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Gladius 55. Der Papst & die Priesterin

Von | 20.07.2010, 17:26 | 6 Kommentare

Vatikan lenkt ein: Weihe zur Priesterin doch nicht ganz so kriminell wie priesterliche Pädophilie. Das vergangenen Donnerstag vom Vatikan veröffentlichte Dokument hieß „Normae de gravioribus delictis“ (Bestimmungen über schwerwiegende Straftaten gegen Glaube und Sakramente), und eigentlich sollte es demonstrieren, dass es ab sofort ernsthaftere Konsequenzen hat, wenn sich ein katholischer Kleriker an jenen vergreift, die […]

Mother Bernadette & der Papst. Foto: wikipedia/Y. Hernsey

Vatikan lenkt ein: Weihe zur Priesterin doch nicht ganz so kriminell wie priesterliche Pädophilie.

Das vergangenen Donnerstag vom Vatikan veröffentlichte Dokument hieß „Normae de gravioribus delictis“ (Bestimmungen über schwerwiegende Straftaten gegen Glaube und Sakramente), und eigentlich sollte es demonstrieren, dass es ab sofort ernsthaftere Konsequenzen hat, wenn sich ein katholischer Kleriker an jenen vergreift, die sich nicht wehren können (bei anderen wagen sie es bekanntlich nicht). Die Opfer (zumeist Kinder und geistig Behinderte, die berühmte Köchin wird nicht erwähnt) können nun bis zum 38. Lebensjahr ihre Klagen gegen den Missbraucher geltend machen. Eine willkommene Geste, wenngleich sich die Übeltäter jetzt nicht in die Kutte machen müssen: Über etwaige Konsequenzen für die Missbraucher sagt das Dokument genau nichts.

Stattdessen wurde in Punkt 5 der „Normae“ ein Artikel quasi hinein gemogelt, der die „versuchte heilige Weihe einer Frau“ zur Todsünde erhöht. Dieser Abschnitt 5 lief anderntags weltweit so souverän mit den Schlagzeilen davon („Priesterinnenweihe so sündig wie priesterliche Pädophilie“), dass sich ein relativierendes päpstliches Dementi nicht verhindern ließ. Letzteres besorgte ein Monsignor Charles Scicluna, der nun einräumte, dass die Weihe zur Priesterin und Päderastie „nicht auf gleichem Straflevel“ angesiedelt sind. Pädophilie sei ein wenig übler.

Die Römisch-katholische Realität signalisiert seit Jahrzehnten natürlich anderes. Der Schutz der kircheneigenen Doktrin über Geschlecht und Geschlechtlichkeit wurde traditionell immer wichtiger genommen als der Schutz der minderjährigen „Schäfchen“. Während pädophile Priester weitgehend unbehelligt blieben, wurden kritische katholische Theologen stets verfolgt, ein unorthodoxer Gedanke zu Verhütung, Scheidung oder Sexualität reichte und der Geistliche war Ex-Geistlicher.

Dass das Thema Pädophilie weitgehend verdrängt wurde, führt in der kritischen theologischen Debatte meist zu einer simplen logischen Wurzel: „Die Pädophilie eines Priesters hat immer die Frage zur Folge, ob die zölibatäre Disziplin eine ganze Zunft von Männern überfordert.“ Eine Frage, auf deren Antwort man verzichten wollte und will, solange sie nicht befriedigend ausfallen kann.

Zumal das auch zur Frage führen muss, ob weibliche Priester der spirituellen Aufgabe nicht eher gewachsen sind. Aber da verharrt die katholische Kirche weiterhin bei den Erkenntnissen des Thomas von Aquin (13. Jh), wonach Frauen deswegen nicht Priesterinnen werden können, weil sie von minderwertigem Geschlecht sind. Punkt.

Und so ist die katholische Kirche unter Ratzinger weiterhin unbeirrt Richtung Sekte unterwegs, und die Frage ist unter  anderem: Wen kümmerts, welche Frau ist schon behämmert genug, katholische Priesterin werden zu wollen? Nun, abgesehen von Kindern, die das Recht auf besseren Schutz kümmern muss, eigentlich nur so weltfremde Geschöpfe wie Mutter Bernadette Mary Marley, die in einem anderen Leben Sinead o´Connor hieß und 1999 von einem Bischof der Irisch-orthodoxen Katholiken  zur Priesterin geweiht wurde. Die dem Papst Johannes Paul II) schon zuvor wiederholt mit „ketzerischen“ Aktionen Aufsehen erregend an die Nieren gegangen war (besonders eindrucksvoll anlässlich eines Auftritts bei Saturday Night Live, als sie Bob Marley´s „War“ sang und dabei ein Foto des Papstes zerriss). Die aber mit Liedern wie diesem auch bewies, dass sie mehr spirituelle Glaubwürdigkeit am kleinen Finger hat als ein Bischof unter der Kutte. Aber in Wahrheit ist der katholische Karren derart verfahren, dass man die ganze Kirche am besten ignorierte, wäre da nicht diese massive pädophile Brut, die nie einen Richter sah.

