagt das zu adressieren? Nur politische Selbstmörder. Und Grüne Politiker im Burgenland, eventuell.

Aber soll man nun xenophobe Zündler thematisieren oder sie doch besser totschweigen? Eindeutig zweiteres. Man muss die Straches ignorieren. Immer. Nur nicht reagieren wie der Pavlov´sche Hund. Das sollte nun klar sein, seit es ein US-Pastor mit genau 50 Anhängern über Nacht auf die Titelseiten von 50 Tageszeitungen brachte. Wie das geht? Sag einfach „Koran verbrennen“. Na gut, das sagte er auch schon vor Jahren. Nur hörte da keiner hin. Aber heute ist es den Zeitungen massenhaft Druckerschwärze wert. (Hab ich schon mal erwähnt, dass mir beim Lesen von Zeitungen immer häufiger übel wird?).

Kurioser Weise übte sich Präsident Obama  ausgerechnet in diesem Fall in phänomenaler Toleranz. Weil es da um die amerikanische Verfassung ging. Weil der Pastor Rechte hatte. Ein Präsident, der tausende Soldaten nach Afghanistan schickt, damit der Taliban Amerika nicht gefährlich wird, „bat“ den Pastor nur, den Koran doch bittschön nicht zu verbrennen. Inzwischen, in Afghanistan und Pakistan, löste dieser Pastor ein neues Sympathie-Hoch für den Taliban aus.

So bekommt Toleranz auch unter ihren Verfechtern einen schlechten Namen. Ist sie noch zu retten?

13 Kommentare »

  • Vielen Dank für das „wunderbar wortfrontale“, dennoch möchte ich gerne zwei Dinge klarstellen: Zunächst mache ich mich in erster Linie dafür stark, dass Europa in der Burkafrage mit einer Zunge spricht. Denn letztlich geht es um ca 5000 Menschen in ganz Europa, die davon persönlich betroffen sind – es ist also eine politische Frage mehr als eine persönliche – für mich jedenfalls.
    Und zum Zweiten liest sich der Absatz darüber ein wenig so, als entschieden die betroffenen FRAUEN darüber, was sie anhaben. Dies ist allerdings in der Überwiegenden Mehrheit der Fälle nicht so. Bei der Burka. Ganzkörperschleier mit Gitter vor den Augen, remember?
    Ich finde ehrlich gesagt Argumentationen immer ein wenig billig, die den Unterschied zwischen Kopftuch und Burka NICHT deutlich kenntlich machen.

    Und dann kann ich die Gelegenheit noch benützen, um ebenfalls zu sagen: Verbote zeugen häufig von Angst. Ich finde es wichtig, dass Europa Profil zeigt – „anything goes“ ist wischiwaschi in Zeiten, wo man sich stark machen muss um nicht unterzugehen. Weltpolitisch gesehen. ABER: Alles und jedes vorzuschreiben ist auch kein Profil sondern einfach nur repressiv (siehe islamistische Länder – eigentlich: alle dezidiert irgendwas-istische Länder).
    Die ausgewogene, mutige und freie Mischung machts.

    • Lina sagt:

      Hallo Frau Kreisler, danke für Ihre Meldung, genau das ist der springende Punkt, wenn ich auf dem Brunnenmarkt eine Frau mit Ganzkörperschleier sehe (wie erst kürzlich gesehen), bin ich jedesmal verwirrt und entsetzt. Es ist ein Zeichen der Entrechtung der Frauen, ihrer Unsichtbarmachung. Die Burka ist ein politisches Symbol, ein Symbol des politischen Islam. Die meisten Frauen tragen sie nicht freiweilig, sie wird ihnen aufgezwungen, dasselbe gilt für das Kopftuch, nicht umsonst ist in der Türkei das Kopftuch in öffentlichen Räumen verboten. Viele Türken sind dafür, vor allem auch Frauen! Sie haben Angst vor den Fundamentalisten!

