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Arigona von Hainburg

Von | 23.06.2010, 20:03 | 25 Kommentare

Arigona Zogaj kann die österreichische Gesellschaft in eine entscheidende Auseinandersetzung stürzen. Sie hat das Land vorgeführt wie selten jemand. Danke.

Arigona Zogaj. Foto: Manfred Klimek. Alle Rechte vorbehalten.

Ich habe Arigona Zogaj kennengelernt. Ich habe eine sehr natürliche Achtzehnjährige kennengelernt, die gerne Friseuse werden möchte, flirten möchte, ein schickes Auto fahren möchte, einen Freund möchte, der auch ein bisschen was verdient, frei sein möchte, in Österreich bleiben möchte. Weil es ihr da gefällt.

Arigona ist alles, was diese Generation ist. Sozial vernetzt, ein bisschen Porno, dabei schüchtern und sich selber schützend. Ein bisschen unsicher, wie es weitergeht. Generell. Bei Arigona, noch dazu, im Besonderen. Nachdem ich Arigona Zogaj getroffen habe, wünsche ich ihr einen Job, einen Mann und zwei Kinder, ein schickes Auto, eine Wohnung bei Linz, eine schöne Hochzeit, Urlaube an der kroatischen Adria, einen eigenen Salon, eine Scheidung, die nicht allzu weh tut, einen zweiten Mann mit 38, der sie auch mit den beiden Kindern aus erster Ehe nimmt, ein Haus am Land, eine Pension, ein sanftes Alter. Ich wünsche mir, dass Arigona Zogaj im Jahre 2057 auf einer Parkbank sitzt und das Profil aus dem Jahre 2010 in die Hand nimmt, wo sie „Mensch des Jahres“ war. Und dass sie dann ein bisschen stolz auf sich ist. Ich habe es zu etwas gebracht. In Österreich.

Wir Österreicher haben keinen Grund, auf uns stolz zu sein, auf unsere Gesetze, auf unsere Regierung. Mit der Familie Zogaj weisen wir jenen die Türe, die genau das tun, was man von Zuwanderern verlangt: Sie lernen die Sprache und respektieren die Verhältnisse. Arigona will arbeiten, Arigonas Mutter will arbeiten. Alle, inklusive der Kinder, wollen Deutsch lernen. Arigona spricht perfekt Deutsch, besser, als mancher Kärntner Politiker, der auf sein deutsches Blut stolz ist. Mag sein, dass es der Mutter schwer fällt, Deutsch zu lernen. Aber sie tut das Möglichste, es zu können. Noch drastischer formuliert: Arigona Zogajs Mutter würde auf Knien rutschen und den Linzer Hauptplatz mit der Zahnbürste reinigen. Wenn sie nur hierbleiben dürfte. Dieser Satz ist weniger obszön, als er klingt.

Obszön hingegen ist Maria Fekter. Sie empfiehlt Arigona Zogaj die Straftat einer Scheinehe. Nicht nur, dass man nach einem derartigen Zynismus in Deutschland zurücktreten müsste (und auch in Holland, Frankreich, etc..), nicht nur, dass sich Frau Fekter erdreistet, einer Drangsalierten einen derartig widerwärtigen Ratschlag zu geben, so wird diese Unerhörtheit auch vom Grinsekanzler und vom Klogeh-Präsident ohne Kommentar versehen. Wenn ich Kanzler und das meine Regierung wäre, wenn ich einen Funken Anstand hätte, dann flöge Maria Fekter raus. Und es gäbe Neuwahlen. Auch wenn Strache und die widerwärtige Volkspartei die Wahlen gewinnen, es wäre ein neues Österreich. Und es wäre klar Schiff; man wüsste, wie die Karten verteilt sind.

Das weiß man auch, wenn man die Internet-Foren der Tageszeitungen durchforstet. Kein anderer Fall regt die Österreicher derart auf wie der Fall Zogaj. Befremdlich jedoch, wie viele Poster der Tageszeitung „Der Standard“ darunter sind, eine Publikation, die sich im linksliberalen Milieu angesiedelt sieht. Befremdlich, dass viele Poster, die sonst deklariert linke und sogar grüne Positionen einnehmen und über Volkspartei und Grinsekanzler herfallen im Fall Zogaj die harte Durchsetzung von Recht und Gesetz fordern. Um vorgeblich den Rechtsstaat zu retten.

