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Diese Ölpest ist auch unser Werk

Von | 14.06.2010, 12:16 | 5 Kommentare

Der Schuldige im Golf von Mexiko scheint ausgemacht. Aber warum hat BP dort eigentlich gebohrt? Weil wir es so wollten. Man kann es drehen und wenden wie man will. Wir – also unsere Wirtschaft national wie international, unsere Infrastruktur, unser tägliches Leben – sind von Erdöl abhängig. So abhängig, dass es uns eigentlich schon lange […]

Ölpest vor Lousiana. Foto: US Coast Guard, Lizenz: CC BY-NC

Der Schuldige im Golf von Mexiko scheint ausgemacht. Aber warum hat BP dort eigentlich gebohrt? Weil wir es so wollten.

Man kann es drehen und wenden wie man will. Wir – also unsere Wirtschaft national wie international, unsere Infrastruktur, unser tägliches Leben – sind von Erdöl abhängig. So abhängig, dass es uns eigentlich schon lange stutzig machen hätte müssen.

Aber der Mensch wird nicht stutzig, so lange nichts passiert.

Er wurde nicht stutzig, als in den USA plötzlich Leute Häuser kauften, die eigentlich keinen Cent besaßen – ein Vorgang, der heute als eine der Initialzündungen für die jüngste Wirtschaftskrise gilt. Und er wurde nicht stutzig, als im Golf von Mexiko und anderswo begonnen wurde, in Tiefen über 1500 Metern nach Erdöl zu bohren – ein Vorgang, der sich heute als riskantes Verfahren erweist.

Wie immer, wenn man erst hinterher klüger ist, steht man ein bisschen blöd da. Warum, fragen wir, hat niemand vorher etwas dagegen unternommen? Warum konnte es so weit kommen?

Weil wir alle mit drin hängen. Weil wir alle ein bisschen BP sind. Wie Thomas L. Friedman in seiner Kolumne in der New York Times ganz richtig schreibt, ist der ökologische Gau im Golf von Mexiko auch unser Werk.

Wir mit unserem täglich herbei fantasierten Recht auf billigen Treibstoff für unseren Lifestyle, unsere Wirtschaft, unsere Infrastruktur und unserem gelebten Recht auf individuelle Mobilität. Ohne unsere Nachfrage wäre BP nie auf die Idee gekommen, dort zu bohren, wo nun das Öl unkontrolliert ausrinnt. Ohne uns sähe die kanadische Provinz Alberta heute nicht in großen Teilen so aus, weil sich dort seit ein paar Jahren aus Ölsand Rohöl gewinnen lässt. Ohne uns wäre die Welt wohl prinzipiell besser.

Aber wo wir schon einmal da sind und uns nachweislich selbst der größte Feind, stünde nun endlich eine grundlegende Änderung unseres Lifestyle an. Das klingt zwar pathetisch, doch bleibt auch dann die Wahrheit, wenn der Golf von Mexiko weit weg ist.

Apropos Golf von Mexiko. Die Einigkeit, mit der andere Ölkonzerne bisher hinter BP gestanden sind, geht langsam flöten. Die Marktführer Exxon, Shell, Chevron und ConocoPhillips werfen BP nun vor, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wäre vermeidbar gewesen. Die Bohrer hätten sich bloß an die Branchenstandards halten müssen, und nichts wäre geschehen. Hintergrund dieses Schritts: Den Konzernen drohen verschärfte Vorschriften bei Tiefseebohrungen. Die können ziemlich teuer werden, auch für uns an den Tankstellen – und spätestens dann werden wir wieder allen anderen die Schuld daran geben. Wetten?

5 Kommentare »

  • saxo lady sagt:

    ja, dem kann ich nur zustimmen.
    aber wenn ich es vor ein paar jahren noch wagte, zu behaupten, die 100er beschränkung auf der a1 in oö hätte wenigstens den vorteil, dass wesentlich weniger sprit verbraucht wird…na jösasmarantjosef…ging ja garnicht. freiheit der mobilität blabla.
    ob sich das jetzt nachhaltig ändert? ich hoffe sehr.

  • jilnik sagt:

    schon klar, dass es ums prinzip geht und auch klar, dass wir so nicht weitermachen können. quelle: bp ;)

  • jilnik sagt:

    unser werk? prinzipiell schon. aber tarsands aus kanada und deepwater drilling im golf von mexiko versorgen nicht die europäer mit öl, sondern die nordamerikaner.

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