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Gladius 53. Hans Dichand im AKH

Von | 13.06.2010, 16:17 | 11 Kommentare

Die Meldung war kurz: Hundefreund Hans Dichand im AKH. Seither wird online viel gebellt. Ich bin seit wenigen Tagen im Weinviertel, also im tiefsten Österreich und auch wieder nicht: Das Anwesen meines Gastgebers wird von einer mächtigen Mauer umschlossen und bist du mal drin, dann stärkt dich das befreiende Gefühl, dass das restliche Österreich draußen […]

Hans Dichand by Erich Reismann

Die Meldung war kurz: Hundefreund Hans Dichand im AKH. Seither wird online viel gebellt.

Ich bin seit wenigen Tagen im Weinviertel, also im tiefsten Österreich und auch wieder nicht: Das Anwesen meines Gastgebers wird von einer mächtigen Mauer umschlossen und bist du mal drin, dann stärkt dich das befreiende Gefühl, dass das restliche Österreich draußen ist. Dort, wo es hingehört. Eine tranquile, wenn auch realitätsfremde Sache.

Das Dorf zum Anwesen meines Gastgebers ist wie jedes andere österreichische Dorf auch. Es liest die Kronenzeitung, sagt ein Plakat gleich neben dem Ortsschild, und abgesehen vom kleinen Widerspruch im Satz („Dieses Dorf schwimmt in der Badewanne.“) ist das jedenfalls kein Grund zur Panik. Man wird zum Lesen der Krone nicht gezwungen. Ich selbst verleibe mir das Angebot dieses Blattes gelegentlich ein, auf schnell, wie einen Burger. Aber gut, wer kann mit der Krone schon „auf langsam“, das wäre ja krank.

Tatsache ist: Wer gern liest, für den ist die Krone den Euro nicht wert, für mich ist daher die Logik, dass „der Österreicher“ ungern liest, eine gültige. Bekanntlich ist die Kronenzeitung – in Relation zur Einwohnerzahl ihres Landes – das erfolgreichste Tagblatt der Welt und welchem Macher nun so ein Erfolg gelingt, dem widerfahren nicht nur eine Überdosis Zungen im Anus, dem widerfährt unter anderem auch Respekt. Letzterer mag in kritischen Kreisen widerstrebend sein, aber jedenfalls ist er nicht zu verhindern.

Was Hans Dichand, den 89jährigen Herausgeber der Krone anbelangt, hinterließ der geoutete Respekt in mir neulich einen penetranten Nachgeschmack. Dieser kam in einer Bandbreite von übel bis widerwärtig, den die gelegentliche besonnene Sprechblase („Das ist Österreich“) nicht wesentlich verbesserte.

Es begann vor wenigen Tagen mit der knappen Meldung „Krone-Boss Dichand im AKH“, die auf einem Weg vor meine Augen geriet, der vor der Mauer des Anwesens meines Gastgebers nicht halt macht. Online. Per Foren wie „.etat“ und Facebook. Die üblichen Verdächtigen. Überhaupt die vom Sozialen Netzwerk.

Ich will mir nicht anmaßen, Herrn Dichand als unsympathisch oder gar sympathisch zu befinden, dafür ist mir Österreich (schon lange) nicht nahe genug und die hiesige Medienszene zu fremd (geworden); er sowieso. Aus dieser Distanz ist er für mich ein kompetenter Unternehmer, der – wie jeder Unternehmer – das Maximum aus seinem Unternehmen holen will. Moral oder gar Haltung spielen dabei keine Rolle, wir reden hier von Kapitalismus, Bilanzen haben kein Gewissen.

Es ist mir zwar bekannt, welch üble Dinge in der Krone liefen, und hab ich sie ignoriert, dann wurden sie mir jetzt in den FB-Sprechblasen wieder in Erinnerung gerufen, aber Hinweise auf seinen Machtfaktor als „Kanzlermacher“ nehme ich mit einer Prise Salz. Natürlich will jedes Boulevardblatt so tun als ob, aber sollte Dichand je einschlägige Ambitionen gehegt haben, dann hätte er sie spätestens 1999 ablegen müssen, als er Viktor Klimas SPÖ unterstützte, der „demokratische Prozess“ aber die Lösung „Haider & ÖVP“ brachte.

Sich zu täuschen bringt keine Leser.

Als kühl kalkulierender Unternehmer konzentrierte er sich seit damals (fast) sicher vor allem darauf, „dem Leser“ bzw „dem Österreicher“ bzw – wie es in einer (raren gescheiten) FB-Sprechblase heißt „dem dümmsten und ängstlichsten Teil des ‚Volkes’ nach dem Maul zu reden“ und das noch Dümmere ist leider, dass dies die überwältigende Mehrheit ist. Soviel auch zu meiner Meinung über den „demokratischen Prozess“ in Zeiten einer rezessiven und xenophoben Welt.

