Jetztzeit

Reality-Check: die Gegenwart in Wort und Bild

Netzzeit

Geschichten aus dem Leben mit dem Netz

Sexklinik

Alle Zeit bereit: Quality Time zum Thema Nummer Eins

Auszeit

Kultur & Freiheit: Doping zur Bewältigung des Alltags

Denkzeit

Die Welt ist kompliziert. Reden wir darüber

Sie sind hier: Home » Netzzeit » Community News. Was Facebook-Freunde bewegt
Share

Community News. Was Facebook-Freunde bewegt

Von | 31.08.2010, 1:28 | Ein Kommentar

Von Sarrazin bis U2: Themen, die im Sozialen Netzwerk die Gemüter wärmen. Als „Thilo“ gilt in der hiesigen Umgangssprache jemand, dessen Intellekt nicht sonderlich hoch geschätzt wird. In seiner Inkarnation als „Sarrazin“ genießt er jedoch weithin maximale Aufmerksamkeit. Dem Publizisten Robert Misik war er unter der Prämisse „Die Freude, andere Menschen verachten zu dürfen“ einen […]

U2´s Bono by byerly 0503

Von Sarrazin bis U2: Themen, die im Sozialen Netzwerk die Gemüter wärmen.

Als „Thilo“ gilt in der hiesigen Umgangssprache jemand, dessen Intellekt nicht sonderlich hoch geschätzt wird. In seiner Inkarnation als „Sarrazin“ genießt er jedoch weithin maximale Aufmerksamkeit. Dem Publizisten Robert Misik war er unter der Prämisse „Die Freude, andere Menschen verachten zu dürfen“ einen beachtlichen verbalen Erguss wert, der Stoff für Debatten bot. Darin heißt es unter anderem: „ Herr Sarrazin behauptet also, die Zuwanderung von Muslimen macht Deutschland dümmer … Sarrazins Thesen sind verwirrt, hochnäsig, verletzend, gespickt mit verächtlichen Formulierungen und Ausdruck bizarrer Respektlosigkeit der Eliten gegenüber den „Losern“ … Wieso eigentlich muss so ein Machwerk, statt ignoriert zu werden, über den „Spiegel“ verbreitet, in Talk-Shows popularisiert werden, wieso erfährt ein derart krauser Kopf die Ehre, auf zwei „Zeit“-Seiten interviewt zu werden?“

Foto Thilo Sarrazin, Lizenz Creative Commons

Das Thema machte in der Folge auch im Sozialen Netzwerk Wellen, an jede Ansage schmiegten sich mannigfach Threads, ein habituell scharfzüngiger Poster bekannte, „mehrere Auszüge aus dem kopierten Sarrazin Buch gelesen (zu haben)“, um „feststellen (zu müssen), dass Sarrazin 1.) in weiten Strecken die Probleme erkennt 2.) dann aber eine biologisch-genetische Lösung parat hat, dass also 3.) Sarrazin eventuell ein Vetreter der Übermenschtheorie (ist) und dass ihm deswegen 4.) sofort das Handwerk gelegt werden muss.“

Querverweise wurden angestellt, in Germany soll es nun „in der deutschen Justiz den ‘du-Zuschlag’ (geben), also ein ‘Sie Arschloch’ (sei) rund 500 Euro billiger als ein ‘du Arschloch’“ – was die Rechtskosten gegebenenfalls erfreulich senken könnte, in Zeiten wie diesen. Wodurch auch diese Frage nicht mehr fern war: „ Wollen wir heute noch irgendwas kaputt machen? Irgendwas? Oder Irgendwen?“ Der Videoclip dazu wies nach Russland. (zum Lauftext bitte weiterscrollen)

Südlich von Russland wiederum gelangen wir mitten in einen Zustand namens Afghanistan, wozu der FB-site „Rethink Afghanistan“ nach der gestrigen Bilanz von 7 toten US-Soldaten, 6 toten Kindern – und vielen Toten unter den Zivilisten mehr – erneut einfiel: „It´s not working!“ , die militärische Präsenz der Nato nämlich, und nimm das doch bitte zur Kenntnis, Mister Obama. Ein Artikel, der wie immer hunderte erhobene Daumen sowie viele interessante Kommentare provozierte.

Inzwischen, im Alpenland, erinnerte ein grüner Landespolitiker: „ Am 2.9. beginnt die FPÖ offiziell ihren Wahlkampf in der Wiener Lugner-City. Wir wollen dem Verfolgungswahn und der Blut-und-Boden-Politik der FPÖ ein schönes Bild entgegensetzen. Bei uns walzern alle zur Musik von „Wiener Blut“, dem schönen Walzer von Johann Strauß Sohn – egal woher sie kommen, welche Religion sie haben oder ob sie keine haben, egal welche sexuelle Orientierung oder welches Geschlecht.“ – Gleichzeitig verbiss sich ein Kollege weiterhin bewundernswert gegen das Bettelverbot wie sich einst Don Q ausgerechnet gegen jene Richtung stemmte, aus welcher der Wind wehte.

Polanski & Kinsky by Tess

Ebenso hierzu Lande wurde die Fantasie eines Vatikan gepostet, welcher die Stirn zeigt, den Regisseur Roman Polanski zu verpflichten, „damit auch mal die Täterseite gehört wird“. Was einerseits großen Anklang fand. Zum Glück war dem Eintrag auch das Signal „SATIRE“ beigefügt, wodurch etwaige Missverständnisse zeitgerecht abgehakt wurden. „Puh, danke schön“, meinte eine Freundin erleichtert, „einen Moment dachte ich, der Joke wäre wahr.“

Last, but not least, wäre noch anzumerken, dass sich gestern Abend Fragen nach Restkarten für das Wiener U2-Konzert über das Netzwerk stülpten wie die Wimmerln über einen pubertären Boy. Verblüffend. Gibt es eine überschätztere Band als diese kreuzkatholischen Iren? Gibt es nicht. Und wer es nicht glaubt, gönne sich doch diesen Clip. Aber bitte, die einschlägige Szene in Ösi ist eben so karg, da müssen die Popfeste gefeiert werden, wann immer sie fallen. QED.

Ein Kommentar »

ZiB21 sind: unsere Blogger