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Wie Mann fremdgeht und dennoch treu bleibt

Von | 15.07.2010, 15:51 | 37 Kommentare

Er sagt: „Für mich gibts nur dich.“ – Sie sagt: „Du hast eine andere.“ Sie hat recht. Trotzdem weiß er, dass er nicht lügt.

Was sie nicht riecht, das ist nicht. Illu: Tim Möller-Kaya

Es gibt Dinge, die ändern sich nie. Etwa, dass alle Männer von Natur aus monogam sind. Dem Partner treu bis in den Tod. Bis auf den kleinen Tod. Den zelebrieren sie gelegentlich in der Fremde. Mit einer anderen, wie viele Frauen glauben. „Du hast eine andere“, das könnte sogar der Mutter meiner Kinder einfallen, wenn ich mal um sechs Uhr früh ramponiert nach Hause finde. Und ich kann das bestreiten, so wahrhaftig, wie es nur Männer mit reinem Gewissen können.

Theoretisch gibt es natürlich Umstände, da lässt sich nichts bestreiten. Für den häufigsten Umstand existiert unter Männern das Kürzel „Chanel 5“, üblicher Weise als halblustiger Sager auf halbernste Fragen („Was hat sie angehabt?“). Dann kommt der Hinweis auf das Duftwasser, so unvermeidlich wie das konspirative Gelächter danach.

Der Punkt ist: Man darf nicht nach Chanel 5 riechen, wenn die Partnerin auf – z.B. – Ysatis schwört. Chanel ist ein Saft, der ein Weib zum Weibchen verputzigt. Ysatis ist mehr so ein „Keine-blöden-Sprüche-bitte“-Parfüm. Chanel und Ysatis sind wie Hündin und Katze, das weiß jede Frau.

Der Mann weiß wiederum, dass Trottelhaftigkeit kein Entschuldigungsgrund – und Indiskretion jedenfalls schlimm ist. Du kannst nicht in der Fremde flanieren und sie nicht abstreifen, ehe du in die vertraute Umgebung wiederkehrst. Du kannst nicht den Geruch der einen Welt mit der Nase der anderen konfrontieren. Das wäre skandalös. Verrat, eigentlich.

Klar, mann sollte sich vor der Rückkehr wenigstens duschen. Nicht nur aus Gründen der Spurenvernichtung. Die Reinigung geht tiefer, katholisch gesehen ist die Wirkung wie jener Sprung in den Jordan anno Täufer Johannes. Wie Gehirnwäsche.

Der Fremdgang ist vielfach besungen, Frank Sinatra nannte es „strangers in the night“, Lou Reed einen „walk on the wild side“, angesprochen fühlen sich alle, sogar der Jedermann, dessen zivile Welt in Ordnung ist, die Karriere okay, mit der Partnerin alles bestens. Das Leben läuft wie auf Schienen, so reibungslos in der Tat, dass dich mitunter die Unrast plagt. Eine nicht unattraktive Energie, die nicht weiter hinterfragt werden muss. Mann weiß ohnehin, was sie bedeutet. Es wird ein Weib sein.

Beim Warum fürs Tun gehen die Motive auseinander. Wenn Frauen fremdgehen, erzählen mir Frauen, suchen sie eigentlich sich selbst. Eine Bestätigung ihrer Weiblichkeit, einen wiederbelebenden Beweis. Die Umstände wollen es, dass ihr Mann für gewisse Stunden dann irgendein Hans oder Peter ist. Ein Individuum mit Gesicht und Namen und vielleicht sogar mit etwas History. Die Fremdgeherin lebt also eine alternative Beziehung im Kleinen, in ihrer Welt, der einen.

Für solche Scherze ist der Mann natürlich viel zu monogam unterwegs. Daher läuft dasselbe bei ihm ganz anders ab, jedenfalls im Hirn. Er verlässt seine alte Welt zwischenzeitlich zu Gunsten einer mystischen, wo er Entdecker und Huldiger ist. Wo er tut, was er seit Jahrtausenden macht – er sucht den Schöpfer. Banal nur, dass der momentane irdische Repräsentant des Schöpfers ein paar Zentimeter unterhalb seines Nabels angesiedelt ist. Und Zufall, dass es „das Weib“ ist, das ihm zeigt, wo er wohnt. Allerdings nicht irgendein Weib. Es mag heute brünett sein und morgen blond – für ihn ist es immer dasselbe Wesen. Die Frau an sich. Sie hat keinen Namen, oft erinnert er später nicht einmal ein Gesicht, es sei denn, ihre Lippen waren unvergesslich. Aber sonst ist das Weib ganz Leib. Eine Huldigungsstätte, eine Kirche.

