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Sexklinik News. Die Radikalfeministin, das Offene Paar & der Dosenöffner

Von | 02.09.2010, 1:39 | 14 Kommentare

Es gibt sexuelle Haltungen, die hältst du für schon lange gegessen. Nur lassen sie sich nicht unterkriegen. Drei Beispiele.

Isaiah Mustafa. Foto: Old Spice

Susie Bright, Flickr. Lizenz: Creative Commons

„Fragt mich alles, seid vulgär!“ Gegenwärtig geht es ihr wieder mal um das Wort „Cunt“ (Ami-Slang für Vagina). Das ist eigentlich schon seit ein paar Jahrzehnten abgehakt, aber gut, ein männlicher Leser ihres Blogs wollte es vor drei Tagen erneut wissen: „Wie kommt es“, fragte er, „dass Ihr Cunt sagen könnt, wenn Ihr über die weiblichen Geschlechtsteile redet? Wenn ich zu meiner Freundin Cunt sage, haut sie mir eine runter.“ Aber der so Angesprochenen war es nicht zuwider, also holte sie aus. Bis zurück ins Jahr 1230, als es in London noch eine Straße gab, die Gropecunt Lane hieß (Grapschfotzengasse).

Sie, das ist Susie Bright, 52 und – im Ernst! – die originale Sexpertin. Seit 30 Jahren redet und schreibt sie nur über Das Eine, und in der Tat hieß ihre erste Kolumne „Susie Sexpert“. Miss Bright ist eine Frau, „die man nie beschuldigen konnte, dass sie den Mund hielt“, wie es der Rolling Stone mal formulierte. Vor kurzem war sie auf Kurzvisite in England, da fiel sie mir wieder auf, als sie einen Reporter kürzer machte, der wissen wollte, warum ihr das ganze „talking bout sex“ nicht zuviel wird. „Wegen der Girls“, erwiderte sie. „Mir ist noch nie ein Mann begegnet, der nicht wusste, wo sein Penis war und wie man einen Orgasmus zu Stande kriegt.“ Bei Mädchen sei das ominös anders …

Und deswegen bleibe sie weiterhin im Einsatz. Unter anderem mit radikaler Aufklärung wie dieser (die auch schon ein paar Jahrzehnte auf der Rille hat)

„Wir glauben nicht an Monogamie“. Der Psychologe Christopher Ryan und die Psychiaterin Cacilda Jethá sind ein glücklich verheiratetes Paar. Zyniker würden da gleich mal reimen „er ist glücklich, sie ist verheiratet“, aber nein, es ist alles bestens mit den beiden. Sie haben gerade ein Buch raus gebracht, Titel: Sex at Dawn (Sex in der Dämmerung), in welchem sie menschliche Sexualität bis zurück in ihre prähistorische Wurzeln verfolgten. Und beim (persönlich verifizierten) Schluss angelangten: Monogamie macht unglücklich. Alte Knochen wie ich werden bei derlei Ansagen natürlich sofort an Zeiten erinnert, als man dem Gegenüber alles reindrückte, solange man nur zwischen die Beine seiner Gattin gelangte, aber wer hätte es gedacht, der Wälzer wird seriös diskutiert. „Monogamie“, duettiert das Paar, „ist wie der Entschluss, Vegetarier zu sein und zu bleiben. Eine löbliche Sache. Aber wenn du glaubst, damit glücklich zu werden, wirst du dich täuschen.“

„Stellt Euch vor, Ihr seid ich.“ Das Problem ist natürlich, dass wir, die männlichen Kurzweiler von nebenan, eben nicht ER sind. Aber hier kommt das tröstlich Ermächtigende: Wir können riechen wie er. Und, verdammt noch mal, haben das nicht auch schon die Leute von Pitralon vor 50 Jahren deponiert? Haben sie. Allerdings hat ER, ein Mann namens Isaiah Mustafa, mit diesem Uralt-Konzept dem Produkt Old Spice eine phänomenale Bonanza beschert. Die Old Spice-Clips gingen auf YouTube viral, der gute Mustafa selbst geriet in den Ruf eines ultimativen Dosenöffners. Hier ein Beispiel:

14 Kommentare »

  • rainer sagt:

    Er nennt seine Freundin ,cunt‘??
    Ich würde ihm auch eine runterhauen und eine Pfanne auf den Schädel dazu… diesem… cock.

