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Being Österreicher: Es geht uns gut – zumindest in Zahlen

Von | 13.09.2010, 17:05 | Ein Kommentar

Der aktuelle Eurostat-Bericht ist da und sagt: Es geht uns gut. Wir sind nicht auffällig. Wir sind Durchschnitt. Wir sind so wie unser Bildungssystem.


Da Durchschnittlichkeit aufgrund eines durchschnittlichen Bildungssystems in diesem Land ohnehin als Kompliment verstanden wird, bleiben wir gleich bei den guten Nachrichte, die sich beim Querlesen des aktuellen Eurostat-Berichts aufklauben lassen.

Also: Mit seinem Bruttonnationalprodukt liegt Österreich innerhalb der EU an vierter Stelle – und damit deutlich über dem Schnitt der gesamten Union sowie der Eurozone. Die staatliche Verschuldung hält sich im Rahmen. Die Arbeitslosenrate ist eine der niedrigsten in der EU, nur die Niederländer sind noch besser beschäftigt. Einziger Wermutstropfen bei den ökonomischen Daten: Die Exporte sind im Vergleich zum zweiten Quartal 2009 um 19 Prozent eingebrochen und die industrielle Produktion um rund 15 Prozent – was allerdings allein auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen ist.

Auch die Demografie gibt keinen Anlass zur Sorge und liegt im europäischen Trend. Gut 55 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind zwischen 25 und 64, die Überalterung schreitet schleichend aber erkennbar voran, eine Geburtenrate von 1,38 Kindern pro Frau tut das ihrige dazu. Aber immerhin: Österreicherinnen sind im Schnitt noch immer unter 30, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. (Persönliche Erkenntnis: Nicht so viel in Bobo-Kreisen herumhängen, das verzerrt bloß die Realität) Ach ja: Die Lawinen von Migranten, die in unserem Land vor allem in Wahlkampfzeiten gerne herbei geredet werden, können diesen Trend auch nicht umkehren: Die Zahl der Asylanträge ist nämlich deutlich zurück gegangen. 2002 waren es 39.355. 2007 waren es nur mehr 11.920 – und davon wurden 41 Prozent abgelehnt.

Bleibt noch die Volksgesundheit. Ein heute in Österreich geborener Bub darf mit einer Lebenserwartung von 77,5 Jahren rechnen, ein Mädchen mit 83,1 Jahren. Alle erwartet ein nicht allzu fettes Leben (auch bei der Fettleibigkeit ist Österreich mit gut 40 Prozent Übergewichtigen bloß EU-Durchschnitt), viele davon das Rauchen. Bei den Raucherinnen liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld. Nur in Dänemark rauchen ebenfalls mehr als 30 Prozent der Frauen. Diese zweifelhafte Spitzenposition gilt übrigens noch mehr für die Altersgruppe 15 bis 24: Hier rauchen 45 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen. Die Frauen sind hier absolute EU-Spitze, die Männer werden nur von Esten und Ungarn knapp geschlagen.

So sieht also der Österreicher nach oberflächlicher Lektüre des Eurostat-Berichts: Er lebt trotz Schwächen im Bildungssektor überdurchschnittlich gut, kann sich über ein engmaschiges Sozialsystem freuen, wird beschäftigt und raucht, als wäre Tabak eigens für ihn erfunden worden.

Sein Wesen erschließt sich damit trotzdem kaum. Da muss dann schon eine empirisch fragwürdigere Methode her, die ich mir bei diesem Google-Alphabet von Boing Boing abgeschaut habe. Sie funktioniert so: Die nationale Google-Startseite ansurfen (also google.at), A eintippen, und den ersten Vorschlag von Google verwenden. Das ergibt dann A wie Amazon und ist vorerst enttäuschend, weil recht international. Aber zum Glück kommt dann das B. B wie Baumax. Und B wie Bauhaus. Das sagt dann eigentlich mehr über Österreich als gut 600 Seiten Eurostat-Bericht.

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