      • äh…liebe Lina, beim Kopftuch ist das – vor allem im Westen – durchaus anders. Meiner persönlichen Erfahrung nach. Es gibt zunehmend junge Frauen, die sich bewusst für das Kopftuch entscheiden, oft gegen den Willen ihrer Eltern. Sie wollen damit ein besonderers Statement setzen, und ich meine: das sollten sie auch dürfen.
        Soweit ich weiss, ist es in der Türkei auch nicht „in öffentlichen Räumen“ verboten, sondern bei öffentlich Bediensteten (und grundsätzlich KANN es an Universitäten verboten werden) – was übrigens vom Europäischen Menschenrechtsgerichtshof als zulässig anerkannt wurde.
        Ich persönlich finde: Kopftuch okay – aber nicht bei öffentlich Bediensteten. Ebenso meine ich, dass Kreuze, Kippas und andere religiöse Symbole grundsätzlich während einer von öffentlichen Geldern bezahlter Tätigkeit (also Beamte, Lehrer etc) nicht getragen werden dürften, und dass sie auch in Schulzimmern keinen Platz haben (Schüler ok – Lehrer oder Wände nein) Denn das ist dann eben nicht mehr privat – Religion hat aber Privatsache zu sein.
        In jedem Fall aber wird es Zeit, dass Europa da mit einer Zunge spricht. :-)

        • Frater Gladius sagt:

          Mit Respekt: Beim Kopftuch kann ich Ihnen nicht folgen. Ich verstehe nicht, wie es mit Kippas oder Kreuzen verglichen werden kann. Ich kann das Kopftuch ohne Schwierigkeit als Modestatement verstehen. Die Kippa nicht (wär ja bescheuert, no?)

          Und zum „europäischen“ Gedanken: ist das nicht ein wenig überholt? Ist das nicht ein wenig allzu territorial (Lebensraum!), ein wenig nicht genug global gedacht? zum info-Fluss: ein Pastor aus UShinterwald will koran verbrennen – die Presse nimmt auf – Außenministerin Hillary Clinton reagiert – aufgebrachte Pakistanis attackieren DEUTSCHE stützpunkte in Pakistan (Tote, Verletzte) … da hilft ‚Europa‘-denken genau nichts. Ihr FG

          • Wie schön! Sie haben mich zum Lachen gebracht, vielen Dank. ;-)
            Das Kopftuch – zumal in dieser Gesprächlichen Konnotation, bzw. live: einschlägig gebunden – als modisches Attribut zu betrachten, deucht mich doch ein klein wenig realitätsverweigernd, excuse my french. Unhöflich ist sowas aber überdies auch, nämlich gegenüber der Trägerin, die damit etwas bestimmtes ausdrücken möchte.