Wenn aber ein Rechtsstaat von einer Achtzehnjährigen ausgehebelt und seine Unmenschlichkeit entlarvt werden kann, dann hat sich dieser Rechtsstaat gefälligst zu reformieren – und seine Gesetze zu ändern.

Österreich präsentiert sich im Fall Zogaj als das widerlichste und abscheulichste Land Europas. Überall in Europa gibt es Hass und Niedertracht. Doch derart, wie im Fall Zogaj, kommt das tatsächlich nirgendwo sonst zum Vorschein. Und würde diese Seuche der Menschenverachtung, des unerträglichen Zynismus anderswo ausbrechen, hätten dort schon längst Parteien und Medien gegengesteuert. Aus Sorge um die Hygiene im Land. Doch diese Sorge hat in Österreich keiner.

Deswegen hat der Fall Zogaj eine ungeheure Sprengkraft. Seit wenigen Monaten existiert eine breite Schicht Bürger, die sich (nicht nur) aufgrund dieser Causa von keiner Partei mehr vertreten fühlt. Auch nicht von den Grünen, die sich immer nur bemühen, immer nur bemühen, immer nur bemühen. Die Sozialdemokratie hat sich zugrunde gerichtet, die Volkspartei ist eine Partei ekelerregender Machtzyniker. Die Freiheitlichen sind Rechtsradikale. Und sonst ist da nichts.

Arigona Zogaj führt Österreich vor, die ganze Gesellschaft. In Frankreich und Deutschland hätten in diesem Fall schon längst gigantische Demonstrationen, durchaus gewaltbereit, stattgefunden; wären Politiker für Zogaj auf der Straße. In Österreich engagieren sich Sigi Maron und Roland Neuwirth. Nichts gegen die beiden, doch das ist eher eine Beleidigung als eine Hilfe.

Zogaj beweist: Österreich ist am Ende. Ähnlich war es 1984. In Sachen Hainburg. Damals hat auch schon gedämmert, dass die Konsensgesellschaft nicht zu halten ist. Es kam zum Aufstand. Und aus dem Aufstand entstanden die Grünen. Und über Umwege – der Respektlosigkeit – auch Jörg Haider. Ähnliches könnte sich auch jetzt anbahnen.

Doch die Systemstabilisierer haben dazugelernt. Sie wissen, dass eine gewaltsame Abschiebung Zogajs tatsächlich zu Straßenschlachten führen würde, wie einst bei Hainburg. Und zuletzt bei der Regierungsbildung Schüssel-Haider. Sie wissen, dass dies die Götterdämmerung für das letzte mögliche Konsenssystem sein könnte, das Österreich noch hat. Denn sonst hat Österreich nichts mehr. Keine Gemütlichkeit. Und – wie Belgien – auch kein Recht weiter zu existieren. Österreich ist schon seit 1918 tot. Und hat unter Kreisky noch ein bisschen leben dürfen.

Fünf Ethnien, gefangen in einer Sprache: Österreich ist dem altem Jugoslawien nicht unähnlich, das zerfiel, weil es keinen Grund mehr gab, so weiterzuleben. So arg wird es in Österreich nicht kommen. Doch was bindet den Vorarlberger noch an Wien? Immer weniger, wie er selber merkt. Und der Tiroler merkt es auch. Und selbst der Burgenländer. Österreich braucht eine neue Verfassung, eine neue Verfasstheit, eine neue Selbstreflexion, eine neue Aufgabe. Wie ein Kind ohne Eltern und Liebe torkelt es durch die Jahre, zynisch, agressiv und zunehmend unerziehbar.

An Arigona Zogaj zeigt sich all das wie bei niemand anderem. Dafür müsste man sie loben, nicht strafen. Arigona Zogaj hat Österreich an seine Grenzen gebracht. Deswegen bringt man sie vor Österreichs Grenze.