    • Manfred Sax sagt:

      andererseits: schlag nach in lady chatterley´s lover, welch formidable rolle dort das wort in der inbrünstigen huldigung des wildhüters an seine lady spielt.

      • gertrude sagt:

        in England wird dieses Wort von Männern gegenüber Männern verwendet, wenn mann jemandem Missachtung aussprechen will – komm zu deinen eigenen Schlussfolgerungen…

        • Manfred Sax sagt:

          selbstverständlich ist das so. heißt das, dass man davon lassen muss, weil irgendwelche arschlöcher das wort mal gekapert haben?

          • gertrude sagt:

            Leider ja! Als sie meine Töchter mit diesem term of endearment beschimpft haben, hat es mir gereicht.
            Und wenn du hier das F-wort hörst, dann taugt’s dir auch in Oesterreich nicht. Übrigens, hier ist etwas zum damit Spielen – gibt’s ein Wort für ‚wanker‘ auf weiblich? Auf Englisch meine ich – von Deutsch wollen wir noch nicht einmal reden… ich bin zum Schluss gekommen, dass es das Problem nicht gibt …

            • Manfred Sax sagt:

              bitte nix böses über wankers! die wissen, was sie tun. aber beim geschlecht des weiblichen geschlechts, nun, da werde ich verliebt. leider bin ich da etwa bei „vagina“ on the road to nowhere, so to speak. ist mir zu klinisch. bei „cunt“ werd ich ganz sentimental, betört sowieso. das wort hat intimen geruch …

            • Wolfgang P sagt:

              @ gertrude. unser F-Wort kommt aus der bekannt sinnlichen, deutschen Gynäkologie- Sprache und steht ganz banal für Frauen Unter Teil), ist grammatikalisch eher als sächlich einzustufen, „der“ Teil wäre problematisch. im allgemein deutschen Sprachgebrauch haben wir da schon eine Fülle von -allein phonetisch besser entsprechenden – Termini (Fotze- lateinscher Ursprung:lippen), Möse (biologischer Ursprung: feuchtbiotope), Feige (kulinarischer Ursprung…)
              Spass beiseite, bei einem so sozialpolitisch wichtigen Organ muss man schon streiten, diskutieren, aber auch verehren, jubilieren und schwelgen dürfen…. DrDr P – Sexualtherapeut i. R.

              • gertrude sagt:

                tröstlich, dass sich die Herren der Schöpfung bei uns besser auskennen als wir selbst … da habt ihr offensichtlich seit Freud was dazugelernt – oder vielleicht doch nicht?

              • saxo lady sagt:

                werteste birgit, das ist n männerthema. sosehr ich mich auch dagegen sträube, sowas überhaupt anzuerkennen :D
                was hab ich nicht mit meinem angetrauten schon darüber diskutiert. die verehrung des geschlechtlichen…meistens ja des eigenen…ist dem manne imanent. und unterscheidet ihn…ob löblich oder fahrlässlich sei dahin gestellt…vom weib.
                seis drum. wir verehren und verehren „ihn“ wegen allerlei anderem. und genießen das geschlecht.

                • Manfred Sax sagt:

                  wollen wir nicht vergessen, dass seine aggressive verwendung der worte von der enge seines herzens herrührt. vom bewusstsein seiner ohnmacht, ihre natur mit seiner ratio nicht (mehr) kontrollieren zu können. einem controlfreak – der er nun mal war oder ist – macht das angst. und zur idee einer entsprechenden kommunikation – der positiven vermittlung seiner natur – fehlt ihm der link. der ist im laufe der vergangenen jahrzehnte meier gegangen …

                • saxo lady sagt:

                  herr sax, diese erfahrung kann ich nicht teilen. ich traf exemplare des männlichen geschlechts, die diesen link bezaubernd kultivierten.
                  ich sag doch…genießen ist das zauberwort.
                  die gemeinsamkeiten eh auch, aber die unterschiede noch viel mehr….

                • Manfred Sax sagt:

                  eh, saxo. ich bezog mich hier auch nur auf jene art mann, der diesen link nicht schafft. der in aggro sein ventil sucht

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