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True Dirt: Falsches Spiel mit Fucking Hell

Von | 16.06.2010, 17:11 | 5 Kommentare

Der oberösterreichische Ort Fucking könnte zum Auslöser eines der großen Bierkriege des 21. Jahrhunderts werden.

(No) Fucking, Austria by kjd

Devil Dirt by Tim Möller-Kaya

Sie lassen nicht locker, sagte ich zu meinem Scout, der gerade aus FUCKING zurückkam und seinen Tagesbericht ablieferte. Es ist eine Schweinerei, sie ruinieren diesen Ort, nur weil er zufällig diesen hübschen Namen trägt. Als ob das allein schon ein triftiger Grund für so eine bescheuerte PR-Kampagne wäre! Für die Marketingkasperln in der desaströsen Eurozone ist ja alles ein triftiger Grund, solange ihnen irgendeine Blitzidee diesen very abgefuckten Kick gibt, den sie später auch im Hirn des aufgegeilten Konsumenten erwarten.

Sie können mir tausendmal damit kommen, dass Fucking Hell ein cooler Name für eine Biermarke ist. Zählt alles nichts, wenn das Bier, das sich hinter diesem Namen zusammenbraut, nicht authentisch ist. Aber in Fucking gibt es keine Brauerei und dort ist auch keine geplant, richtig? Und in dieser verschissenen globalisierten Marketingkasperlwelt ist rein gar nichts mehr authentisch, weil alles immer schon im Ansatz verlogen und konstruiert ist.

Für die Juristen ist die Sache jedenfalls ein gefundenes Fressen, warf der Scout zaghaft ein. Die Juristen haben ihren Heidenspaß mit der Gerichtsentscheidung. Wenn ich zitieren darf: „Das Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (HABM), welches über die Eintragung von europäischen Gemeinschaftsmarken entscheidet, hat die Eintragung der Wort-/Bildmarke “Fucking Hell” für u.a. Bekleidungsstücke, Biere, alkoholfreie und alkoholische Getränke zugelassen.“

Gerichtsentscheidung? Ein Harmonisierungsamt soll ein Gericht sein? Junger Mann, das ist eine Farce. Für mich gibt es nur einen Richter, und das ist der Scharfrichter. Und ein Scharfrichter hätte diesem Unfug sofort einen Riegel vorgeschoben. Wo soll das bitte hinführen, wenn jeder Kretin, der in einer durchzechten Nacht eine Biermarke erfindet, schalten und walten darf, wie er will? Was kommt nach Fucking Hell? Fucking Dunkel? Fucking Dort wo die Sonne nie hinscheint? Fucking Urbock? Fucking Ich bin Sodomit und ich trinke darauf?

Wie verbohrt muss dieses PR-Gesocks eigentlich sein, dass es sich auf einen Rechtsstreit einlässt, der sich zwei Jahre lang hinzieht? Alles auf Kosten meines geliebten Fucking, in dem es – wie Ihr letzter Bericht ja eindeutig bestätigt – noch immer keine Brauerei gibt. Und dann kommen die Herren Fellenberg und Krause aus Berlin daher und machen sich einen Jux mit dem Namen. Als ob die Fuckinger nicht schon genug an SCHAMLOSIGKEITEN (siehe auch unten) erlitten hätten: Widerliche Geschäftemacher, die mit dem T-Shirt-Aufdruck „I love Fucking in Austria“ Kohle machen wollten; betrunkene Briten, die im Schutz der Dunkelheit unter dem Ortsschild kopulieren; Ausgeburten von Fucking Souvenirjägern, die ebendiese Ortstafel schon mehrfach gestohlen haben; dahergelaufene Verbaltouristen aus aller Welt, die hier mit süffisantem Grinsen posieren und in einem fort die armen 93 Seelen des leidgeprüften Örtchens verspotten.

Es wird nicht lange dauern und die Filmindustrie schickt ihre Sexworker aus und dreht einen Fucking Porno in Fucking. Nein, ich fürchte, den Fucking-Porno gibt’s schon, wahrscheinlich unter einem höllisch kreativen Titel wie „Leaving Las Fucking – die Reise nach Mösendorf“. Gehen Sie der Sache gleich morgen nach! Ich möchte über alle Einzelheiten dieser globalen Schmutzkübelkampagne haargenau informiert werden!