Doch danach nichts wird geschehen. Arigona und Familie verlassen das Land, das Mädchen und ihre Geschwister (so scheint es ihr versprochen) kehren nach geraumer Zeit nach Österreich zurück. Regulär und legal. So wird der Aufstand abgewendet. Man weiß nicht, was besser ist. Im Zweifel aber ist besser, was für das Mädchen besser ist. Wir sollten uns erinnern, was sie für uns getan hat. Unsere Arigona, 18 Jahre, geboren in einem zerfallenden Land, aufgewachsen im schönen Österreich, auf das man einst auch stolz sein konnte. Ein Land voll Kultur und Menschlichkeit. Das lässt man sie jetzt vergessen. Wir aber vergessen es ihr nie.

25 Kommentare »

  • Raphael sagt:

    Wenn wir Rainers Logik folgen und uns weiter nach unten orientieren, dann werden demnächst wieder KZs aufgesperrt, damit sich ja niemand traut nach Österreich zu kommen (ausser natürlich reiche Touristen). Dass die meisten Flüchtling aus Irak, Afghanistan, Pakistan, Haiti und Afrika ohnehin Binnenflüchtlinge sind, und die Wenigen, die es bis Österreich schaffen, sind ohne Hilfe von Privatinitiativen (Fr Bock, Purple Sheep, u.a.) ohnenhin arm dran.

  • Rainer sagt:

    „Österreich präsentiert sich im Fall Zogaj als das widerlichste und abscheulichste Land Europas. “

    Seltsamerweise strömen dennoch tausende Menschen in dieses widerliche Land. Anscheinend ist es immer noch nicht widerlich genug, um kostenlos Wohnung, Gesundheitsversorgung, Sozialarbeit und Geld in Anspruch zu nehmen.

    • saxo lady sagt:

      widerlich ist es, schwachen und hilflosen-bzw. -bedürftigen menschen – besonders kinder und jugendliche – aus einem umfeld, dass sie sich zwar nicht selbst ausgesucht haben, sich aber perfekt angepasst und „integriert“ haben (in „“, weil das in diesem speziellen fall völlig idiotisch ist. wer so sozialisiert ist, muss nicht integriert werden.)…herauszureißen.

      da gibt es kein „recht muss recht bleiben“.
      da steht das menschenrecht und kinderrecht nämlich drüber.

  • Fritz Haber sagt:

    Um sich gut und politisch korrekt zu fühlen sagen manche fünfmal am Tag mit Blick auf Pristina „Arigona“ und das ist gut so. Denn während sie das tun kaufen sie wenigsten nichts in Reformhäusern und Bioläden. Denn Biolandbau ist Völkermord

  • lusciniola sagt:

    Ein Wort noch zu dem Verfasser dieses Artikels und der Kommentare bei Dichands Nachruf. Ich habe das jetzt die letzten Tage still und heiter verfolgt, aber kann mich doch nicht eines Kommentars zurückhalten. Bei den Artikeln angriffig, pointiert, erfrischend offen und so gar nicht pc wie all die anderen dem mainstream folgenden Journalisten auf der einen Seite – dann aber in seinen Reaktionen auf die anderen user hier wie ein kleiner Giftzwerg, die mit anderen Meinungen nicht umgehen kann. Testosterongeschwängerter Jugendlicher, der mal so wirklich Dampf ablassen muss und glaubt mit unübertroffener Patzigkeit den Coolen mimen zu können? Oder einer von Dichands heiß geliebten Kläffern, der nicht nur ans Bein pinkeln, sondern gleich ins Wadel beißen will – prophylaktisch jeden, der nicht in seinem Sinne die Tasten schwingt? Beleidigter Egomane, der Kritik am liebsten die Zähne ausschlägt anstatt sich ihr zu stellen? Phrasendrescher und Klischeeerfüller derer, die er selbst hier anprangert? Zu kurz gekommenes Mauerblümchen, das sich Aufmerksamkeit durch Empörung schaffen will? Oder einfach nur bewusst plump und stilloser Provozierer aus Fadesse?

    Auch mit solchen Fragen kann man sich den Tag vertreiben, denkt sich amüsiert grinsend die kleine Nachtigall.

    • Terence Lennox sagt:

      Und? Warum soll ich nicht reagieren? Sollen die Leute mit all ihrem Schwachsinn alleine bleiben? Nein. Da gibts was auf Mütze. Auch Ihre Pseudoanalyse, hin in die persönliche Beleidigung, ist die typisch österreichische Reaktion. Keine Argumente, dafür Vermutetes in beleidigenden Ton. Nicht mit mir..