6 Kommentare »

  • Brigitte sagt:

    Die katholische Kirche ist doch ohnedies nur eine groß gewordene jüdische Sekte. Nur: Wen interessiert sie eigentlich? Die Brüder sollen machen, was sie wollen, so lange sie die Finger von unseren Kindern lassen. Ihnen gehören schleunigst, ich betone: schleunigst, die Lizenzen für Schulbetrieb und Jugendarbeit entzogen, weiters hätte ich gerne, dass die aktuelle Berichterstattung über die Herrschaften von der Innenpolitik in den Chronikteil, wo sie nämlich hingehört, verbannt wird.
    Und dann können sie machen, was sie wollen, von mir aus auch gerne die Priesterinnenweihe verteufeln (sic!). Frauen, die sich in dieser Kirche engagieren, sind meiner Meinung nach ohnedies nicht zu retten.
    Aber gut, ich hab´s leicht, mir fehlt jeglicher Anflug von Religiosität, ich finde das nur albern – und Orthodoxie jeglicher Provenienz sowieso eine der Geißeln der Menschheit.

    • Frater Gladius sagt:

      Ihre Worte in des Ösis Ohr, Brigitte. Sagen Sie das doch jener verblüffenden heimischen Mehrheit, die noch immer allmonatlich ihren Kirchenbeitrag abliefert. Warum tun die das? Verdacht auf Leben nach dem Tod? Ihr Gladius

  • saxo lady sagt:

    lieber frater.
    warum sollte eine frau so verrückt sein, kath priester werden zu wollen?
    gute frage. ich mein, das wär ja so. als würde man in den management-etagen frauen aufnehmen, die sich auch wie solche benehmen. als würde man apfelmost aus zwetschken machen wollen, als würde man den weg zum mond in litern angeben wollen…ist doch völlig idiotisch.
    der verein zur verteidigung der geistigen übermacht über die natur und natürliche vorgänge KANN ganz einfach nicht „verweiblichen“. oder „vernatürlichen“. er kann nur mit wehenden fahnen untergehen, weil er die zeichen der zeit nicht kapiert. gut so. wieviel auswirkung hat dieser verein noch, außer bei waffen-und kondomlieferungen?
    dort, wo spirituelle führung gesucht wird, findet sich mit sicherheit keine kath kirche. was nicht heißt, dass in den pfarren nicht längst auch priester ihren dienst tun, die mit dieser macht-struktur nix mehr zu tun haben (wollen).
    die zeit heilt alle wunden…auch die, die der angebliche sieg des geistes über die natur verursacht hat.
    es wird halt dann mal zeit zur versöhnung…
    herzlichst

    • Frater Gladius sagt:

      Ich hätt auch nix gegen eine vertöchterung einzuwenden. aber verzeih, saxo, ich muss mich jetzt wieder den noch drängenderen fragen des lebens widmen. was passiert, zum beispiel, wenn sich deine große zehe und deren nachbarzehe in den boden eines soeben von der flut verlassenen strandes krallen? Nun, der sand quillt zwischen den beiden zehen hervor … zum glück hab ich noch geraume zeit, mir über diesen sachverhalt diverse theorien zu zimmern. bis dahin verbleibe ich, Ihr FG

      • saxo lady sagt:

        lieber frater, ich will ja Ihre wohlverdiente einkehr nicht durcheinander wirbeln, aber es geschehen dinge.
        dinge, die es einem gladius wohl erlauben, sein schwert mal wieder auszupacken und geschichtsauffrischung zu betreiben. so ganz allgemeine natürlich. man könnte ja anfangen beim römischen wahlrecht und seine ausschlussverfahren, kurz stolpern über gelbe sterne im letzen jahrhundert und bei roten karten unserer zeit, die rote und schwarze deppen als nützliches abwehrschild gegen blaue paintballs verstehen, einsanden.
        nur so als kleiner hinweis aus der gemeinde, mein verehrtester und vermisstester.
        beste grüße
        saxo

        • Frater Gladius sagt:

          Danke für die Anregungen, liebe saxo lady. Allerweil, fiele miir in Erinnerung der Sonntage in den vergangenen 18 Monaten nicht alsogleich das Wort „Kelch“ ein. Aber wer weiß? Sag niemals nie wieder. Ihr FG

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