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Vertragslos, Finale

Von | 10.06.2010, 20:38 | Kein Kommentar

Das Tagebuch eines SVA-Versicherten und Hypochonders. Heute: Vorfreude auf Montag. Da gehe ich zum Arzt. Ich konnte nicht schlafen letzte Nacht. Höchstwahrscheinlich, weil es so heiß war. Draußen wie drinnen. Vielleicht aber auch, weil ich mich beim Abendessen verschluckt hatte, ein mikroskopisches Stückchen Salat auf meinem Kehlkopfdeckel landete und dort seither munter herumhüpft, was mich […]


Das Tagebuch eines SVA-Versicherten und Hypochonders. Heute: Vorfreude auf Montag. Da gehe ich zum Arzt.

Ich konnte nicht schlafen letzte Nacht. Höchstwahrscheinlich, weil es so heiß war. Draußen wie drinnen. Vielleicht aber auch, weil ich mich beim Abendessen verschluckt hatte, ein mikroskopisches Stückchen Salat auf meinem Kehlkopfdeckel landete und dort seither munter herumhüpft, was mich zu garstigen Hustkaskaden zwingt. Ach ja, der Puls schlägt auch mal wieder gefühlt auf tausend und das ohne Grund. Und das Ohrwaschel, diesmal das linke, pfeift mal wieder richtig laut. So laut, dass es diesmal nicht mal der Zimmerbrunnen übertüncht.

Es stünden also eine Menge Arztbesuche an, denk ich mir im Halbschlaf. Aber wer soll das bezahlen? Falsche Frage eigentlich: die SVA soll das bezahlen, klarer Fall. Die tut es halt gerade eben nicht. Und wahrscheinlich auch bis auf weiteres nicht. Just in dem Moment begann auch die Herzsache wieder zuzubeißen, Muskelverspannung links, Enge-Gefühl, you know, eh scho wissen.

Ich stand also auf und drehte den Computer auf, im Fernsehen lief nichts. Und wie ich so den Browser starte, fliegt mit die letzte, nächtliche Meldung des Nachrichten-Portals wie ein Schlag ins Gesicht: SVA und Ärztekammer haben sich geeinigt.

Es geschah am späten Abend und zwar bei einem Wiener Heurigen. Erstmals war sogar Christoph Leitl am Verhandlungstisch erschienen. Zu viert hatte man sich unterhalten und geeinigt, der vertragslose Zustand ist Geschichte. Als Details des Deals klarer wurden, klangen diese (hier der Link)  fast so verklausuliert, wie sich die monatlichen Abrechnungen der SVA gestalten.

Leitl kriegt ein Wurstsemmerl auf E-Card, die Ärztekammer legt ein Joghurt drauf. Einen Apfel kriegen wir Versicherten dazu, damit sich unser Cholesterinspiegel senkt, weil dann müssen wir weniger Selbstbehalt zahlen. So man in den letzten zehn Tagen beim Arzt war, gibt’s übrigens nix bis wenig zurück. Weil die bösen Ärzte die Situation genutzt haben, das Doppelte und Dreifache zu verlangen. Ein feistes Hintertürchen, das sich die SVA da offenhält. Vielleicht sitzen die Jungs ja auch noch immer beim Heurigen und teilen die Beute.

Ich für meinen Teil werde den Montag jedenfalls feudalst und ausschweifend dazu nutzen zum Arzt zu gehen. Was heißt zu einem: Alle die mir einfallen werde ich heimsuchen! Zuerst zum HNO-Arzt, falls mein Salatblatt dann noch immer steckt, aber auch sonst. Dann zum EKG, mit und ohne Belastung. Beim Hautarzt war ich zwar gerade, aber da gehört sicher noch was nachgebessert. Orthopäde wär noch ein guter Plan, der Rücken tut ja schließlich auch schon weh.

Meinem Körper zeig ichs. Ich werde ihm schwarz auf weiß beweisen, wie gut es mir geht. Bloß auf die Gesundenuntersuchung beim Hausarzt verzichte ich besser. Am End hat sich mein Cholesterinspiegel erhöht. Und dann wird die ganze Chose mal wieder richtig teuer.

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