  • auch die wiener spö hat gestern im landtag gegen eine resolution für ein bleiberecht von arigona & co. gestimmt: http://klauswerner.com/2010/06/die-spo-ist-die-partei-der-mitlauferinnen/

  • saxo lady sagt:

    ja die wut und ohnmacht ist groß.

    aber

    ich bin auch österreich.
    und wir auch: http://3raum.or.at/programm/benefiz-veranstaltung-fuer-arigona/965

    es gibt viele von uns.
    http://klauswerner.com/2010/04/ich-mache-mich-stark-am-18-september-und-ihr/
    http://www.fraubock.at/

    ich hab einfach keine lust mehr, von wehleidigen, kleingeistigen, engstirnigen, ängstlichen kleinen männern meine heimat versauen zu lassen.

    drum: ICH BIN EINE STARKE ÖSTERREICHERINN; WEIL ICH SCHWACHE UNTERSTÜTZEN KANN.

    • Ettmayer sagt:

      Na servas, Lady, da bleibt mir ja schon wieder das Kipferl im Kaffee stecken. Vor Anerkennung natürlich, weil das schöne Österreich, unsere Heimat, ihre strammen Bewohner und innen, möchte auch ich beschützt, wenn nicht gar verteidigt wissen. Mit Spannung verfolge ich das muntere Treiben dieses Lennox. Ein Mann, der seinen politisch desaströsen Zorn förmlich in die Tastatur ableitet wie ein Blitzableiter, nur die Geistesblitze gehen mir ein bisserl ab. Aber alle Achtung: Andere gehen über Leichen, er schreibt über Leichen. Sie haben sicher die Sentenzen über den verblichenen Dichand gelesen. Hat der Mann kein anderes Ventil, hab ich mich dauernd gefragt. Was ist da los, wie kann man helfen?
      Obwohl: Bei Fekter und dem Faymann-Onkel hat der Lennox natürlich grundsätzlich Recht. Und Vorarlberger möcht ich auch nicht sein, wenn die Fekter den Mund aufmacht oder der Bussibär in der Hofburg schnarcht.
      Also ich möchte Ihnen noch einmal zu dieser feinen Wortmeldung gratulieren. Weil auf die Ansage “Österreich präsentiert sich im Fall Zogaj als das widerlichste und abscheulichste Land Europas“ ist natürlich “ich hab einfach keine lust mehr, von wehleidigen, kleingeistigen, engstirnigen, ängstlichen kleinen männern meine heimat versauen zu lassen“ eine höchst amüsante Replik.

      Übrigens Fäulein Saxo, können Sie mir da weiterhelfen: wie ist die Passage “sozial vernetzt, ein bisschen Porno“ zu verstehen? Ich glaube, Sie kennen sich mit den Zogajs einigermaßen aus und den Lennox frag ich lieber nicht, weil ich noch fertig frühstücken möchte.

      Mit sportlichen Grüßen
      Ettmayer

      • saxo lady sagt:

        geh mein lieber ettmayer, grantelns net so herum. der lennox ist halt ein zorniger junger? mann, meiner seel, ist nicht so lang her, da war ich so ne zornige junge? lady und tuns net so, als ob der zorn soviel schlechter wär, als zynisches defensivspiel…gell?

        und die passage mit dem unanständigen wort drin, wissens eh. über sowas liest die lady gnädig drüber. man hat ja seine erfahrung mit heißblütigen jungspunds.

        huldvoll
        :D

      • Lina sagt:

        Zitat „ein bisschen Porno“
        mittlerweile ist die Arigona 18, da darf man das sagen.

  • exnussdorferin sagt:

    Und wie mir der artikel aus der seele spricht.

    ich höre: „österreich braucht mehr kinder!“ es werden gründe gesucht, warum paare sich nicht vermehren wie die karnickel. wo bleiben die kinder, wir gejammert.

    Ich sehe: familein wie die zogajs, die hier leben, deren kinder verdammt nochmal österreicher sind, hier steuern bezahlen, das land lieben.
    was tut man mit ihnen? man verscheucht sie, man demütigt sie, man desillusioniert sie.

    Maria fekter ist eine person, die einem den kalten schauer über den rücken laufen lässt. müsste ich in einem film, die frau wärterin besetzen, die den gashahn noch ein bisserl mehr aufdreht und mit süffisantem grinsen ihre hände reibt, ich ätte sie gefunden.

