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Nach dem G-20-Gipfel: Jeder bleibt sich selbst am nächsten

Von | 28.06.2010, 11:21 | 2 Kommentare

Das G-20-Treffen ist vorbei. Außer der Erkenntnis, dass auch Staatsoberhäupter Fußball schauen, war nicht viel. Leider. Ich weiß, England hat gegen die Deutschen verloren, Angela Merkel und David Cameron haben das im Fernsehen verfolgt, und das Match ist historisch gesehen sowieso furchtbar wichtig. Aber auch wenn Fußball-WM ist, gehören ein paar durchaus weltbewegendere Dinge zurecht […]

Das war‘s, Toronto. Foto: flickr.com/jbcurio, Lizenz: CC BY 2.0

Das G-20-Treffen ist vorbei. Außer der Erkenntnis, dass auch Staatsoberhäupter Fußball schauen, war nicht viel. Leider.

Ich weiß, England hat gegen die Deutschen verloren, Angela Merkel und David Cameron haben das im Fernsehen verfolgt, und das Match ist historisch gesehen sowieso furchtbar wichtig. Aber auch wenn Fußball-WM ist, gehören ein paar durchaus weltbewegendere Dinge zurecht gerückt. Der G-20-Gipfel in Toronto wäre eine gute Gelegenheit dazu gewesen.

Und die teilnehmenden Nationen haben sie lieber verstreichen lassen. Die Krise flaut – zumindest in den Köpfen – ab, die vor ein paar Monaten noch beschworene Einigkeit ist damit wieder futsch, die Staaten streben mit ihren Ansätzen wieder auseinander.

Das Resultat von Toronto ist abgesehen von Fotos mit brennenden Polizeiwägen drauf (den rund 30.000 friedlichen Demonstranten haben sich die üblichen paar Kaputtmacher angeschlossen), eher dürftig. Alle wollen mit ihrer Politik die Haushalte sanieren (sprich: die Defizite bis 2013 halbieren) und das Wachstum fördern. Die USA wollen dieses Wachstum nicht mehr wie in früheren Jahren durch ihr Leben auf Pump finanzieren. Und jeder wird es so machen, wie es ihm am besten gefällt – also entweder sparen oder weiter Schulden machen.

Und ja, die Banken waren natürlich auch noch Thema. „Wir sind uns einig, dass der Finanzsektor einen gerechten und substanziellen Beitrag für die Begleichung jener Kosten leisten sollte, die durch die staatlichen Eingriffe entstanden“, heißt es in der Abschlusserklärung. Einige Länder wollten eine Abgabe für Finanzinstitutionen erheben, heißt es weiter, andere nicht.

Soll heißen: Das war’s fürs erste. Nur über eine kleine Banken-Reform konnten sich die Teilnehmer verständigen. Alles weitere wird bis zum nächsten Gipfel in Südkorea aufgeschoben, der für November geplant ist.

So gesehen ist es vielleicht sogar dürftig, das Ergebnis des Gipfels als „dürftig“ abzutun. Der G-20-Gipfel war ein Flop, weil nationalstaatliche Dünkel einmal mehr die Einigung zur brennenden Frage unserer Zeit verhindert haben. Regulierung des Finanzmarktes? Ist doch egal.

Genau so egal wie das Thema Entwicklungshilfe. 7,3 Milliarden Dollar gehen in den kommenden fünf Jahren in Entwicklungsprojekte für die Gesundheitsvorsorge von Müttern und Kindern. Das ist wenig Grundlagenarbeit und Zukunftsvorsorge in einem. Fünf Milliarden dieser Gelder stammen von den reichsten Ländern dieser Erde, der Rest von privaten Institutionen. Allein 1,5 Milliarden macht die Gates Foundation locker, eine gewaltige Summe, die aber schon fast wieder einen schalen Beigeschmack hat – weil sie zeigt, wie spärlich das Engagement der G-20 in Bereichen wie diesen ist.

Aber wie gesagt: Wenn die Krise in den Köpfen abflaut, ist sich wieder jeder selbst der nächste.

Quellen und weiterführende Links

Bill Nighy in der Huffington Post: It’s up to Robin Hood to save the G20
ZEIT ONLINE: USA sind der Führungsrolle überdrüssig
Guardian: G20 banking reform agreed
New York Times: At Summit, Banks Avoid New Global Regulations
SPIEGEL ONLINE: Gipfel der halbseidenen Siege

2 Kommentare »

  • bruce sagt:

    mare hat recht, aber nur die Kleine Leute werden leiden, aber nicht alle. Die Entwickelte Laender, USA-Europa, werden der Sozialnetz abbauen muessen, um zu „sparen,“ aber die Kriege werden weiter gehen. Die Entwickelnde (sorry: developing) Laender werden aber mehr Netz, Services, (Insurance industry) Financial (Poison) und Consumer Economy bekommen, um die Geld da auszusaugen.
    Der Finanz Vampir braucht neue Blut, der setzt sich um, und der alte Leiche darf jetzt verwesen, ist der Plan. Die Chinese, Indians werden um den Oel Kampfen, one Billion new consumer Autos werden fahren, die Welt geht kaputt, wenn dieser „Plan“ ablaeuft. Wir muessen etwas machen, aber was? Die Armen der Welt wollen auch mal ihre Chance haben, alle diese Guete zu besessen!
    Auch, aus G-20, etwas anders: geheime, oder wenig bekannte Gesetze wuerden von den Behoerden eingesetzt, die machten oeffentliche Versammlung zu einem Verbrechen, und das in Kanada; die offentlichene Versammlungs Gebiete wurden als Faelle gestellt; Journalisten mit Presspaesse wurden trotzdem festgenommen; obvohl die Polizei haben die SchwarzMasken infiltriert, haben sie die Vandalismus nicht verhindert, aber, sieht so aus, absichtlich erlaubt. Um ihr Einsatz berecht zu machen. Fraunen in verhaftung wurden mit Vergewaltigung bedroht, nach Aussagen dieser Frauen on Video; und das war in liberalen Kanada. Pass auf, wenn das nach den USA mal kommt, noch mal ein Seattle gibt: die Microwellenhupschraueber werden fliegen, und die Schallkannonnen werden auf den Humvees fahren. Ja, HG Wells bin ich nicht, und auch kein Conspiracy Theory Guy. Griechenland ist klein und sie duerfen ihre kleine Riots ruehig haben. Hey, alle Polizeien die Welt: Hilfe, Polizei, hilfe, Polizei! Hilft uns alle zusammen, und nicht die Reichen? hey, befreunde ein Polizist(-in)Heute!

  • mare sagt:

    derzeit regiert nach wie vor, angst. angst vor veränderung und angst vor verantwortung. deshalb müssen diese alten strukturen fallen damit neue (endlich) geschaffen werden. wir alle werden dafür noch einen sehr sehr hohen preis bezahlen;-((

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