Und so kann ein Mann fremdgehen und dennoch treu bleiben: Es gab und gibt keine andere. Keine Simone oder Gretel oder sowas, keine Person. Ich war lediglich beten, Darling, und dein Verdacht ist wahrhaft absurd, Zeus ist mein Zeuge.

So will es die Regel. Dumpfbacken, die den Weihrauch ihrer Kirche mit dem Chanel einer anderen beleidigen, sind nur die rücksichtslosen Ausnahmen.

37 Kommentare »

  • Marissa sagt:

    Hallo,

    Untreue kommt überall vor. Aber wenn man das Internet durchstöbert, kommts einem doch arg so vor, als ob die Männer als Fremdgeher überwiegen. Jedenfalls, wenn man die Frauen so in den Foren hört, mit ihren Geschichten. Und wenn es nicht so wäre, würde es dann so Sach wie http://www.wen-datet-er-noch.de geben????

  • miko sagt:

    ich glaube nicht, dass der Mensch dazu geschaffen ist auf ewig treu zu sein.
    ich glaube vielmehr dass es wahre Liebe und Treue nur unter Papageien gibt, denn wenn diese sich einmal gefunden haben bleiben sie wirklich ein Leben lang zusammen.

  • autumn sagt:

    Noch vielen Jahren Ehe fängt jeder Mann an, an sich zu zweifeln, vorallem, wenn er denkt, einiges läuft schief in der Ehe, Trennung kommt jedoch nicht in Frage.
    Beste Grüße

  • Brigitte sagt:

    Ach was. Es ist bei Männern und Frauen genau gleich: Sie gehen fremd, um zu erobern/sich erobern zu lassen. Um ihr Selbstvertrauen aufzumöbeln. Jemandem eins auszuwischen. Einen fremden Geruch in die Nase zu kriegen oder fremde Haut zu schmecken. Manchmal aus einem dieser Gründe, manchmal aus allen zugleich. Einen Unterschied herbei zu reden, der gar nicht existiert, und den Seitensprung/ die Affaire mythisch zu überhöhen, ist absurd.

    • Manfred Sax sagt:

      Einspruch: Ein Mann, der richtig tickt, hat Sex, um zu entdecken. Dazu braucht er keinen Seitensprung, solange ihm die Partnerin beim Sex die Frau schlechthin bleibt. Die zu verstehen, gelingt ihm in einem ganzen Leben nicht. Dies ist also nicht der Versuch einer Überhöhung, eher der einer Unterhöhung. Ihr sax

      • Susanne sagt:

        die Frau, das unergründbare Wesen..
        das heißt also „sei ein Vollweib im Bett, dann bleibt er dir“..eigentlich eh ganz simpel..

        • Brigitte sagt:

          Uuuhuu, „die Frau schlechthin“. Wenn ich das lese, krieg ich den Spontanpruritus.
          Kann man mir erklären, was das heißen soll, bitte? Wenn sie mitmacht? Wenn sie mitmacht, wann immer er will, es braucht, danach verlangt?

          • Susanne sagt:

            ja aber wenn´s der richtige Mann ist, will Frau doch eh nicht mehr raus aus dem Bett..

          • Manfred Sax sagt:

            hm. wollt grad schreiben, das wort „schlechthin“ hab ich nie verwendet. seh aber, hab ich doch. schlimm. apologies. gemeint ist: die frau, die sie ist, nicht die soziale person, die einen namen und gesellschaftlichen background hat. ja, ist objektivierung. ist nicht pc. aber wer braucht politische korrektheit im bett?
            aber was meinen Sie mit „mitmachen“ und „wann immer er will“? dass sie irgendeinem absurden rollenbild gerecht wird, das er haben könnte? meinen Sie da eine, die mit ihm sex hat, damit er „a ruah“ gibt? gibt es sowas noch?
            was sonst könnte er wollen als sie, die sie ist, in der erwartung, dass auch sie ihn will. sonst wär es keine kommunikation, und sex ist nun mal kommunikation (wenn auch jenseits von vernunft). wenn ihr nicht danach ist, wieso ist sie dann im bett mit ihm? Ihr sax