Ansonsten höre ich, dass Dichand ein Hundefreund ist, umso mehr wundert mich, wie viele (an sich nicht unintelligente) Köter ihn gerade online verkläffen, ich sage KÖTER, weil das Niveau ihrer Sprache teilweise unterm Hund ist. Keine Ahnung, inwieweit er der „Nazi“ und „Antisemit“ und „Faschist“ ist, als den ihn die Sozialen Netzwerkler bedienen, ich weiß nur, dass er als 89jähriger mühelos alt genug ist, um diese ganze Nazischeiße mit gemacht zu haben, und allein als solcher ist er für mich ein armer Hund, weil einer psychischen Störung hochverdächtig.

Das extrem Gemeine ist nun, dass man sich seine Freunde im Facebook tatsächlich aussuchen kann und angesichts der Leute, die den Dichand nun so verbalrabiat wie möglich ins Grab wünschen (und in der Tat nur in der Vergangenheit ansprechen, so, als wär er bereits hinüber), sich die Erkenntnis nicht mehr länger verdrängen lässt, dass „Freund“ nicht mehr mal ein Wort ist. Bei den „Freunden“, die man nicht kennt, ist das relativ egal, bei Leuten wie ausgerechnet jenem altvertrauten Beller, dem in einem früheren Leben traditionelle (und vor 70+ Jahren hochwirksame) Mitläufermotive wie „Existenzangst“ und „wenn ichs nicht mach, machts wer anderer“ nicht fremd waren, nun den nichtsalsaufrechten, „Hätt-mir-nie-passieren-können“- ANTINAZI raushängen zu sehen, bleibt mir der Mund offen. Das hat fast schon wieder Niveau – aber gibt es sowas überhaupt, Niveau ohne Würde?

Was bleibt, ist mein Eindruck, dass Dichand hier nicht nur, aber vor allem als Spucknapf für jenen Zustand herhält, den er via Kronenzeitung nutzte und dadurch auch transparent machte. Den tragischen Zustand der „österreichischen“ Psyche. Und jetzt tut man, als könne man den ganzen Dreck mit ihm unter die Erde fluchen.

Wann hat das je was gebracht?

11 Kommentare »

  • In Namen des untigen Personenkomitees muss ich im Falle Dichands, wie schon zuvor bei Jörg Haider, Bruno Kreisky, Buddha, Mohamed, Jesus Christus und Mutter Teresa ausdrücklich und aufs schärfste vor einer Mythenbildung warnen, die die Gefahr eines Wiedererwachens des Rassismus, Faschimus und Fussschweisses in sich bürge oder börge oder was auch immer.
    Dichand war nicht Gott, das bin ja ich.

    Das Personenkommittee

    Seine Exzellenz und (Selbst-)Herrlichkeit Univ-Prof. DrDrDrrrrr, Pelinka,
    Omo oder Dash oder so und die Bremer Stadmuzikanten,
    die Rauschers, Misiks, Menasses des Standards dieser Welt,
    Senta Berger, als die Fraun noch Schwänze trugen
    Werner Schneyder und die anonymen Alkoholiker
    Heinzi Fischer, Oberhäuptling
    Kim Il Sung, Spezzl des obigen
    und all die Millionen anderen Inkontinenzler und Bettnässer, die ihre Karrieren Mangels anderer Fähigkeiten auf die professionelle Vernaderung von Leuten, die viel wiffer sind als sie, aufbauen müssen

    • Frater Gladius sagt:

      Allmächtiger!
      Endlich ein Zeichen von oben. Na dann – Dein Wille geschehe. FG
      PS. Und grüß mir Vorsitzenden Kim.
      PPS. Aber setzt ein Wiedererwachen nicht wenigstens ein temporäres Schlafen voraus?

  • mare sagt:

    Dichand ist ein alter Mann, der einen ruhigen, stillen Abgang will,
    peckts nett alle auf ihn hin, macht´s es g´scheiter und des g´schwind…

  • Ettmayer sagt:

    Gladius, Frater, diese Predigt bereitet mir Kummer. Um was geht es da eigentlich? Um Angst, Hass, Titten und den Wetterbericht? Ist dieser Dichand wichtig? Wird er die Weltmeere von BP und Shell säubern? Mir persönlich ist es völlig wurscht, ob dem alten Rattenfänger und Hundefreund auf Facebook der baldige Tod gewünscht wird. Sogar Facebook ist mir komplett wurscht. Aber Ihre Predigt, werter Glaubensbruder, hinterlässt in meinem Kopf ein großes, fettes Fragezeichen. Warum Dichand? Warum nicht mehr Schärfe? Muss man zu diesem Herrn nicht klarer Position beziehen, wenn man sich auf diesen Herrn einlässt?
    Na ja, ich schau heute wieder Fußball. Mit Tinnitus und Schalldämpfer, seit neuestem. Wenn jemand richtig Lärm machen kann, dann diese Afrikaner, das kann ich ihnen sagen.