    Rebbelion, auflehnung, goschertheit ist in diesem land zu suchen.

  • alex sagt:

    herzlichen dank für diesen artilkel, der die umnenschlichkeit in diesem land messerscharf auf den punkt bringt. artikel wie diese geben mir hoffnung, dass es in unserem land auch mitfühlende menschen, menschen mit anstand gibt!

  • Raphael sagt:

    Ich finde es widerlich, dass sogar hier ein Poster der Meinung ist, dass es in diesem Fall gar nicht um Arigona geht. Ja es wird sogar geheuchelt, dass es nur zum Wohle des Kosovo wäre. Wären die Zogajs noch während des Krieges gekommen, dann wären sie anerkannte Flüchtlinge. Aber wer zu spät kommt, …

  • Lina sagt:

    Für Leute wie Sie, Herr Klimek, die immer nur Konflikte schüren wollen, da die Medien ja scheinbar davon leben (obwohl die meisten Menschen von diesem lauten Journalismus längst die Nase voll haben) für Leute wie sie, ist der „Fall Arigona“ ein gefundenes Fressen. Tatsache ist, dass in Österreich trotz der scheinbar so restriktiven Gesetze um die zwanzig Prozent der Bevölkerung Migranten der ersten oder zweiten Generation sind. Ich habe nichts gegen Migranten, ich sehe sie oft als Bereicherung, aber es muss auch Gesetze geben, um die Migrationsbewegungen in Europa zu steuern. Und wenn sie behaupten, in anderen Ländern Europas hätten es Migranten besser, zeigt das nur wie wenig sie offensichtlich von anderen Ländern wissen (sieht man einmal vom ach so schicken Berlin und diversen Weinkellern zwischen Berlin und der Toskana ab). Die Asylwerber in Polen oder Griechenland würden sich alle Finger abschlecken, wenn Sie so viel Zuwendung vom Staat bekämen wie hier in Österreich. Jeder Asylwerber erhält bei uns eine kostenlose medizinische Versorgung auf Krankenschein. Nennen Sie mir die Länder außer Österreich, wo das sonst noch so ist? Ein sehr kleiner elitärer Kreis. Und ja, die Zogajs haben kein politisches Asyl bekommen, weil sie keine politischen Flüchtlinge sind, im Gegensatz zu Verfolgten aus Tschetschenien, Somalia, Afganistan… Das Problem sind auch nicht die Zogajs, das Problem sind die tausenden anderen Zogajs, die im Kosovo keine Zukunft sehen und hierher wollen. Das kann aber keine Lösung sein. Die Lösung ist eine Befriedung des Balkans, der wirtschaftliche Aufbau und eine Perspektive für diese Menschen in ihrer Heimat. Die EU schickt sehr viel Geld dorthin. Vielleicht wird es nicht optimal eingesetzt, jedenfalls hoffe ich, dass zehn Jahre nach diesen schrecklichen Balkan-Kriegen dort endlich eine Perspektive geschaffen wird, damit all die Zogajs in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Dasein fristen können. Vielleicht braucht man im Kosovo genauso eine gute Friseuse und eine liebe Mama für zwei liebe Kinder??

    • Wo werden in diesem Text Konflikte geschürt?

      • Lina sagt:

        Zitat: In Frankreich und Deutschland hätten in diesem Fall schon längst gigantische Demonstrationen, durchaus gewaltbereit, stattgefunden;

        Fünf Ethnien, gefangen in einer Sprache: Österreich ist dem altem Jugoslawien nicht unähnlich, das zerfiel, weil es keinen Grund mehr gab, weiterzuleben. So arg wird es in Österreich nicht kommen. Doch was bindet den Vorarlberger noch an Wien? Immer weniger, wie er selber merkt. Und der Tiroler merkt es auch. Und selbst der Burgenländer. Österreich braucht eine neue Verfassung, eine neue Verfasstheit, eine neue Selbstreflexion, eine neue Aufgabe. Wie ein Kind ohne Eltern und Liebe torkelt es durch die Jahre, zynisch, agressiv und zunehmend unerziehbar.