            Und weiter: Ebenso, wie es tiefe regionale Unterschiede gibt – und wer wollte bezweifeln, dass die Mentalität eines Wörglers zutiefst anders ist als die eines Purkersdorfers, obgleich beide Österreicher? – eben so ist es auch ein Unterschied, ob ich die Dinge lokal betrachte, global, wirtschaftspolitisch, parteipolitisch oder geopolitisch.
            Geopolitisch wie wirtschaftspolitisch gesehen ist es meiner Überzeugung nach eine absolute Notwendigkeit, dass es ein starkes und einiges Europa gibt, dessen Bewohner sich neben dem Wörgler- und Österreichertum auch als Europäer verstehen und ebenso viel „Patriotismus“ und Kulturbewusstsein in dieses Gefühl legen wie in das Wörgler- oder Purkersdorfersein.
            Das ändert nichts daran, dass es Grenzenüberschreitende Ereignisse gibt – und teilweise sicherlich durchaus auch geben soll.
            Sonst ist irgendwann die Deutsche Botschaft (wie alle anderen Europäischen Botschaften) zwar vor solchen Zwischenfällen wie dem von Ihnen genannten gefeit, aber in dem Sinne, in dem das die Botschaft der Malediven auch ist: Einfach zu unwichtig. Keiner schimpft, keiner hilft, allen ist es wurscht was mit dem Land passiert – bestenfalls noch hinreisen und die Natur zerstören wird man dann, und auch das immer weniger. Und das könnte uns allen verdammt unangenehm auf den Kopf fallen. Dann ist es nämlich auch aus mit 2 Autos, Waschmaschine&Trockner, Flachbildschirm, Altersversorgung, Nahrungsüberfluss und Fernreisen. Bodenschätze haben wir nämlich nicht ausreichend, um für die restliche Welt interessant zu sein, und auch nicht – vor allem als einzelne Länder – genügend Bürger, um eine interessante Käuferschicht darzustellen.
            Eben dieses Europagefühl ist zudem bei weitem noch nicht „überholt“ – es ist im Gegenteil noch nicht ausreichend vorhanden – nicht zuletzt, weil die europäischen Regierungen nach wie vor „Europa“ oder „Brüssel“ gern als Reinwaschungsinstrument gegenüber den Wählern zuhause und als Abschiebeplatz für unliebsame Politiker verwenden.
            Dass es ein „Der Westen“ in den Augen mancher ungebildeter Randalierer in der muslimischen Welt gibt, die dann die deutsche Botschaft gleichsetzen mit amerikanischen Predigern ist nur ein weiteres Zeichen dafür, dass es eben bei weitem nicht „überholt“ sondern im Gegenteil noch nicht erreicht ist, Europa in den Köpfen als Weltpolitische Entität zu begreifen – und zeigt überdies auch, dass wir genau dadurch immer wieder unschuldig in Geiselhaft genommen werden bei Ereignissen, die von den USA ausgehen.

  • lizz sagt:

    ma – ist der single?

  • truetigger sagt:

    Sehr gelungenes Sonntagswort, Herr Frater!

    Zu Ihrer Frage: Ich lege grosse Hoffnungen auf die Kinder. Wer in einer globalen Welt gross wird, in der es dank Internet Kontakt zu diversen anders denkenden Menschen gibt, könnte den Teufelskreis der Kleingeistigkeit durchbrechen.

    Denn letztlich sind wir Alten zu egoistisch, um die Ernsthaftigkeit aktueller Probleme uns selbst gegenüber einzugestehen und mit der eigentlich notwendigen Energie alles Erdenkliche zu deren Lösung beizutragen: Klimawandel, menschenwürdige Wirtschaftssysteme und eben ein Leben miteinander statt sich von diversen Menschenfängern für offenbar nicht für alle durchschaubare Machtspiele einspannen zu lassen.

    Nur ist man mit den Straches der Welt ein wenig zu simplifizierend: auch die Politiker anderer Coleur bedienen gern diese Parolen, da braucht man sich die aktuellen Wahlkämpfe wie bei uns in der Steiermark oder in Wien nur anzuschauen. Es funktioniert ja auch so gut: Präsentiere den Menschen ein Bauernopfer, und sie hinterfragen die Verhältnisse nicht weiter.

    Grüsse aus Graz
    Tigger

    • Frater Gladius sagt:

      Danke für die Zuwendung, truetigger, und ich stimme Ihnen, erstens, zu: Der Jugend gehört die Welt und was für sie spricht, ist zunächst mal die Energie. Etwas verunsichert bin ich nur ob deren Interpretation des Zeitgeistes, ich hab einige junge Menschen gesprochen, denen es zunächst mal um das Lebensziel ‚Celebrity‘ geht und erst zweitrangig darüber, was sie denn nun anstellen sollen, um dieses Ziel zu erreichen.
      Was die ‚Politiker anderer Couleur‘ anbelangt, muss ich zugeben, da bin ich noch nicht so recht im Bilde, war ja lange weg, hab nur gehört, dass etwa die Roten gehörigen Scheiß bauen. Nur möchte ich auch meinen, dass etwaiger Populismus im Wahlkampf zum Zwecke des Stimmenfangs im Falle eines Wahlerfolgs dann unterschiedlich umgesetzt wird: Großparteien sind ein berechenbares Übel, beim Gedanken an die Kreuzritter wird mir schlecht. Ihr FG

