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Ready? Or Not! Der verhinderte Präsident & der Goodwill-Botschafter

Von | 07.09.2010, 22:06 | Kein Kommentar

Die Story so far: Wyclef Jean wollte Präsident von Haiti werden. Haiti-Fan Sean Penn war dagegen. Seither dominiert Schmutzwäsche. Es begann mit einem Disaster. Ende Februar dieses Jahres hätte der neue Präsident Haitis gewählt werden sollen. Das wurde von der Erdbeben-Katastrophe (12. Jänner) verhindert, die Wahlen auf November verschoben. Der Wiederaufbau von Port-au-Prince brachte nicht […]

Wyclef Jean by jdlasica. Lizenz: Creative Commons

Die Story so far: Wyclef Jean wollte Präsident von Haiti werden. Haiti-Fan Sean Penn war dagegen. Seither dominiert Schmutzwäsche.

Es begann mit einem Disaster. Ende Februar dieses Jahres hätte der neue Präsident Haitis gewählt werden sollen. Das wurde von der Erdbeben-Katastrophe (12. Jänner) verhindert, die Wahlen auf November verschoben.

Der Wiederaufbau von Port-au-Prince brachte nicht nur Helfer aus aller Welt auf die Insel  (der österreichische Fotograf Robert Brandstätter verdingte sich als Sanitäter, auch der Schauspieler Sean Penn krempelte die Ärmel hoch) sondern auch den geborenen Haitianer Wyclef Jean auf eine Idee: Warum nicht Präsident von Haiti werden?

Dass der Musiker schon lange mit der Idee liebäugelt, hatte er bereits vor Jahren mit dem Song „If I was President“ dokumentiert, und einige Argumente sprechen sicher für ihn. Erstens ist er wohl weltweit der populärste Haitianer. Zweitens: Was sollte schon schief gehen können? Die Insel ist ohnehin in Trümmern. Haiti ist in einem Zustand, da kann es nur bergauf gehen.

Also deponierte Wyclef (40) seine Kandidatur, schrieb einen vielbeachteten Blog über seine Beweggründe („mit dem richtigen Führer kann Haiti groß werden“ etc) und bereitete sich auf den Wahlkampf vor – zu dem er nicht zugelassen wurde, weil sich sein Leben vorwiegend in den Vereinigten Staaten abgespielt habe, wie es in der Begründung des Haiti Councils hieß.

Sean Penn (mit UNO-General Ban Ki-moon) in Haiti. Foto: United Nations

So weit, so noch kein Drama. Dafür sorgte erst Schauspieler Sean Penn, seit dem Erdbeben in Haiti als „Botschafter des guten Willens“ dauerpräsent (derzeit „the thing to do“ in Hollywood, die Jolie ist gerade als ebensolche in Pakistan im Einsatz). Penn stellte in mehreren Interviews die Motive des ehemaligen Fugees-Sängers in Frage, warf ihm vor, 400 000 Dollar der von Penn gegründeten Yele Haiti Foundation veruntreut zu haben (Wyclef dementierte) und überhaupt, wo war er denn in diesen Zeiten der Not: „Für uns in Haiti hat Wyclef vor allem mit Abwesenheit geglänzt.“

Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusehen, dass dies der Zeitpunkt war, da auch in der Welt der Celebrities die Samthandschuhe abgestreift werden. Die Retourkutsche Wyclefs folgte vergangenes Wochenende anlässlich eines Konzerts. Wyclef gab unter anderem seinen „President“-Song zum besten, mit geänderter Textzeile:

„I got a message to Sean Penn / maybe he didnt see me in Haiti / because he was sniffing cocain.“

So ein Poet aber auch. Und so vergesslich. Erinnert er nicht, dass zum Rüstzeug eines Präsidenten auch ein Minimum Noblesse gehört? Seltsamer Weise fühlte sich Penn zu einem Dementi genötigt: „Mister Jean“, schrieb er, „weiß ganz offenbar nicht, wie strapaziös die Arbeit für Haiti ist. Allein der Gedanke, das Immunsystem des Körpers durch illegale Substanzen zu schädigen, ist absurd.“ What a Gutmensch! Und hier der Clip zur Schmutzwäsche:

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