    Mit sportlichen Grüßen
    Ettmayer

    • Frater Gladius sagt:

      Danke für die Zuwendung, Ettmayer, und die Schärfe, na ja, die überlasse ich in diesem Fall anderen. Und wenn sie verbal nicht anders daher kommt als vor 70 Jahren (nur halt von links), dann geht mir etwas ab. Zunächst Würde. Und das Gefühl, dem humanen Bewusstsein sei Fortschritt widerfahren. Wäre nett.
      Aber wie ich gerade lese, hat sich das Thema „Todeswunsch“ überlebt. Der Mann zur Debatte ist verschieden. Herzlichst, Ihr FG

  • mare sagt:

    danke, klare worte braucht das land – vor allem achtung und respekt jedermann gegenüber sind die grundpfeiler jeglicher sozialen gemeinschaft – diese geraten zusehens ins wanken!!

  • Manfred Klimek sagt:

    Bitte lernen Sie Ihr Anliegen sprachlich korrekt zu formulieren, Danke..

  • Lina sagt:

    Sehr geehrter Herr Klimek,
    Leute wie sie sind der Grund, warum ich die Standard-Website nur mehr sehr selten anklicke. Ich verstehe nicht, warum der Standard leuten wie Ihnen so ein großes Forum bietet, ich glaube, dass sich der Standard damit langfristig einen schadet, die unsäglichen respektlosen Postings aller Art sind jedenfalls der Grund, warum ich den Standard mittlerweile nicht einmal mehr am Samstag Print lese.

  • Da das ja mich angeht, muss ich auch in gebotener Schärfe antworten. Hans Dichand hat sich bei mir den Ruf eines Nationalsozialisten aus folgenden Gründen eingeholt:

    1.) Er hat stets selber Artikel verfasst, in welchen er seine Kriegserlebnisse schildert. Niemals fand man dort auch nur ein Wort des Bedauerns, in einer menschenverachtenden Vernichtungsmaschinerie gedient zu haben. Ganz gegenteilig, immer trieften diese Texte von Selbstmitleid und stellten den Waffengang quasi als unvermeidlichen Akt der Geschichte dar. Motto: Keiner und jeder war Schuld (auch der Jude).

    2.) 1976 schrieb der ehemalige SS-Mann Viktor Reimann eine Serie für die Krone, die den Titel „Österreichs Juden“ trug, Die Serie war derart antisemitisch, dass ihr weiteres Erscheinen gerichtlich untersagt wurde.

    3.) Am 20 April 1999, Führers Geburtstag, erschien in der Krone ein von Dichand offenbar bestelltes Gedicht von Wolf Martin, in welchem Martin sehr gering verklausuliert Adolf Hitler über den grünen Klee lobt. In Deutschland hätte das zu einem Verbotsverfahren der Zeitung gelangt, sagt mir ein enger Vertrauter in der Springer-Presse.

    Es gibt noch unzählige andere Beweise, bis hin zum Philosemitismus, in welchem Dichand der starken Nation Israel frönt, so wie einst Albert Speer nach seiner Haftentlassung.

    Ich finde es redundant langweilig, andauernd darauf zu verweisen, dass Hans Dichand das nur aus Gründen der Geschäftstüchtigkeit macht. Ich halte Dichand für einen echten Nationalsozialisten. Kaum verstellt, wenig verborgen. Und für keinen Trittbrettfahrer.

    Es bleibt jedem überlassen, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Was mir aber auffällt ist, dass Österreicher, die wie ich im Ausland wohnen, auf Facebook eine viel radikalere Ansicht zu Dichand haben, als Österreicher, die in Österreich leben. Länger im Ausland, begreift man erst die Unmöglichkeit der Umstände und ihre perverse Obszönität.

    Ich gestehe also, ich begrüße den Tod von Hans Dichand, egal, wann er sich einstellen wird. Genauso wie ich den Tod jedes Nationalsozialisten begrüße, der sich nicht läutert und die Untat des Nationalsozialismus mit der Gegenwart zu verweben sucht. Ich kann nicht anders, schon der Millionen Opfer wegen, vor welchen ich mich verneigen. Sie würden denken wie ich. Deswegen denke ich so. Und schäme mich mitnichten.

    • Frater Gladius sagt:

      Werter Herr Klimek,

      ob das Sie angeht, müssen Sie wissen. Mein obiger Verweis bezog sich auf einen Bekannten, der Herrn Dichand mit ebenjenem Wort den Tod wünschte, wie es der Nazipöbel habituell „dem Juden“ ins Gesicht schmiss. Dieser Bekannte ist intelligent genug, um sich dessen bewusst zu sein. Er hat sich das also entweder in „künstlerischer Lizenz“ geleistet oder die bekannte Formel „Auge um Auge“ bemüht, die mich in Sachen „humaner Fortschritt“ auch nie sonderlich inspirierte.
      Und bei jenem Wort, das einen aller Humanität beraubten Tod signalisiert, ist es mir nun wirklich egal, ob es von links oder rechts kommt. Es ist und bleibt „Nazi-speak“ und markiert somit auch jenen, der es verwendet, Gnade der späten Geburt hin, bellende Hunde beißen nicht her. Ihr FG

      • Manfred Klimek sagt:

        Ich will den Wortlaut wissen, um..

        1.) zu wissen, ob ich gemeint war..

        2.) Die Konsequenzen daraus zu ziehen..

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