        Da erübrigt sich eigentlich jede weitere Stellungnahme

        • Terence Lennox sagt:

          Dann lassen Sie es bleiben und stehlen Sie nicht den Platz. Und meine Zeit. Und sagen Sie es mir ins Gesicht, wenn Sie mich das nächste Mal sehen. Nachdem wir uns offenbar persönlich bekannt sind..

          • Lina sagt:

            ich kenne Sie nur aus dem Standard-Forum und will sie persönlich auch nicht kennenlernen. Und ja, diese Welt leidet nicht am Pragmatismus, diese Welt leidet am Fanatismus, deshalb bin ich Pragmatiker.

            • Dr. Aisine sagt:

              Sie überfordern das Lennoxerl, es gilt nur seine Meinung

    • Terence Lennox sagt:

      Was haben wir hier? Wir haben erneut eine typisch österreichische Antwort. Zuerst die Sehnsucht nach Konfliktfreiheit, nach Ruhe und gemeinsamer Sprache. Dann der persönliche Bezug zum Autor (Berlin, Wein). Dann Unterstellungen und Bezugsuche nach Dingen, die in diesem Artikel nicht stehen und vpn mir auch nicht bestritten werden. Ich beziehe mich ausschließlich auf den Fall Zogaj, die Folgen und die Veränderung, die dieses Land erfährt. Mehr interessiert mich nicht, auch keine Vergleiche mit schlechteren Ländern, die immer Unsinn sind, egal, wer sie vorbringt.
      So gesehen leider ein komplett wertloses Posting, leider. Aber trotzdem Danke, denn Sie stehen für jene Poster-Gemeinde, die ich im Artikel angeführt habe, die so genannten pragmatischen Liberalen, die das Gesamte vor das Individuum stellen. Ich stelle jedoch das Individuum vor das Gesamte. Und halte das für alleine entscheidend. Es geht nicht um Zuwanderungspolitik, dazu später einmal ein anderer Artikel (ich halte Zuwanderung für nicht notwendig und religiös überhöht), es geht um Frau Arigona Zogaj, Mensch, 18 Jahre alt und in Österreich sozialisiert. Mir graut vor Menschen, die den Einzelfall und seine Prioritäten nicht mehr erkennen können..

    • saxo lady sagt:

      ehrlich gesagt: ich finde nicht, dass es hier darum geht, ob im kosovo gute frisörinen gesucht werden. ein fb-friend wies mich darauf hin, dass im kosovo jede helfende hand gebraucht und begrüßt wird.
      1. helfen ist eine freiwillige tätigkeit eines menschen, der genug kraft und wille hat, das zu tun.
      2. die kinder zogaj (alle 3) sind hier sozialisiert. es gibt keinen grund, menschen wie sie aus österreich wegzuschicken. ***außer dem grund: recht muss recht bleiben….außer im fall der ortstafeln und bei j. meinl natürlich…brrrrrrrrrrr***

    • lusciniola sagt:

      „, damit all die Zogajs in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Dasein fristen können.“

      Und genau das ist es, was Sie falsch verstanden haben: Die Heimat von Arigona Zogaj ist Österreich und nicht der Kosovo. In ÖSterreich hat sie den Großteil ihres bewußten Lebens erlebt, hier ist sie aufgewachsen, hier ist sie in die Schule gegangen, hier hat sie von einer Zukunft geträumt. Selbstverständlich in Österreich, wo sonst?

      Also wieso sollte man jemanden, der seine Heimat längst gefunden hat und Teil Österreichs geworden ist, hier wegreißen und woanders, wo er weder Heimat, noch Sprache noch Perspektive hat, neu anfangen lassen? Um ressintements von Leuten zu bedienen, die einen Sündenbock brauchen, um sich ihrem eigenen Leben nicht stellen zu müssen? Dafür wird bewußt und mutwillig eine Familie, das Leben mehrerer Menschen zerstört? Weit haben wir es gebracht….

  • Werner sagt:

    hm, ich glaube nicht, dass es in österreich wegen der familie zogaj zu straßenschlachten kommen wird. und ich finde auch nicht, dass „der fall arigona“ mehr ans licht bringt, als ohnedies schon längst sichtbar ist. jedenfalls wünsche ich mir mehr aufmerksamkeit für die unmenschliche abschiebepraktik: es werden auch menschen ausgewiesen, auf die in ihrem ursprungsland nur die ermordung wartet.

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