  • karotterl sagt:

    frater, mein lieber, lag das schwert zu nah am wasser? sanft und resignierend bin ich selber dieser tage. ich erhoffte mir schon, net bös sein bittschön, einen tritt in den allerwertesten.

    ehrlich, dass war doch schon immer „unser“ problem. „unser“ jetzt als topf für linke besserwisserische kluge weitsichtige …ehschowissn.
    klar wissen „wir“ – auch wenn das geburtsdatum nicht für lebensnahe erfahrungen spricht – ganz genau, wohin hetzerei, kleingeist und dumpfbackentum führt. da woll ma net hin, keine frage. und drum predigen wir (bitte die anführungszeichen ab hier mitdenken…) toleranz allen, auch vertrottelten kleingeistern, gegenüber. weil wir (besonders große anführungszeichen bitte) ja ganz genau wissen, wie die armen dumpfbacken ticken und die armutschkerl halt nicht anders können.

    problematisch wird, wenn hochglanzpolierte exemplare der dumpfbackenabteilung aus konservativen interessen (der mensch gehört halt beglückt, damit er die elite nicht beim re(a)gieren stört)ministrabel werden. mit konservativem bildungssystem (ja, das ist dezent untertrieben, ich weiß) wunderbar aufbereitem mittel?stand und prolet?ariat, zum abschuss frei gegebenen berufsgruppen wie lehrer, öbb-beamte etc. und lockere feindbilder wie asylanten lässt sich doch am besten ablenken von den diversen mios, die flossen. zuviel berichterstattung über parteispenden? nagut, dann doch ein bauern-oder in diesem fall eher ein autoverkäuferopfer, weil der mizzi fällt grad nix mehr ein zu bösartigen asylanten und die frau kollegin im wahlkampf überholt sie eh grad rechts…

    und alle freun sich.

    kraut und rüben? ja klar. gemüsig halt. was ich aber sagen wollte, war: wer ist wirklich „dran schuld“? die rechten? die finden doch auch nur kanonenfutter, wenn die, die wirklich an den trögen sitzen genug körndl auslassen. und wer sitzt wirklich an den trögen? wer bestimmt die verteilung der mittel für bildung/wissenschaft/parteienförderung (nur um ein paar rauszupicken)
    ich hab ja schon ein paar frühlinge kommen und gehen sehen. und was mich am meisten nervt, ist die leise erkenntnis, die sich langsam aber sicher zu manifestieren droht: die wollten das eh nicht. das ist ihnen halt passiert. so wie im geisterhaus. die geister die ich rief…wer wind säht…wer sich mit schlangen ins bett legt….grrrrr

    verzeihns mir, verehrtester, wenn ich da jetzt gar so knäudelig meine gedanken auf den tisch knall. wenn ich nur das ende finden würd….

    herzlichst
    ihr im grunde, weils endlich wieder da sind, hocherfreutes karotterl

    • Frater Gladius sagt:

      Ein Genuss, wieder von Ihnen zu hören, karotterl, nur, was dieses Angebot eines Tritts in den Allerwertesten anbelangt, seien Sie doch so lieb und führen Sie mich nicht in Versuchung, man ist eh schon so verdammt hin und her gerissen von all diesem Info-überfluss.
      Sie haben mir nun ein sehr üppiges Potpourri an allen möglichen Gedankenfetzerln präsentiert, die allen möglichen Sorgen und Bedenken und Fürs und Widers begünstigende Erwägungen letztlich den Ausschlag geben könnten. Wenn diesen Entscheidungen aber im Kern das notwendige Minimum an humanistischer Haltung fehlt, dann sind sie für den Hugo. Wenn wir uns als ‚Menschen‘ definieren, dann liegt es auch an uns, der Darstellung von ‚Menschsein‘ eine Basis zu geben, mit der wir am Ende -also dem Moment des Beißens ins Gras – können. Wollen wir nicht die Macht der letzten Gedanken vergessen. Da lässt sich noch so einiges reparieren. Und diese Reparatur beginnt immer genau jetzt. Ihr FG

ZiB21 sind: unsere Blogger