Im Herbst soll das Bier am Markt sein, beharrte der Scout. Für die Journaille ist Fucking Hell übrigens auch ein gefundenes Fressen. Der STERN schreibt online: „Im ersten Anlauf schmetterten die EU-Beamten das Anliegen noch ab: Der Name verstoße gegen europäisches Recht, da Markennamen weder blasphemisch noch anstößig sein dürfen. Schließlich aber setzten sich die beiden Deutschen durch – „Fucking“ sei der Ort, wo das Bier gebraut werde, „Hell“ die Sortenbezeichnung. Dass der Name auf Englisch so viel wie „verdammte Hölle“ bedeute, dürfe die Eintragung als Marke nicht verhindern …“

Das ist der Gipfel der Frechheit! Das schau’ ich mir an, wie die das BIER IN FUCKING brauen! Nichts als heiße Luft die ganze Aktion, sage ich, erstunken und erlogen. Und als ob die Sache mit Fucking nicht schon schlimm genug wäre, bringt der Name natürlich auch noch die gesamte Unterwelt in Verruf.

Aber wir wissen ja, dass hinter den deutschen Marketingkasperln eine deutsche Brauerei mit ihren subversiven Interessen steht. Eine Brauerei, die sich vermutlich einen feuchten Dreck um das REINHEITSGEBOT von 1516 kümmert, wonach – vereinfacht gesagt – ein Bier nur Hopfen, Malz und Wasser enthalten darf. Von Wortspielen war nie die Rede! Und hat es diese ominöse Brauerei geschafft, ihr Hirngespinst rechtzeitig zur Fußball-WM auf die versoffene Menschheit loszulassen? Selbstverständlich nicht, weil Fucking Hell nichts als Schaumschlägerei und Scharlatanerei ist, eine Fata Morgana der Braukunst, ein Experiment, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Aber wenn ich mir vorstelle, wie die Konkurrenz darauf reagieren wird, kommt mir das nackte Grausen. Sicher werden bald die verrücktesten Patente angemeldet: Fickingen Lager, Petting Export, Tuntenhausen alkoholfrei, oder die neue Spezialität aus der Dachsteinregion, das Zwickel aus dem Arschlochwinkel. Ab sofort haben die Marketingkasperln einen Freibrief, mit Ortsnamen ihre fiesen Spielchen zu treiben. Die großen Brauereien befinden sich jetzt im Ausnahmezustand, wir steuern direkt auf einen internationalen Bierkampf zu, soviel muss uns klar sein.

Und wer schaut durch die Finger, sollte dieses elende Geschäft tatsächlich irgendwann florieren? Die Fuckinger, wer sonst!

Checken Sie die Fucking Pornos, junger Mann! Und sollten Sie keinen finden, trommeln sie sofort eine Filmcrew für ein ausführliches Amateurvideo zusammen! Wäre doch gelacht, wenn wir den Fuckingern nicht endlich auf die Sprünge helfen könnten …

5 Kommentare »

  • Diana sagt:

    Für alle, deren Nebenniere weniger Hormone ausschüttet:

    http://www.bierspot.de/news/fucking_hell_ist_da_917.html

    Freundliche Grüße aus Berlin

    • Devil Dirt sagt:

      Oh Diana!
      Das ist wunderbar. Dann bleibt nur zu hoffen, dass sich mein geliebtes Fucking jetzt schnell um die Lizenzgebühren kümmert.
      MtG, DD

  • saxo lady sagt:

    dirt,schatzi. ist euch das höllenwasser ausgegangen, dass er mit bier auskommen muss? hat der kater sich in andere regionen vertschüsst, sodass einer schwärzeren betrachtung kein gegenüber mehr zur verfügung steht?
    devil, mein lieber, ich gebs ja zu. der link vom sax zum neuesten dirt-geschöpf bereitete mir vorfreudigst rieseln über den rücken. allein, der biermief…seufz..nicht mal nach einem spanien-schweiz-spiel wie eeben gerade kann mir zu dieser geschichte ernsthaft ein lachen entlocken.
    hat er nicht mal wieder lust auf tiefschürfendere bosheiten?

    fucking hell aber auch.
    s.l.

    • Devil Dirt sagt:

      Saxolady,
      ich fürchte, Sie verwechseln mich mit einem Ihnen nahe stehenden Katzenbesitzer. Aber das kann passieren. Wird wohl daran liegen, dass ich mich schon länger nicht zu Wort gemeldet habe. Und diese Fucking Geschichte – da hatten Sie vom Feeling her ein gutes Gefühl, um hier einmal eine abgestandene, germanophile Fußballerwuchtel loszulassen – ist nun wirklich nichts, worüber man lachen sollte. Die ist traurig wie der Tod und oberflächlich wie eine Sammlung witziger Ortsnamen. Boshafterweise ist sie trotzdem online.
      Deshalb, Schatzi. Nur deshalb haben wir uns hier getroffen.

      Ergebenst
      Dirt

  • mare sagt:

    … cool, kenne jetzt die urheber-story! bin gespannt welcher deiner namenscreationen sich durchsetzt;-)

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