            • Brigitte sagt:

              Ja, Ihre erste Replik hat genau das suggeriert, was Sie im Eingangsabsatz da oben zusammenfassen, deshalb mein „Mitmachen“, mein „Wann er Will“.
              Mit allem Übrigen bin ich d´accord, wenn Männer wirklich so einfach gestrickt sind. Bei Frauen ist es – tendenziell – ein bisschen anders, glaube ich. Da muss auch abseits des Sex Eros vorhanden sein, um einen Seitensprung zu vermeiden.

              • Brigitte sagt:

                Ich sehe eben, Sie haben Ihre Antwort modifiziert. Meine Antwort gilt für die Erstfassung.

                • Manfred Sax sagt:

                  sorry. das war (in etwa, so weit ich erinnere): das wort „schlechthin“ suggeriert „Fuck. Der will jetzt, dass ich das Superweib raushängen lasse.“

                • Brigitte sagt:

                  Ich hab eine Verständigung zum Text der Erstversion bekommen. Dabei ging es um, nennen wir sie Martha und um 3 Jahrzehnte. Hat mir gefallen – das wollte ich nur gesagt haben.

  • Martha sagt:

    Das Problem mit Ysatis, Mister Sax, ist, dass es sich nach spätestens vier Monaten Flaschendasein in Katzenpisse verwandelt. Daher kleiden sich auch „Keine-blöden-Sprüche-bitte“-Frauen (wie ich) lieber in Chanel …

  • Werner sagt:

    mann geht nicht fremd, weil er nur anonyme huldigungsstätten vögelt? eine gfernzte ausrede.

    • Manfred Sax sagt:

      Katholisch-maskulines Gewissensmanagement, no?

      • Susanne sagt:

        Katholisch-maskulines Gewissensmanagement – ich verstehe nicht, warum so viel Wind um das männliche Fremdgehen gemacht wird. Ich meine, wenn mein Partner sowieso wieder zu mir zurück kommt, wo ist dann das Problem? Wegen den paar Spermien, die er bei der anderen gelassen hat??
        Ich muss mich da auf die Seite der Männer stellen, ich finde auch, dass er mit dem Duschakt auch den anderen Akt hinter sich gelassen hat. Und dann ist die Sache auch schon wieder gegessen. Wie schon gesagt, ich räume mir nicht das Universal-recht auf meinen Partner ein…
        lg
        Susanne

        • Manfred Sax sagt:

          Woraus natürlich folgt, dass Ihr Partner sich nicht das Universalrecht auf Sie einräumen sollte. Ich nehme an, Sie sind eine Verfechterin der „offenen Beziehung“. Aber kennen Sie Männer, für die sowas nicht nur ein Lippenbekenntnis ist?

          • Susanne sagt:

            Hm, wieso versteht mich denn niemand? NEIN, ich bin keine Verfechterin der offenen Beziehung. Wenn ich einen Partner hätte, wäre ich auch treu. Ich bräuchte das Herumbumsen mit anderen nicht. Aber ich fände es nicht tragisch, wenn er sich das Recht herausnehmen würde, fremdzugehen.
            Also: ich – treu, er – Seitensprung erlaubt..
            Können Sie das ein wenig nachvollziehen? Ok, vielleicht hab ich da tiefenpsychologisch Angst vor Bindungen oder so etwas , so könnte man es sicher auslegen..

  • AnjinSan sagt:

    Parfüm wird eh überbewertet. Duschen auch.

    • Manfred Sax sagt:

      schrieb schon Napoleon seiner Josephine: „Ankomme in drei Tagen. Wasch dich nicht …“

    • Susanne sagt:

      falsch, duschen wird nicht überbewertet, denn mit dem Duschen wäscht er auch das Parfum der „anderen“ ab, und somit ist er wieder „rein“..also kann er auch wieder ein reines Gewissen haben…meine Meinung…
      lg
      Susanne

      • Manfred Sax sagt:

        Und wenn er bei „der Anderen“ kein Kondom verwendet hat? Es gibt Dinge, die bereinigt keine Dusche …

        • Susanne sagt:

          nun, ich gehe davon aus, dass er bei „der anderen“ ein Kondom verwendet.Und auf die Spermien in diesem Kondom bin ich nicht neidig. Er hat ja noch genügend für mich übrig..

        • Susanne sagt:

          ..der Sax jun. hätte das so nie gesagt ;-)

        • Lina sagt:

          „Und wenn er bei „der Anderen“ kein Kondom verwendet hat? Es gibt Dinge, die bereinigt keine Dusche …“ eine der zentralen Fragen. Dazu würde mich ihre Meinung interessieren, Herr Sax.
          @Suanne, so kurz vor dem Lifeball, ich muss sagen Ihr Einwand ist etwas naiv, wieso sollte er ein Kondom verwenden, wenn es ohne mehr Spaß macht?

          • Manfred Sax sagt:

            das ist – für mich – recht einfach. Ich sehe Sex als Form von Kommunikation, aber unter Ausschluss der Ratio, die hindert mehr als sie hilft. Die gegenseitige Bedeutungsvermittlung passiert verstärkt auf körperchemischen Kanälen, und viele sind dort, wo das Kondom unterbindet. Das Kondom reduziert Sex auf eine Art Konsum, auf einen Freizeitspaß, es blockiert den Austausch von Körperflüssigkeiten, die, abgesehen davon, dass sie dir ein Baby bescheren können, auch Immenses zum gegenseitigen Verständnis der Körper beitragen, das die Ratio nicht schafft (MHK!). Das Kondom dämpft das Fühlen und Spüren gehörig, stempelt seinen Erfinder zum eingleisigen Dumpfgummi, wenn auch nur relativ, weil der Nachwelt, die es immerhin auf den Mond brachte, in den hunderten Jahren seit Erfindung des Kondoms beim Thema Verhütung offenbar nichts besseres eingefallen ist.
            Auch ist das Kondom was extrem Hässliches, der ganze Akt seiner Verwendung der Sexualität eigentlich zuwider. Ich hab es daher zumeist vermieden, seit Aids sehe ich auch keine bessere Alternative als Monogamie & Koitus Interruptus. Erstere ist langfristig erfrischend, solange die Partner ihre „soziale“ Verbundenheit im Bett ablegen und einander als „Weib“ und „Mann“ einschenken, entpersönlicht, wenn Sie so wollen (da kommen die Dinge, die eine(e) im Alltag nerven, nicht mit unters Laken). Und der Interruptus, nun, der kann so leidlich funktionieren. Ich selbst hab nur vier Kinder. Das ist relativ wenig, in Anbetracht der Jahre. Herzlichst, Ihr sax

  • st.georg sagt:

    irgendwann kommt immer die stunde der wahrheit – und dann musst du lügen, lügen, lügen!

  • saxo lady sagt:

    ts junior. echt. er sollte mal beim senior nachfragen, der sollte mittlerweile rausgefunden haben, dass das weibliche sichselbstsuchen nix anders ist, als das „gottsuchen“. und naja,,,dass frau mittlerweile die wege der männer ähnlich gut beschreitet wie männer (es zumindest versuchen) frauenwege (zu( beschreiten.
    schade? vermischung der geschlechter, fader einheitsbrei?
    ach nein. am ende steht doch immer das selbe.
    der mann und das weib
    und ehrlich, was gibt es großartigeres?
    ;)

    • Manfred Sax sagt:

      also sie, die jägerin – und er, der dann sagt, den körper kannst du haben, die seele kriegst du nicht?

      • saxo lady sagt:

        ja. gibts auch. so wie alle anderen spielarten. aber nur zwischendurch.
        am ende immer
        siehe oben…
        der frater weiß da sicher bescheid ;)

        • Frater Gladius sagt:

          Ich weiß nur, dass zu viel über Sex gequatscht wird. Ihr müsst machen, Kinder, machen!

          • saxo lady sagt:

            pfff billig. da erwart ich mir mehr.
            vielleicht ein paar peitschenhiebe oder ein paar tausend rosenkranz…aber die nummer mit kindermachen nimmt Ihnen doch niemand ab, verehrtester.
            herzlichst

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